Romane

Die Suche nach dem Sinn des Lebens in der Glamourwelt

Wer bei dem Titel "Wie der Teufel es will" und dem Cover mit Frauenbeinen in High-Heels eine Verbindung zu dem Bestseller und gleichnamigen Film "Der Teufel trägt Prada" vermutet, liegt nicht ganz falsch. Auch in Nina Georges neuestem Roman geht es um die Glamourwelt der Mode- bzw. Frauenmagazine, die selbst auferlegten Zwänge im Land des Schönheits- und Schlankheitswahns und die Leere und Kälte dieses Lebens.

Helena Levy ist Mitte dreißig und beruflich am Ziel ihrer Träume angekommen: Sie ist Chefredakteurin des Hochglanz-Frauenmagazins FEMME. Rein äußerlich passt sie in ihr Berufsbild – das Naturbraun ihrer Haare ist blond gefärbt, sie geht nie ungeschminkt aus dem Haus und trägt ausschließlich High-Heels. Außerdem erfolgt selbstverständlich keinerlei Nahrungsaufnahme vor Mitternacht. Was ihr privates Glück betrifft, sieht es weniger rosig aus für Helena. Ihr um einige Jahre jüngerer Lover Alexander hat während einer Striptease-Nummer mit ihr Schluss gemacht und ihr bester Freund Jo – alleinerziehender Vater und Callboy namens "Doctor Love" – kommt für eine Beziehung nicht in Frage. Denn eigentlich hat Helena mit dem Kapitel Liebe auch schon lange abgeschlossen. 

Doch dann wird ihr ausgerechnet der Journalist Ben Gerion vor die Nase gesetzt, um die Talfahrt von FEMME zu stoppen und frischen Wind in die Redaktion zu bringen. Ben ist eigentlich gar nicht Helenas Typ, aber er schafft es regelmäßig, ihren Herzschlag zu beschleunigen – sowohl positiv als auch negativ. Ihr fällt es schwer, mit ihren alten Mustern zu brechen und auf ihr Herz zu hören, statt nur auf die Regeln, die ihr Beruf ihr auferlegt und die sie selbst aufgestellt hat, um sich vor Herzschmerz zu schützen.

Das Ende ist vorhersehbar; Helena ist im Begriff, eine grundlegende Veränderung durchzumachen – sowohl innerlich als auch äußerlich – nicht zuletzt aufgrund zweier Ereignisse in ihrem Leben: Erstens erkrankt ihr bester Freund an einem Hirntumor und führt ihr die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen. Zweitens tritt eine alte Dame in ihr Leben, die ihr Gedächtnis und ihre gesamte Identität verloren hat und trotzdem – oder gerade deswegen – glücklich ist.

Nina George, die schon seit 1993 journalistisch u.a. für "Cosmopolitan", das "Hamburger Abendblatt", "Penthouse" und "BILD am Sonntag" tätig ist und schon mehrere Sachbücher zum Thema Liebe, Lust und Partnerschaft veröffentlicht hat, zeichnet in ihrem Roman ein treffendes und glaubwürdiges Bild einer vereinsamten und festgefahrenen, modernen Frau, die neu lernen muss, zu leben und glücklich zu sein. Helenas Zwiegespräche mit "der Richterin" – ihrer gnadenlosen inneren Stimme – geben Einblick in ihre Gedanken, Zweifel und Ängste und irgendwann findet sich jede Leserin darin wieder. "Wie der Teufel es will" hat es gar nicht nötig, auf den Titel eines Bestsellers anzuspielen, denn auch ohne diese Assoziation schafft es der Roman, sich einen Platz in der – vornehmlich weiblichen – Leserschaft zu erobern.

Sabine Mahnel
13.05.2008

 
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Das Buch:

Nina George: Wie der Teufel es will

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Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2008
346 S., 8,95
ISBN: 978-3-596-17435-5

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