Romane

Ein dramatischer und legendrer Kampf gegen die kollektive Angst

"Angeblich hat der Apotheker Jacob Drontheym den Tod besiegt." Mit diesem Satz beginnt Wolfgang Helds Buch "Die Schattenfabel", das 2014 im August-von-Goethe-Literaturverlag erschienen ist.

Im Mittelpunkt dieses Romans stehen die Figuren Elena, der Apotheker Jacob von Drontheym, der Advokat Felix von Drontheym sowie der Maler Philip Crola. Im Verlauf des Romans warten die beiden Brüder von Drontheym am Meer stehend auf Elena, die mit ihrem Boot hinausgefahren ist. Crola beobachtet sie dabei. Durch zahlreiche Rückblenden erfährt der Leser die Geschichte um Elena und was bis dahin passiert ist. An ihrem 16. Geburtstag wird Elena von einem Hermelin gebissen und kann nur dadurch gerettet werden, dass Jacob von Drontheym ihr das Gift aus der Wunde saugt. Ein Jahr später zieht sie zu ihm und arbeitet bei dem Barbier der Stadt und als Fährfrau. Im Laufe der Geschichte werden die Machenschaften der Brüder Drontheym als sehr düster beschrieben: Jacob braue Gifte, während Felix auch Mörder und Diebe freispreche. Elena bleibt vier Tage verschwunden. Während dieser Zeit sucht ihr Vormund sie und versucht, die Brüder Drontheym in Verruf zu bringen. Es kommt schließlich zu einer Gerichtsverhandlung, in der Jacob beschuldigt wird, einen Fischer durch Gift ermordet zu haben. Er wird freigesprochen und bricht zusammen, als er das Gericht verlässt. Elena kehrt wieder heim und hilft Jacob dabei, den Tod zu besiegen.

"Die Schattenfabel" ist ein sehr packender Roman, der zahlreiche Spannungsbögen und Wendungen für den geneigten Leser bereit hält. Wolfgang Held nimmt Bezüge auf die römische und griechische Mythologie sowie auf klassische Werke.

Die Figur der Elena ist in ihrer Ambivalenz sehr überzeugend gezeichnet. Zum einen erscheint sie als nettes, offenes Mädchen, zum anderen aber auch als beängstigend, wenn der Autor auf ihre "manisch leuchtenden Augen" und ihre "glühende Narbe" Bezug nimmt. Der Leser fragt sich, ob sie denn nun Opfer eines mythischen Wesens geworden ist, was diese Wandlung erklären könnte, oder ob es andere Gründe dafür gibt. Bis zum Ende wird man im Dunkeln gelassen, bis berichtet wird, dass sich auf der viertägigen Bootsfahrt ein Geschwür aus ihrem Hals löst, wodurch auf einmal der Heilungsprozess beginnen kann.

Die düstere Atmosphäre trägt ihrerseits dazu bei, dass der Leser das Buch nicht aus der Hand legen kann. So wird von Doppelgängerinnen erzählt, die Jacob von Drontheym verehren und von einem bösen Wind, der die Saaltür aufstößt, wodurch ein Schatten hereinfällt, "als stürze ein Mensch aufs Gesicht mit flehend ausgestreckten Armen".
Die bildreiche Sprache des Autors zeigt sich vor allem in seinen Beschreibungen, die auch durch Philip Crola verdeutlicht werden. Um dies noch zu intensivieren, werden der Geschichte anhängend Bilder Crolas gezeigt, die die gesamte Geschichte nochmals erzählen und die Atmosphäre unterstreichen, wodurch es dem Leser vorkommt, als sei er mitten im Geschehen.

Dieser Roman zeichnet sich nicht nur durch seine Originalität bei der Verwendung klassischer Motive aus, sondern auch durch seine Sprache und die bildhaft beschriebene Atmosphäre. Ein Muss für jeden, der düstere Erzählungen mag und sich auch nicht durch zahlreiche, gekonnt gesetzte Zeitsprünge abschrecken lässt!

Hugo Meyer
27.10.2014

 
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Das Buch:

Wolfgang Held: Die Schattenfabel

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Verlag: August-von-Goethe-Literaturverlag 2014
130 S., 19,80
ISBN: 978-3-8372-1507-6

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