Romane

Eine Mafia-Komödie voller spritzigem Witz und einer Extraportion Herz

Fred Blake und seine Familie, bestehend aus Ehefrau Maggie und den Kindern Belle und Warren, verschlägt es von den USA in das malerische Cholong-sur-Avre. In der Normandie sind die vier hoffentlich sicher vor der Mafia. Fred ist nämlich kein Schriftsteller, der an einem Buch über die Landung der Alliierten schreibt, wie er seinen neuen Nachbarn weiszumachen versucht, sondern heißt in Wahrheit Giovanni Manzoni und ist seit einiger Zeit auf der Flucht vor der Cosa Nostra. Nachdem er seine "Familie" und ihre größten Geheimnisse an die Polizei verraten hat, wurden Fred, seine Frau und die Kinder in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Nun stellen sie sich in Frankreich der Herausforderung, ein einigermaßen normales Leben zu führen.

In dem kleinen Ort nicht aufzufallen ist leichter gesagt als getan. Belle verdreht den Jungs in ihrer Klasse den Kopf und Warren wird zu einer Art Robin Hood des Schulhofs. Und auch Fred zieht mit seinem eher ungewöhnlichen Beruf die Aufmerksamkeit auf sich. Die Nachbarn wollen ganz genau wissen, was er in seinem Buch schreiben will. Und Fred weiß auf all ihre Fragen partout keine Antwort. Stattdessen zieht er sich zurück und feilt an seinen Memoiren. Als dann eines Tages sein Neffe Ben wie aus dem Nichts auftaucht, ist großer Ärger vorprogrammiert. Die FBI-Agenten, die zum Schutz der Blakes mit nach Frankreich gereist sind, haben alle Hände voll zu tun, dass die Tarnung nicht auffliegt - zumal die Mafia bereits im Anmarsch ist ...

Temporeich, voll schwarzem Humor und schlichtweg genial - "Malavita" ist der Beweis: Tonino Benacquista schreibt Bücher, die einen glatt umhauen und alles sind, aber definitiv nicht nullachtfünfzehn. Beim Schmökern muss man mit dem ein oder anderen Lachanfall kämpfen und bekommt außerdem unglaublich gute Laune. Kein Wunder, dass Martin Scorsese und Luc Besson einfach nicht widerstehen konnten und den vorliegenden Roman nun auf die Kinoleinwand (mit Robert De Niro, Michelle Pfeiffer und Tommy Lee Jones in den Hautrollen) bringen. Eines steht fest: Der Film wird garantiert genauso reinhauen wie das Buch. Der französische Autor schafft nämlich mit seinen Worten Unterhaltung, die alles andere glatt in den Schatten stellt.

"Malavita" ist die beste Mafia-Komödie seit ... - auf alle Fälle seit einer halben Ewigkeit. Tonino Benacquista gelingt hier herrlich schräger Lesespaß, dem es weder an Gefühl noch an Spannung mangelt. Vor dieser Lektüre muss man sich in Acht nehmen, denn dieser Roman kennt mit seinem Leser und dessen Bauchmuskeln wahrlich keine Gnade.

Susann Fleischer
04.11.2013

 
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Das Buch:

Tonino Benacquista:
Malavita. Eine Mafia-Komödie. Aus dem Französischen von Herbert Fell

Bild: Buchcover Tonino Benacquista, Malavita. Eine Mafia-Komödie

München: carl´s books 2013
304 S., € 14,99
ISBN: 978-3-570-58528-3

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