Romane

Erben macht nicht glcklich , aber reicher

Entgegen des klassischen Schemas eines Frauenromans behandelt "In Wahrheit wird viel mehr gelogen" nicht den Anfang einer Liebesgeschichte, sondern deren Ende. Protagonistin in Kerstin Giers neuem Roman ist Carolin, eine 26-jährige Frau, die in ihren jungen Jahren bereits Witwe geworden ist und um ihren verstorbenen Mann trauert. Dies ist nicht gerade der Stoff, aus dem die lustigen Erzählungen sind, so möchte man zumindest anfangs meinen. Doch da belehrt Gier uns eines Besseren.

Carolin ist hochbegabt, hat bereits mehrere Studienabschlüsse und beherrscht verschiedene Musikinstrumente sowie diverse Fremdsprachen. Als jedoch ihr Mann Karl stirbt und sie sich mit seiner Familie um das zu erbende Vermögen streiten soll, ist sie vollkommen überfordert. Die junge Frau versinkt in ihrer Trauer und möchte mit den Geschehnissen um sie herum am liebsten nichts zu tun haben. Dummerweise ist da auch noch Leo, ihr Exfreund und gleichzeitig der Sohn ihres verstorbenen Mannes.

Der Leser erfährt von dem Tag, an dem sich Carolin und Karl kennen und lieben lernen. Ausgerechnet an dem Tag vor fünf Jahren, an dem sich ihr bis dato Freund Leo, der Sohn ihres Zukünftigen, ein bisschen Abstand in der Beziehung wünscht. Leo, dem sie ihre Hochbegabung verschwiegen hat, weil sich für die Erwähnung irgendwie noch nicht der richtige Moment ergeben hat. Leo, den sie seitdem nicht mehr gesehen hat und mit dem sie nun wieder zusammentrifft.

Carolins Ehemann Karl, doppelt so alt wie sie, ist der erste Mann, der sich vor ihrer Intelligenz nicht fürchtet, sondern sie "irgendwie sexy" findet. Zu Lebzeiten hat der Kunsthistoriker jedoch offensichtlich vergessen seiner Frau von dem Vermögen zu erzählen, das er geerbt hat. Das wirft ein etwas seltsames Licht auf die Beziehung. Auch, dass er mit der wesentlich jüngeren Freundin seines Sohnes abhaut, spricht nicht gerade für ihn. Doch es wird schnell klar, dass sich hier zwei gefunden haben, die zusammengehören.

Die meiste Zeit über befindet sich die trauernde Carolin in einem schwarzen Loch. Sie testet verschiedene Möglichkeiten, um aus demselben wieder herauszukommen: ein gepflegtes Besäufnis, Psychopharmaka, ein Schuhkauf. Nur der obligatorische Friseurbesuch bleibt aus bzw. ein Running Gag. Auch Carolins Umfeld lässt es nicht zu, dass diese in einem Loch verschwindet. Dafür sorgen unter anderem eine behandlungsbedürftige Psychotherapeutin, ein schwuler Apotheker und der selbsternannte Erbonkel Thomas, der im Gegensatz zu Carolin sehr präzise weiß, welche Erbstücke sich in Karls Besitz befinden. Doch um sie aufzuspüren braucht er Carolins Hilfe. Was und wer sich am Ende alles findet, soll der Leser selbst entdecken.

Nachdem sie 15 Jahre erfolgreich Frauenromane schreibt, hat sich Gier vorgenommen, eine Protagonistin zu schaffen, die, infolge der Umstände, nicht immer nett auftritt, die man aber trotzdem mag. Darüber hinaus will Carolin, ganz gegen die sonst üblichen Regeln in der modernen Frauenunterhaltung, keine Kinder. Ein Roman, der durch viel Komik für herrlich kurzweilige Unterhaltung sorgt.

Jennifer Mettenborg
05.10.2009

 
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Das Buch:

Kerstin Gier: In Wahrheit wird viel mehr gelogen

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Bergisch Gladbach: Lbbe Verlag 2009
269 S., 12,99
ISBN: 978-3-7857-6014-7

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