Romane

Sterben muss jeder mal

Fiona Yu, 28 Jahre jung, unterforderte Anwältin mit chinesischen Wurzeln und immer noch Jungfrau, hat mehr als einen Grund, um aus dem engen Moraldenken ihrer Familie auszubrechen: Der Vater versucht nun schon seit Jahren, seine Tochter mit einem guten chinesischen Jungen zu verkuppeln - scheitert allerdings immer wieder aufs Neue an Fis Vorstellungen von Mr. Right. Sie hingegen hat genug von ihrem Hello-Kitty-Dasein und dem ewigen Ja-Sagen. Dafür ist ihr jedes Mittel recht, denn die Angst, wie ihre Mutter als brave Hausfrau an Heim und Herd gekettet zu sein, wird von Tag zu Tag größer.

Den ersten Schritt in ein freies Leben, in dem sie über sich selbst bestimmt, ist ihre Entjungferung. Zu diesem Zweck soll ein Dildo seinen Dienst tun. Aber zu Fis Schock stellt sich dabei heraus, dass sie gar kein Jungfernhäutchen besitzt. Kurzerhand sieht sie sich in ihrer alten Rolle der wohlerzogenen Tochter und begibt sich in die Praxis eines Hymenwiederherstellungschirurgen. Doch da erlebt sie die Überraschung ihres Lebens. Dr. Sean Killroy stellt sich als ehemaliger Klassenkamerad heraus, der nicht nur als Arzt Karriere gemacht hat.

Wie Fi erfährt, verwandelt sich der Charmeur im Schutz der Nacht, wenn es draußen dunkel ist und die Schatten langsam herauskriechen, zu einem eleganten Serienkiller, der es auf unschuldige, reiche Frauen abgesehen hat. Mit ihm an ihrer Seite nimmt Fis Leben innerhalb kürzester Zeit rasant an Fahrt auf. Er glaubt Gottes Werk zu vollenden, während sie nach dem Sinn in ihrem Leben sucht - fernab von Leidenschaft und Sex. Die Hoffnung, dass Fi ihre Hello Kitty dabei auch zu Grabe tragen kann, bleibt selbst dann bestehen, als die Situation langsam aus dem Ruder zu laufen droht ...

Herrlich zynisch, bitterböse und jenseits eines rosaroten Frauenromans entwickelt sich Angela S. Chois literarisches Debüt "Hello Kitty muss sterben" zu einem unterhaltsamen Meisterstück an Raffinesse und Schlagfertigkeit über die Beengtheit moralischer Vorstellungen. Der schwarze Humor, mit dem Choi nicht spart, trägt zusätzlich zum kurzweiligen Amüsement des Lesers bei, der sich trotz der Ernsthaftigkeit dieses Themas auf dem Sofa vor Lachen kringeln wird. Unterhaltung auf hohem Niveau - so lässt sich Chois Roman "Hello Kitty muss sterben" am besten beschreiben.

Susann Fleischer
03.01.2011

 
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Das Buch:

Angela S. Choi:
Hello Kitty muss sterben. Aus dem Amerikanischen von Ute Brammertz

Bild: Buchcover Angela S. Choi: Hello Kitty muss sterben

München: Luchterhand Literaturverlag 2010
288 S., € 14,99
ISBN: 978-3-630-87339-8

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