Romane

Ein Klassiker der Weltliteratur - auch nach 160 Jahren aktuell wie eh und je

Auf sechs Verfilmungen kann inzwischen "Der scharlachrote Buchstabe" zur?ckblicken. Der Roman von Nathaniel Hawthorne ?ber das Schicksal der Esther Prynne gilt als bedeutendstes Werk der US-amerikanischen Literatur und bietet die perfekte Vorlage f?r ein Drama, das seine Zuschauer im Kino fesselt und nach Filmende ?ber das Leben und die Gesellschaft nachdenken l?sst. Auch 160 Jahre nach seiner Erstver?ffentlichung hat das Werk nichts an seiner epischen Kraft und gewollten Aussage verloren. Zu diesem Ergebnis kommt man nach der Lekt?re der im dtv erschienenen Neuausgabe.

Boston im Jahre 1640: Esther Prynne hat die gr??te S?nde begannen, die man sich im puritanischen Neuengland vorstellen kann. Sie beging Ehebruch und nahm von ihrem Geliebten ein Kind in Empfang. Fortan muss sie als Zeichen ihrer moralischen Schande auf ihrem Kleid den scharlachroten Buchstaben A tragen. Damit ist sie f?r immer als "Adulteress" (Ehebrecherin) gebrandmarkt und f?r alle als solche erkennbar. Von den Bostonern ge?chtet, aus dem Gesellschaftsleben versto?en und in ihrer Liebe zum Vater des unehelichen Kindes entt?uscht, versucht Esther ihr Leben auf die beste Art zu meistern. Doch dies gestaltet sich in einer Zeit und Gesellschaft, in der die Menschen nach ihrem moralischen Tun beurteilt werden, recht schwierig.

Aber nicht nur Esther hat K?mpfe zu bestreiten, auch der Kindsvater leidet. Es handelt sich um den allseits gesch?tzten jungen Priester Arthur Dimmesdale, der von Schuldgef?hlen fortw?hrend geplagt wird. Er hat moralisch ebenso sch?ndlich gehandelt wie Esther, doch statt wie sie die Schuld abzub??en, geht er seiner T?tigkeit als Geistlicher nach und richtet ?ber die Unmoral. Die Lage ?ndert sich dramatisch, als Esthers verschollener Gatte zur?ckkehrt und unter dem falschen Namen Roger Chillingworth nach Rache sinnt. Schlie?lich wurde er von seiner Frau als geh?rnter Ehemann blo?gestellt und kann seine Ehre erst wieder herstellen, wenn er Esthers Geliebten f?r die einst begangene Untat b??en l?sst.

Nathaniel Hawthornes Roman "Der scharlachrote Buchstabe" entwickelt sich zu einer Charakterstudie, die wie kaum ein anderes literarisches Werk das Amerika des 17. Jahrhunderts beleuchtet. Der Autor richtet den Fokus des Romans weniger auf die Protagonistin, sondern vielmehr auf eine Gesellschaft, die moralisch ?ber die Menschen richtet und Fehltritte unbarmherzig verurteilt. Auch wenn diese "Romance" inzwischen 160 Jahre alt ist, so hat sie an ihrer Brisanz und an epischer Sprachgewalt nichts eingeb??t. Sie f?hrt dem Leser einen Spiegel vor, in dem man seine eigene Seele (wieder-)erkennt und so ein St?ckchen Wahrheit ?ber sich selbst erf?hrt. Hawthorne hat damit ein Werk geschaffen, das ber?hrt, nachdenklich macht und f?r immer die Seele bewegt. Ein Buch, das gerechterweise zum Pflichtkanon der Weltliteratur geh?rt und noch bei nachfolgenden Generationen als ein Monumentalwerk im Ged?chtnis bleiben wird.

Susann Fleischer
10.05.2010

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe. Aus dem Amerikanischen von Franz Blei

CMS_IMGTITLE[1]

Mnchen: dtv 2010
352 S., 9,90
ISBN: 978-3-423-13863-5

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.