Romane

Entscheidung zwischen Leidenschaft und Vernunft

Die Liebe verbindet zwei Menschen miteinander auf eine magische Art und Weise. Doch kommt es auch vor, dass sich eine dritte Person einmischt und ein Gefühlschaos veranstaltet. Noch schwieriger gestaltet sich die Situation, wenn die langjährige Lebensgefährtin schwer erkrankt. Entscheidet man sich dann für die Frau, mit der man viele Jahre zusammengelebt und Höhen und Tiefen durchlebt hat, aber man nicht weiß, ob diese jemals wieder so wird, wie vor der Erkrankung? Oder entscheidet man sich für die neue, zärtlich beginnende Romanze, und beginnt somit ein neues Leben? Mit diesem Thema beschäftigt sich Christian Hallers Roman "Im Park".

Der Paläontologe Emile Ryffel führt eigentlich ein schönes Leben. Er liebt seine Frau Lia und hat vor kurzem Klara, ein junges aufstrebendes Mädchen, das weit in die Welt hinaus möchte, kennengelernt. Mit Klara beginnt er eine leidenschaftliche Affäre, die aber kurz darauf dadurch gestört wird, dass seine Frau Lia eines Nachts schwer erkrankt und in das Krankenhaus eingeliefert werden muss. Dort liegt sie im Koma und niemand kann voraussagen, wann sie aufwacht und wie dann das Leben mit ihr sein wird.

Anfangs versucht Emile, die Beziehung zu Klara zu beenden und ausschließlich für Lia da zu sein, aber er schafft es einfach nicht. Zu groß ist die Anziehungskraft zwischen den beiden. Also geht er tagsüber zu Lia, die inzwischen wieder aufgewacht ist und von vorne anfangen muss, ihr Leben zu meistern, ins Krankenhaus; abends trifft er sich mit Klara und ihren Freunden. Aber so wirklich genießen kann er diese Treffen nicht. Er ist hin und her gerissen zwischen der Liebe zu seiner Frau, mit der er seit langen Jahren zusammen ist und in deren Beziehung die Gewohnheit Einzug gewonnen hat, und der lockerleichten Affäre mit Klara, bei der er - zumindest anfangs - keine Verpflichtungen eingehen muss.

Während seiner Gänge zum Krankenhaus bzw. aus dem Krankenhaus heraus, die ihn immer durch einen Park führen, versucht er für dieses Dilemma eine Lösung zu finden. Nur mit einem nüchternen Blick kommt er nicht weiter. Schließlich hört er auf sein Herz, das ihm den richtigen Weg zeigt. Emile entschließt sich, bei seiner Frau zu bleiben und für sie da zu sein.

Ein Park als Ort der Ruhe und Idylle ist in dieser Situation ideal, um über alles, was war, ist und noch sein wird, nachzudenken. Der Park als Schutzort zwischen zwei Welten, die nicht zusammenpassen. Einen schöneren Ort könnte man sich nicht denken. Ein kleines Manko dieses Buches ist es dass sehr ins Detail gegangen wird. So wirkt es ein wenig zäh, wenn man über mehrere Seiten Einzelheiten haargenau erzählt bekommt. Andererseits helfen diese, um in die Psyche von Emile eindringen zu können und so alle Hintergründe entschlüsselt bekommt.

Haller erzählt auf sehr einfühlsame Weise, wie es jemandem ergeht, der in seinem Leben an einem Punkt ankommt, an dem er sich entscheiden muss. Lässt er den Menschen, der ihn kennt und mit dem er zusammen lebt, im Stich und beginnt ein neues Leben mit jemand anderem? Oder kämpft er für sein altes Leben, das bisher auch gut verlief? Mit Hilfe von Rückblenden, Gedankengängen und realen Geschehnissen wird die Geschichte anschaulich erzählt. Dabei verliert man das Gefühl für Zeit - zumal Haller selbst keinen großartigen Gebrauch davon macht. Dabei geht er sehr taktvoll mit diesem schwierigen Thema um.

"Im Park" zeigt auf, worauf es im Leben wirklich ankommt: die Liebe. Wie es einst schon die Beatles so treffend besungen haben: All you need is Love. Und dies bestätigt sich beim Lesen dieses Buches.

Susann Fleischer
08.09.2008

 
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Das Buch:

Christian Haller: Im Park

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Mnchen: Luchterhand Literaturverlag 2008
192 S., 17,95
ISBN: 978-3-630-87284-1

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