Romane

Definitiv das herrlichste und außerdem schrägste Lesevergnügen dieses Sommers, alles andere als gewöhnlich

England, 1976: Es ist ein ungewöhnlich heißer Sommer, als die alte Dame Mrs. Creasy plötzlich spurlos verschwindet. Hinter verschlossenen Türen und vorgehaltenen Händen wird getuschelt. Ist sie aus freien Stücken gegangen? Oder wurde Mrs. Creasy Opfer eines Verbrechens? Die zehnjährigen Mädchen Grace und Tilly sorgen sich um ihre Nachbarin. Sie wollen der Sache auf den Grund gehen, und ganz nebenbei Gott finden. Sie klopfen an Türen, stellen Fragen und kommen dabei einem ganz anderen Geheimnis auf die Spur. Jeder hier scheint etwas verbergen zu wollen. Egal, ob es Mrs. Dakin ist, die täglich zu tief ins Glas blickt, oder Mr. Lamb, der heimlich Sterbehilfe bei seiner Frau geleistet hat - ein Blick hinter die perfekten Fassaden offenbart so manches.

Nach und nach werden die Schrullen, Macken, Geheimnisse, Lügen und Taten der adretten, sauberen Mittelklasse-Nachbarn enthüllt. Mrs. Creasy ist die einzige, die über alle und jeden bestens Bescheid weiß. Auch zum Beispiel darüber, dass ihr Ehemann als Kind offenbar von seinem Vater missbraucht wurde. Bei ihren Recherchen stoßen Grace und Tilly auf ein ungeheures Verbrechen: Über Walter Bishop, das schwarze Schaf des Ortes, hält sich hartnäckig das Gerücht, er sei pädophil. Ohne eindeutige Beweise machten die Bewohner Walter für eine Kindesentführung im Jahre 1967 verantwortlich. Nach Schikanen und massiven Drohungen eskalierte die Hetzjagd, als Walters Haus bei einem Brand zerstört wurde und seine Mutter in den Flammen umkam. War es ein Unfall oder Mord?

Grace und Tilly forschen weiter nach und bald wird es gewiss: Walter wurde zum Sündenbock für ein Verbrechen, das er niemals begangen hat. Was passierte damals wirklich? Und hängt Mrs. Creasys Verschwinden damit zusammen? Als der Sommer zu Ende geht und die Hitze immer drückender wird, kommt Licht ins Dunkel. Eine englische Kleinstadt, irgendwo in der Einöde, ist kurz vor dem Durchdrehen. Grace und Tilly hingegen betätigen sich als erstklassige Ermittlerinnen, denen nichts verborgen bleibt. Selbst eine Miss Marple könnte von ihnen noch etwas lernen ...

Amüsantester Lesespaß ist mit den Romanen von Joanna Cannon absolut garantiert. Ab den ersten paar Sätzen von "Der Sommer der schwarzen Schafe" hat eine Laus auf der Leber nicht einmal den Hauch einer Chance. Dieses Buch darf in keinem Reisekoffer fehlen. Denn einen besseren, schöneren, originelleren Zeitvertreib für den Urlaub am Strand oder in den Bergen oder auf Balkonien findet man nur seltenst zwischen zwei Buchdeckeln. Die britische Autorin erfreut das weibliche und ebenso männliche Geschlecht mit einer Story voller britisch-trockenem Humor, Emotionen und Spannung. Sie schreibt Geschichten, die einfach jedes Leserherz wild zum Hüpfen bringen. Es vollführt einen Freudensalto nach dem anderen. Cannons Bücher machen glücklich und süchtig wie sonst nur noch Schokolade.

So herrlich witzig und spritzig, dass es einem während der Lektüre vor lauter Lachen nicht auf der Couch hält, und außerdem very charming - "Der Sommer der schwarzen Schafe" sorgt für einen ausgewachsenen Muskeltiger und außerdem für beste Laune beim Leser. Joanna Cannon gelingt ein Überraschungshit in der (Frauen-)Literatur. Wunderbarer unterhalten fühlt man sich höchstens noch mit den Werken von Sarah Winman und wenigen anderen. Gerne, nein sogar unbedingt mehr, mehr, mehr!

Susann Fleischer
10.07.2017

 
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Das Buch:

Joanna Cannon:
Der Sommer der schwarzen Schafe. Aus dem Englischen von Astrid Finke

Bild: Buchcover Joanna Cannon, Der Sommer der schwarzen Schafe

München: Limes Verlag 2017
416 S., € 19,99
ISBN: 978-3-8090-2669-3

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