Krimis & Thriller

Der Tod ist sein Metier

Seit vielen Jahren ist Jack McEvoy als Polizeireporter für die L.A. Times im Einsatz, doch die Welle von Entlassungen bei dem renommierten Nachrichtenmagazin macht auch vor ihm nicht Halt und so steht der Vollblut-Journalist vor dem Ende seiner Karriere. Gnädigerweise gewährt man ihm noch eine Schonfrist von zwei Wochen, wenn er sich dazu bereit erklärt, seine designierte Nachfolgerin Angela Cook einzuarbeiten. McEvoy möchte diese Zeit sinnvoll nutzen, denn "Sein letzter Auftrag" in Michael Connellys gleichnamigem Thriller soll eine Story werden, die seinen Vorgesetzten deutlich macht, welchen Fehler sie mit seiner Entlassung begangen haben.

So stößt McEvoy auf den Fall eines 16-jährigen Schwarzen, der als vermeintlicher Mörder einer jungen Stripperin verhaftet wurde, allerdings beharrlich ein Geständnis verweigert. Tatsächlich stoßen McEvoy und Cook im Zuge ihrer Recherchen auf einen Mord in Las Vegas, der vor nicht allzu langer Zeit nach identischem Muster begangen wurde: Die jeweiligen Opfer hatten ein recht ähnliches Aussehen, arbeiteten als Tänzerinnen in einschlägigen Etablissements, wurden vergewaltigt, gefoltert, erstickt und mit einer Plastiktüte über dem Kopf im Kofferraum eines Autos abgelegt.

Mit dieser Entdeckung und den beharrlichen Nachforschungen des geschassten Reporters beginnen allerdings dessen Probleme, denn der tatsächliche Mörder hat sich gegen jeden Störenfried, der in sein wohldurchdachtes System eindringt, abgesichert und versucht Jack McEvoy mit allen Mitteln aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei geht er sogar über Angela Cooks Leiche. Diese nämlich findet McEvoy bei sich zu Hause unter dem Bett und entgeht nur durch Zufall selbst einem Anschlag auf sein Leben.

Hilfe bei seiner Jagd auf den großen Unbekannten bekommt der Journalist von der FBI-Agentin Rachel Walling, mit der er vor etlichen Jahren einmal zusammen war. Aufgrund ihrer eigenwilligen Interpretation von Dienstvorschriften erhält sie jedoch wie Jack ihre Kündigung, was sie aber nicht davon abhält weiterhin auf eigene Faust zu ermitteln. Tatsächlich entdecken Jack und Rachel eine heiße Spur, welche die beiden auf eine Server-Farm in der Wüste von Arizona und damit direkt in tödliche Gefahr führt. Denn ihr Gegner ist hochintelligent und hat sie fest im Blick.

Jack McEvoy ist kein klassischer Ermittler wie die handelsüblichen Detectives, die normalerweise von Thriller-Autoren auf Mörderjagd geschickt werden. Er steht polizeilichen Ermittlungen als langjähriger Polizeireporter zwar nahe, geht aber als Journalist an die mörderische Angelegenheit heran und hebt sich so von den meisten althergebrachten Ermittler-Typen wohltuend ab. In diesem Kunstgriff erschöpft sich Michael Connellys literarisches Vermögen allerdings keineswegs, denn er schafft es, den Spannungsaufbau in seinem neuen Thriller auf die Spitze zu treiben, indem er ein geniales Katz- und Mausspiel entwickelt, wobei die Beteiligten selbst nicht so genau wissen, welche Rolle sie gerade innehaben. "Sein letzter Auftrag" ist wie ein Virus, der beim Leser alles lahm legt, was den Drang unterdrücken könnte, unaufhörlich weiterzulesen. 

Christian Götz
21.03.2011

 
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Das Buch:

Michael Connelly:
Sein letzter Auftrag. Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb

Bild: Buchcover Michael Connelly, Der letzte Auftrag

München: Wilhelm Heyne Verlag 2011
495 S., € 19,99
ISBN: 978-3-453-26645-2

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