Romane

Poesie - Die hohe Kunst der Literatur

Der deutsche Autor Dietmar Dath ist spätestens seit dem Erscheinen seines Romans "Die Abschaffung der Arten" im Jahre 2008 eine feste Größe auf dem hiesigen Buchmarkt, deren Bücher von einer immensen Sprachkraft leben und damit dem Leser bezaubernde Stunden der Lektüre schenken. Von ebensolcher Wucht ist auch sein Roman "Sämmtliche Gedichte", der von dem Stellenwert der Poesie in unserer Gesellschaft erzählt und zugleich ein Zeugnis von überwältigender Schönheit geworden ist. Dass sich Dath mit dem vorliegenden Werk von der breiten Masse abhebt, lässt bereits das ungewöhnliche Cover erahnen, das von innen heraus zu strahlen scheint - und damit den Leser für sich einnimmt.

Für Adam Sladek ist die Poesie mehr als eine literarische Erscheinungsform, die in Versen und Reimen die Gefühle des Verfassers ausdrücken möchte. Ohne die Dichtung wären Politik, Wissenschaft und Kunst kaum in ihrer Urform möglich - eine waghalsige Theorie, die bei einem schwerreichen Philanthrop auf Widerstand trifft. Der Millionär lockt den erfolgreichen Dichter mit viel Geld und der Aussicht auf die Gesamtausgabe seiner Gedichte - aber nur, wenn Adam für ihn eine Dichtung schafft, die Götter weckt und die Menschenwelt verwandelt. Diese Auftragsarbeit führt ihn in die Tiefen der griechischen Mythologie und der spätantiken Dichtung, ist aber zugleich der Auslöser eines Streitgesprächs über den Stellenwert der Poesie.

In völliger Abgeschiedenheit begegnet Adam einer geheimnisvollen Jägerin, die sich für die Reinkarnation der berühmten waghalsigen Fliegerin Amelia Earhart hält. Adam glaubt in ihr einen Avatar von Artemis (die griechische Göttin der Jagd, des Waldes und die Hüterin der Frauen und Kinder) zu erkennen. Schon bald findet sich der Poet in einem rauschenden Strudel wieder, der ihn in Lebensgefahr bringt. Ihn umtreibt eine Frage: Was steckt tatsächlich hinter den Absichten seines Auftragsgebers, der mit Adam ein böses Spiel treibt?

Dietmar Dath ist es abermals gelungen: Mit seinem Roman "Sämmtliche Gedichte" hat er eine schillernde Komposition der Worte geschaffen, die auf grandiose Weise mit den literarischen Kunstformen spielt - und aus diesem Grunde dem Leser ein ungewöhnliches Lektüreerlebnis schenkt. Wort- und bildgewaltig entwickelt der deutsche Autor seine ungewöhnliche Geschichte, die in sich eine ungeahnte Anmut trägt und trotzdem von einer spielerischen Leichtigkeit ist. So hat ein Roman zu sein, der die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Schönheit der Literatur zieht.

Susann Fleischer
21.02.2011

 
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Das Buch:

Dietmar Dath:
Sämmtliche Gedichte

Bild: Buchcover Dietmar Dath, Sämmtliche Gedichte

Berlin: Suhrkamp Verlag 2011
284 S., € 8,95
ISBN: 978-3-518-46215-7

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