Romane

Ein absoluter Knaller, ohne jeden Zweifel ein Lesehit, so witzig-spritzig wie aus der Feder von Jonas Jonasson

Kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag bekommt Arthur Ophof die Midlife-Crisis: dreiundzwanzig Jahre im Toilettenpapiervertrieb, im Reihenhaus eines Örtchens nahe Amsterdam, in der Ehe mit seiner lieben, sanften, verständnisvollen Frau Afra. Damals, noch jung und voller Ambitionen, träumte Arthur von einem aufregenden, abenteuerreichen Leben. Stattdessen kam es anders. Er und Gattin Afra wohnen in Pumerend, weil die Kinder da schön behütet hätten spielen können. Wenn sie denn gekommen wären. Wenn es denn funktioniert hätte mit dem trauten Heim, der Harmonie und der ewigen Liebe. Während Afra im Lotussitz ihrer Ehe doch noch etwas Positives abzugewinnen versucht, pendelt Arthur jeden Morgen brav zur Arbeit und kriegt immer öfter die Krise. So kann es nicht mehr weitergehen.

Da eröffnet sich Arthur eine unverhoffte Chance auf Flucht, als sein Chef ihm kündigt. Den eigenen Tod inszenieren und dann ab Richtung Süden? Um der Trostlosigkeit seines Daseins zu entfliehen, muss Arthur sterben. Natürlich nicht wirklich, vielmehr fädelt er ein, was es für ein plausibles Ableben einzufädeln gilt. Aus Arthur Ophof wird Luigi Molima. Mit einer Abfindung von summa summarum 160.000 Euro brutto sollte es sich in der Toskana leben können wie Gott in Italien. Natürlich ohne Afra. Doch bereits die Vorbereitungen erweisen sich als Herausforderung. Ganz nach John Lennon: "Das Leben ist das, was passiert, während man andere Pläne macht", läuft alles schief, was nur schieflaufen kann. Und damit längst nicht genug. Dummerwiese hat Arthur die Rechnung ohne Afra gemacht ...

Literatur, die einen schier ausflippen lässt vor lauter Lektürefreude - "Lieber Rotwein als tot sein" löst unbändige Lesebegeisterung über viele, viele Stunden aus. Denn zwischen zwei Buchdeckeln steckt Unterhaltung der amüsantesten Sorte. Hendrik Groens Romandebüt macht ihn zum Jonas Jonassons der Niederlande. Es erheitert den Leser über alle Maßen; sogar so sehr, dass dieser glatt von der Couch plumpst. Und zugleich überrascht es mit ganz viel Tiefgang. Solch grandiose, mitreißende Literatur gelingt nur den wenigsten Autoren, darunter höchstens noch einem Fredrik Backman oder Mikael Bergstrand. Was man hier in die Hände kriegt, ist Lesespaß weit abseits des Mainstreams. Da hat man noch Tage nach dem Weglegen ein extrabreites Lächeln auf den Lippen sowie richtig gute Laune.

Mit "Lieber Rotwein als tot sein" gelingt Hendrik Groen ein tragisch-komisches Lesevergnügen voller Leichtigkeit, aber auch Melancholie. Die Story bedeutet Genuss pur. Und sie vertreibt ab dem ersten Satz die kleinste, aber auch größte Laus von der Leber. Und auch Langeweile hat hier keinerlei Chance. Hier erfährt man Kurzweil, so erfrischend wie eine kühle Brise an einem heißen, stickigen Sommertag. Herrlich, einfach nur herrlich schräg und absolut wunderbar bis zur letzten Seite!

Susann Fleischer 
09.12.2019

 
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Das Buch:

Hendrik Groen: Lieber Rotwein als tot sein. Aus dem Niederlndischen von Wibke Kuhn

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Mnchen: Piper Verlag 2019 320 S., 20,00 ISBN: 978-3-492-05945-9

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