Krimis & Thriller

Wie sagt man "Terror" auf Bairisch?

Bei einem derartig bizarren Mordfall verschlägt es auch Kommissar Wallner vorerst die Sprache. Vor der malerischen Kulisse des Riederstein am Tegernsee liegt die grausam entstellte Leiche des örtlichen Kleinkriminellen Stanislaus Kummeder, bekleidet mit einem leuchtend gelben Batman-Sweatshirt und ohne Kopf. Neben Kummeder, oder was von ihm übrig ist, steht ein Zehn-Liter-Fass Bier. Es stellt sich heraus, dass der berüchtigte Halbstarke wohl aus gut 500 Metern mit einem Scharfschützengewehr hingerichtet worden ist. Doch wer könnte ein Motiv gehabt haben, Kummeder auf diese Art und Weise auszuschalten?

Immerhin weiß die Polizei, dass Kummeder kurz vor seinem Tod noch seine Absicht bekundete, einen Rechtsanwalt namens Falcking aufzusuchen. Dieser hatte ihm Hilfe dabei versprochen, das Verschwinden seiner Freundin Kathrin vor zwei Jahren aufzuklären. Ob Falcking Wallner und seinem Team weiterhelfen kann? Eins steht jedoch fest: Auch er erweist sich nach einer Weile als durchaus zwielichtig. Als der hartgesottenste Delinquent erweist sich jedoch Kummeders Freund und Komplize Peter Zimbeck, seines Zeichens Wirt der "Mangfallmühle". Es wird schnell deutlich, dass Zimbek in der Kleinkriminellenszene nicht nur durch seine Vorliebe für das titelgebende Kartenspiel bekannt ist. Zimbeck erweist sich so schnell als geradezu außerordentlich verdächtig. Und da geschieht ein weiterer Mord ...

Dass der neueste Fall für Kommissar Wallner dank seiner grotesken Umstände mit einer durchaus originellen Prämisse aufwartet, ist leicht zu erkennen. Und wer nun glaubt, der deutsche Autor Andreas Föhr habe hiermit all sein Pulver verschossen, irrt sich gewaltig. Der Fall Kummeder, der zu Beginn bereits eigenartig genug erscheint, offenbart schnell mehr Verwicklungen, Geheimnisse und Hintergründe als eingefleischte Krimikenner für möglich halten werden. Und jedes Mal, wenn Kommissar Wallner und seine Mitstreiter glauben, eine handfeste Spur gefunden zu haben, tun sich am idyllischen Tegernsee weitere Abgründe auf. "Schafkopf" entpuppt sich zudem als nicht unkomplexes Werk und spart nicht mit eingestreuten Rückblenden. Die Wahrheit hinter dem bizarren Mord am Tegernsee beginnt sich so im Verlauf des Buchs zusammenzusetzen wie ein großes Puzzle.

Zudem ist Föhr mit dem aufbrausenden Peter Zimbeck ein wahrlich furchteinflößender Antagonist gelungen, der auch hartgesottene Naturen in Angst und Schrecken versetzen wird und den Gänsehaut-Faktor von "Schafkopf" in ungeahnte Höhen treibt. Die Schreibkunst, die Föhr mit seinen detaillierten und atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen an den Tag legt, werden viele Leser daher auf den ersten Blick gar nicht wahrnehmen. Jedoch lohnt es sich durchaus, gegen den Drang anzukämpfen, das Buch so schnell wie möglich zu verschlingen, denn hier gibt es einiges zu entdecken. Ein furioses Krimierlebnis mit Garantie für knisternde Spannung und Überraschungen im Minutentakt - nicht nur für Fans des altehrwürdigen Freistaats.

Johannes Schaack
20.12.2010

 
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Das Buch:

Andreas Föhr:
Schafkopf

Bild: Buchcover Andreas Föhr, Schafkopf

München: Knaur Verlag 2010
448 S., € 14,95
ISBN: 978-3-426-66398-1

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