Romane

Geschichten einer Ehe

Die sechs Geschichten einer Ehe schrieb die Irin Meave Brennan in den Jahren 1952 bis 1973 f?r die Zeitschrift New Yorker. Der Steidl Verlag f?gt sie heute in einer deutschen ?bersetzung zu einer Einheit zusammen, die so etwas wie ein Roman ist. Da? die Kapitel einst in loser Reihenfolge erschienen und nun der Chronologie des Ehelebens von Mr. und Mrs. Derdon angepasst wurden merkt der Leser nur, weil die Personen an Anfang eines Kapitels immer wieder vorgestellt werden.

Unspektakul?r, fast lakonisch, aber immer pr?zise erz?hlt Brennan von den Grausamkeiten des allt?glichen Zusammenlebens, die sich die Eheleute nicht immer absichtlich zuf?gen, die sie aber auch nicht verhindern k?nnen. Im zerm?rbenden Alltag, dem es durchaus nicht an Momenten des guten Willens fehlt, in denen das Bem?hen aufflackert, die Situation zum Guten zu wenden, dem anderen eine Br?cke zu bauen, geht die Kontaktaufnahme aber immer wieder schief. Was bleibt, ist der selbstqu?lerische R?ckzug hinter die Fassade, um das Leben am laufen zu halten. ?Als Rose in der T?r?ffnung erschien, empfand Hubert eine solche Abneigung, da? er l?chelte.? Zwangsl?ufig ist dieser Alltag reich an kleinen Grausamkeiten, die ganz bewusst ausgef?hrt werden, weil er zum Beispiel nicht ohne Ekel sehen kann, wie sie ihr Essen herunter schlingt.

Nie den erl?senden Satz finden

Mr. Derdon ? einst Hubert, der um die Hand der jungen Rose anhielt ? kommt wie immer zur gleichen Zeit von der Arbeit nach Hause und sieht gerade noch wie die K?chent?r zu f?llt und seine Frau dahinter verschwindet. Er fragt sich, ob Rose mit Absicht die T?r genau in dem Moment zugeschlagen hat, in dem er das gemeinsame Haus betritt. Mit diesem Gedanken verbringt Hubert nun den Abend bis er ihm zur Gewissheit wird, der dann Rose als Vorwurf trifft. Der sp?tere Versuch einer Vers?hnung scheitert an den passenden Worten, einer Sprachlosigkeit, die vor allem darin besteht, da? auch im Gesagten nie der Satz gefunden wird, der die beiden Eheleute aus der beklemmenden Situation erl?sen k?nnte. Dem anderen mitteilen k?nnen was man denkt, so da? er versteht, und vom anderen erfahren zu k?nnen, was er denkt. Die Beziehung scheitert, weil beider Bed?rfnisse, von dem anderen wahrgenommen zu werden, letztlich sichtbar zu sein, nicht erf?llt werden.

Brennan thematisiert ?ber das Zerst?rerische des Zusammenlebens der Eheleute das grunds?tzliche Problem zwischenmenschlichen Verstehens auf die ihr eigne Weise. Auch im Kontakt mit Fremden widerf?hrt den Eheleuten auf qu?lende Art und Weise, die Verfestigung eines Gedankens ?ber die Meinung eines Anderen zur Realit?tsbildenden Gewissheit.

Die Wiederentdeckung einer Unbekannten

Die Autorin, 1917 in Dublin geboren, wo auch ihre Geschichten spielen, siedelt 1934 mit ihrer Familie nach New York ?ber, wo sie alleine zur?ckblieb als diese nach Irland zur?ckkehrte. Maeve Brennan schrieb ?ber zwanzig Jahre Rezensionen, Kurzgeschichten und eine Kolumne f?r die Redaktion des New Yorker, bis 1973, und hauste dort gegen Ende Ihres Lebens in einer Abstellkammer. Nach Ihrer Scheidung n?mlich wurde ihr Leben rastlos, Brennan zog von Hotel zu Hotel, von Bar zu Bar. Sie erlitt schizophrene Sch?be bis sie nicht mehr schreiben konnte. Verarmt und vergessen starb Meave Brennan 1993. Erst 1997 erinnerte man sich ihr wieder als William Maxell sie neu herausgab. Mit der deutschen Ausgabe der Novelle ?Die Besucherin? von 2003 und den Geschichten von den Derdons kann man die Erz?hlerin nun auch hierzulande wiederentdecken.

Sascha M?ller
08.05.2006

 
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Das Buch:

Maeve Brennan: Mr. und Mrs. Derdon

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Gttingen: Steidl Verlag 2006
185 S., 16,00
ISBN: 3-86521-247-6

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