Romane

Zur Zeit der Neandertaler

Handlungszeitpunkt der Geschichte von Theo van Haas` Roman "Der Sonnenmensch" ist die Würm-Eiszeit, als bis vor etwa 35.000 Jahren der Homo Neanderthalensis in Mitteleuropa lebte. Der Autor erzählt die fiktive Geschichte des jungen Cro-Magnon-Menschen "Mond", der unter Hornstirnigen heranwächst.

Mond, ein schlaksiger Jüngling wächst in einem Familienverband auf, der nicht sein eigener ist. Er kennt Mutter und Vater nicht und hält sich von Beginn an an den großen Schoo, der die Gruppe anführt und leitet. Der alternde Mann passt auf ihn auf, denn Mond ist irgendwie anders und wird deshalb nicht wahrgenommen. Die Gruppe zieht ihn mit, ohne ihm Beachtung zu schenken. Doch eines Tages stirbt Schoo und Mond wird aus der Gruppe ausgestoßen. Fortan zieht er alleine umher und sucht Anschluss. Er findet einen großen Familienverband und lernt dort seine zukünftige Frau Oschbi kennen. Oschbi und Mond werden ein Paar und ziehen fort. Doch das Land steckt mitten in der Kältezeit und Hunger und Frost machen beiden das Leben schwer. Mond und Oschbi werden in einen Hinterhalt gelockt und Oschbi verliert dabei ihr Leben. Mond ist wieder alleine und erneut auf der Suche nach Anschluss.

Erneut findet Mond eine Gruppe, allerdings eine, die anders ist als er. Mond verständigt sich mit Lauten und Gesten, aber keiner ausgereiften Sprache, während die Menschen dort definitiv sprechen. Ihr geistiger Anführer ist Etele. Mond wird in den Stamm aufgenommen und von Etele zum Begleiter ausgebildet, was ihm besondere Fähigkeiten verleiht. Doch die Gruppe ist stark geschwächt, weil ein Mitglied geflohen ist, dessen Platz nun Mond einnehmen soll. Mond ist schon erwachsen, als ihm die geistige Lehre Eteles zuteil wird, während sein Vorgänger Ikschischi schon als Kind ausgebildet wurde. So fehlt es Mond hier und da an Stärken.

Und es ergeben sich weitere Probleme: Die Mitglieder dieses Familienverbandes sehen ganz anders aus als Mond und er tut sich schwer, ihre Sprache zu lernen, ihre Bräuche anzunehmen, und auch in deren Frauen kann er keine zukünftige Partnerin finden, weil sie ihm so fremd sind. Doch die Zeit bringt auch viel Gutes mit sich und Etele stärkt die Gruppe im Glauben daran, dass Mond Ikschischis Nachfolger ist. Nur Ikschischi muss noch gefunden werden. Er ist ein Verräter und soll zur Rechenschaft gezogen werden für sein feiges Fortgehen, welches die Familie in eine tiefe Krise gestürzt hat. Und so begeben sich mutige Jäger auf den Weg, um Ikschischi ausfindig zu machen, zu der Gruppe zurückzuführen und dann Rache nehmen zu können. Mond wächst zu einem Mann heran - in jeder Hinsicht. Er lernt immer Neues hinzu und stürzt sich schlussendlich in ein großes und gefährliches Abenteuer.

Theo van Haas hat mit "Der Sonnenmensch" einen fiktiven Roman geschrieben, der gespickt ist mit Authentizität auf historischer Ebene. Die Würm-Eiszeit wird sehr realistisch wiedergegeben. Die in Fell eingepackten Krieger mit ihren Speeren tauchen vor dem inneren Auge des Lesers auf. Auch ihre Verständigung untereinander und ihr Verhalten sind unglaublich authentisch wiedergegeben. Beim Lesen verfällt man in die damalige Zeit und fühlt sich mit den Protagonisten verbunden. Auch das Spannungsmoment hält der Autor von Beginn an aufrecht. Längen sind keine zu finden und die Geschichte hangelt sich an ihrem roten Faden entlang bis zum Schluss, der fulminant ist und dann sachte ausklingt, wie der Höhepunkt eines Musikkonzertes. Ein rundherum gelungener, spannender und hochinteressanter Roman.

Tanja Küsters
14.12.2009

 
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Das Buch:

Theo van Haas: Der Sonnenmensch

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Frankfurt am Main: Frankfurter Literaturverlag 2009
308 S., 13,40
ISBN: 978-3-8372-0478-0

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