Romane

Eine Geschichte, die den Leser nicht mehr loslässt

Vor langer Zeit, als die Menschheitsgeschichte noch am Anfang steht, lebt ein Mann namens Dor, der eines Tages den Zorn Gottes auf sich zieht. Warum? Er hat es gewagt, die erste Uhr der Welt zu erfinden und damit die Allmacht des Herrschers über die Welt infrage zu stellen - ein großer Fehler, wie Dor schon bald erkennt, als er für viele, viele Jahrhunderte in eine Höhle verbannt wird. Dort muss er den Stimmen lauschen, die nach mehr oder weniger Zeit verlangen, und sich erinnern an die einst so glückliche Zeit mit seiner großen Liebe. Doch diese hat schließlich ein tragisches Ende gefunden und Dor ist dazu auserwählt, auf ein magisches Stundenglas achtzugeben. Mit diesem wird er nach einer halben Ewigkeit in die Gegenwart geschickt.

Dor entkommt seinem Gefängnis und gerät in eine Welt, die so viel anders ist als die, die er kennt. Es ist eine Welt, in der Zeit alles dominiert und die Menschen immer mehr an dieser zu scheitern drohen - so wie der erfolgreiche Geschäftsmann Victor, dem die Zeit davonrennt. Die Ärzte haben bei ihm Krebs diagnostiziert, aber die Therapie scheint nicht anzuschlagen. Victor bleiben nur noch wenige Monate, die zu einem Kampf auf Leben und Tod zu werden drohen. Es sei denn, er löst das Geheimnis vom ewigen Leben, von der Unsterblichkeit. Etwas anderes hingegen wünscht sich die 17-jährige Sarah, die in der Schule eine Außenseiterin ist und Selbstmordgedanken mit sich herumschleppt. Eine Katastrophe scheint immer unausweichlicher.

Es gibt nur eine Möglichkeit das Unglück noch abzuwenden und für Dor, sich selbst zu retten: Er muss diese beiden Menschen zusammenbringen und ihnen die wahre Bedeutung der Zeit lehren. Das ist allerdings kein leichtes Unterfangen, denn Dor sieht sich gezwungen, für einen Augenblick die Welt zum Stillstand zu bringen - ungeachtet der verheerenden Folgen, die ein Anhalten der Zeit mit sich bringt ...

Mitch Alboms Geschichten sind ein originelles Vergnügen, für das der Leser liebend gerne alles um sich herum vergisst. Sein Roman "Der Stundenzähler" bedeutet amüsante Unterhaltung voller Gefühl und Einfallsreichtum - eben ein Genuss, der einen geradezu umhaut und nicht mehr zu Atem kommen lässt. Bei der Lektüre fühlt man sich in einem Traum gefangen, denn der Geschichte vom Hüter der Zeit haftet etwas Märchenhaftes an, sodass sich hier Raum und Zeit zu verlieren scheinen. Es gibt beinahe nichts Schöneres, als sich auf diese Art und Weise in einen tranceähnlichen Zustand zu lesen - zumal solch ein Vergnügen von großer Seltenheit in der Literaturwelt ist. Davon kann sich manch anderer Autor noch eine Scheibe abschneiden.

Der US-amerikanische Schriftsteller Mitch Albom versteht es hervorragend, seine Leser zu einer Lektüre zu verführen, die alles ist, aber ganz sicher nicht nullachtfünfzehn. Mit "Der Stundenzähler" gelingt ihm reinste Poesie, die in diesem Fall zu (Lese-)Spaß mit dem gewissen Etwas wird - und damit zu einem Highlight der Unterhaltung.

Susann Fleischer
22.07.2013

 
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Das Buch:

Mitch Albom:
Der Stundenzähler. Aus dem Amerikanischen von Sibylle Schmidt

Bild: Buchcover Mitch Albom, Der Stundenzähler

München: Goldmann Verlag 2013
272 S., € 8,99
ISBN: 978-3-442-47949-8

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