Romane

Der Verkommenheit entkommen

Das ist nicht neu! Auch das nicht! Immer wieder wechseln Journalisten die Spur und landen in der Literatur. Die Liste ist lang. Sie beginnt nicht erst mit Hans Habe ?ber Stefan Heym bis hin zu Alexander Osang. Die Liste verl?ngert nun Matthias Frings mit dem Roman "Ein makelloser Abstieg". Gemeinsam ist den Genannten und somit ihrer Literatur, dass sie Unterhaltungsliteratur der besseren, bisweilen besten Art ist. Frings hatte als Sachbuchautor bereits einen Namen, bevor er als Fernsehmoderator eine mediale Gr??e wurde. 

Matthias Frings kennt jede Branche. Die der Bilder. Die des Drucks. Er hat den Stoff in sich, der der Stoff seines Romans ist. Frings ist der Stoff. Den verteilt er gener?s auf die Figur des Simon Minkoff, einen Fernsehmoderator, und Gregor B?hm, einen Journalisten. Der Eine ist, fast mysteri?s, ?ber Nacht vom Bildschirm verschwunden. Der Andere ist auf der Spur des Verschwundenen. Das w?re die einfache, schlichte Geschichte, die der Autor nicht so schlicht, einfach erz?hlt. Wer Osangs Medien-Roman ?Die Nachrichten? kennt, muss sich nicht sorgen, eine Wiederholung in die Hand zu bekommen. Wer Osang kennt, den wird Frings weniger ?berraschen. Wenn er denn ?berrascht. Mit der Geschichte an sich. Mit den Geschichten in der Geschichte. Die Geschichten - oder Geschichtchen - in der Geschichte machen die Unterhaltung aus im Fring?schen Unterhaltungsroman. Geschichtchen mit ein bisschen Sex, mit ein bisschen Kochen und Essen, ein bisschen Trinken, ein bisschen Spazierengehen. 

Das Kulinarische ist den West-Autoren, also Frings, wichtiger als den Ost-Autoren, also Osang. Was das bedeutet? Sinniger und sinnlicher wird Literatur durch das Kulinarische nicht. Wei? auch Matthias Frings. Und muss mehr bieten, hat mehr zu bieten. Er gibt vor, von einem Abducken in die Anonymit?t zu berichten, ohne sich mit dem unaufhaltsamen Aufstieg des Moderators aufzuhalten. Die Leser m?ssen es hinnehmen, einen Namhaften zu begleiten, von dem sie kaum erfahren, was seine Namhaftigkeit machte und ausmachte. Wie da die Flucht, den Verzicht des Simon Minkoff verstehen? Mitf?hlen mit Minkoff ist alles! F?hlen, in welcher Unfreiheit ein Mensch existiert, der keinen Tag eine freie Stunde hat. Zusehen, wie einer die Zwangsjacke auszieht, in die er sich stecken lie?. Schadenfreude kann da gar nicht aufkommen, wenn Mensch Minkoff wieder Mensch wird. Der Mensch, der schlie?lich die ganze mediale, digitale Welt verl?sst und dennoch in der Welt bleibt. Frings schildert nicht Glanz und Elend eines Moderators. Der Glanz ist nicht glamour?s. Das Elend so elend nicht. 

Matthias Frings ist die Figur des Simon Minkoff wichtig, um den vermeintlichen Glanz der Medien, der voller vulg?rem Elend ist, nackt, also ohne Samt und Seide zu zeigen. Die gesammelten Dummheiten der Medien, der tats?chlichen wie inszenierten, sind das Thema des Romans "Ein makelloser Abstieg". Abstieg, in absoluter Konsequenz, f?r wen? F?r den Moderator? F?r seine im Alkoholismus versinkende Freundin? F?r den Journalisten B?hm, der meint, dem Moderator auf die Schliche zu kommen? Frings nutzt Gesellschaften und Geschichten, um eine geheuchelte Welt vorzuf?hren, die in der Heuchelei ein Hehler der Verkommenheit ist. In Minoff und B?hm wird die Heuchelei konzentriert und ihr Versuch, der Verkommenheit zu entkommen. Was daraus wird, wissen die Leser sp?testens, wenn sie die drei Seiten des Abspanns lesen. 

Immer flei?ig unterhalten, so gut der Schriftsteller es versteht, zu unterhalten. Mit der berlinerischen Szenerie sowieso. Mit dem Slang, den auf- und abtretende Figuren einbringen. Mit der st?dtischen Schl?ue, die in so vielen Dialogen ist, die jede Bauernschl?ue ?bertreffen. Die Prosa von Frings hat Pfiffigkeit. Fast ist man geneigt, den Autor einen Schelm zu nennen. Garantiert ist er ein verschmitzter Sp?tter, der f?r Spott sorgt, wenn die Story sie mal nicht hat. Wenn sie, dann und wann ist, wie ein allzu verd?nnter Limonadensaft. Macht nichts. Wer begonnen hat mit "Ein makelloser Abstieg" schl?rft bis zur Neige und denkt ans Wiedersehen der Story im Fernsehen. Wer wird dem Matthias Frings etwas ?belnehmen, der mit so charmantem L?cheln von den Schandtaten der Medienwelt erz?hlt. 

Bernd Heimberger 
23.05.2011

 
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Das Buch:

Matthias Frings: Ein makelloser Abstieg

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Berlin: Aufbau Verlag 2011
458 S., 19,95
ISBN: 978-3-351-03340-8

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