Krimis & Thriller

Die junge Miss Marple ermittelt wieder

Im Herbst 2009 erschien mit "Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet" Alan Bradleys vielbeachtetes und preisgekröntes Debüt, das den eindrucksvollen Beweis antrat, dass man zukünftig mit dem Kanadier als hochkarätiger Erfolgsautor zu rechnen hat. Inzwischen ist ein Jahr seit der deutschen Erstveröffentlichung vergangen, der Roman wurde in 32 Ländern verkauft und unzählige Leserherzen sind erobert, und nun legt Bradley mit "Mord ist kein Kinderspiel" einen neuen Knüller nach - ein höchst unterhaltsamer Krimi, der sich keineswegs im Schatten seines Vorgängers verstecken muss. Diesmal wird es spannender, witziger und unterhaltsamer als im ersten Band, denn gleich zwei verzwickte Mordfälle wollen gelöst werden. Dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zugeht, versteht sich von selbst.

Langeweile bestimmt das Leben der elfjährigen Flavia, die sich am liebsten in ihrem Chemielabor verbarrikadiert, um dort den perfekten Giftcocktail für die ungeliebten Schwestern zu kreieren. Daphne und Ophelia machen der jüngsten de Luce zu jeder Tages- und Nachtzeit das Leben schwer, sodass Geschwisterstreitigkeiten täglich die Nerven des alleinerziehenden Vaters erheblich strapazieren. Umso erfreulicher wird es, als Rupert Porson im verschlafenen Bishop´s Lacey auftaucht und dort für mächtig Aufruhr sorgt. Eine Autopanne zwingen den aus dem Fernsehen bekannten Puppenspieler und seine Assistentin Nialla zu einem ungeplanten Zwischenstopp, der unerwartete Folgen für alle hat.  

Um die Zeit bis zur Reparatur des kaputten Autos sinnvoll totzuschlagen, will Porson ein Stück für die örtliche Dorfgemeinde aufführen. "Jack und die Bohnenranke" soll das Highlight für die Zuschauer werden. Dieses schlägt allerdings in Entsetzen um, als Porson tot auf die Bühnenbretter des Marionettentheaters stürzt. Während die Polizei einmal mehr im Dunkeln tappt, ist Flavia diejenige, die die Todesursache aufdeckt: ein vorsätzlich herbeigeführter Kontakt mit starkem elektrischen Strom. Angestachelt von dieser Entdeckung, die für die Polizei bislang im Verborgenen blieb, beginnt die Elfjährige auf eigene Faust zu ermitteln und spürt dabei die Spur zu einem weiteren, mehrere Jahre zurückliegenden Todesfall auf.

Damals wurde Robin Ingleby an einem Galgen erhängt aufgefunden. Es konnte aber nie geklärt werden, ob Mord, Selbstmord oder ein schrecklicher Unfall dahintersteckte. Nur eines erfährt Flavia aus zuverlässiger Hand: Rupert Porson ist an dem Nachmittag, als er der kleinen Hobbydetektivin über den Weg läuft, nicht das erste Mal in Bishop´s Lacey gewesen. Damals, zu Ende des Zweiten Weltkrieges, war er derjenige, der den fünfjährigen Jungen nur noch tot bergen konnte. Je mehr Flavia allerdings im Laufe ihrer Ermittlungen an das helle Tageslicht zerrt, in umso größere Gefahr begibt sie sich. Schließlich wollen die Strippenzieher in diesem perfiden Mordspiel um jeden Preis unentdeckt bleiben.

Alan Bradley gelingt es mit seinem neuen Krimi "Flavia de Luce. Mord ist kein Kinderspiel" mühelos, noch eine Schippe obendrauf zu legen und den Leser mit einer ungewöhnlichen Story voll britisch-schwarzem Humor auf gut 350 Seiten bestens zu unterhalten. Der kanadische Autor verwebt eine spannende Handlung, die er bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten weiß, mit einer ordentlichen Portion an (Wort-)Witz und ebenso viel Ideenreichtum, der den Leser auf bisher unbetretene Pfade der Kriminalliteratur führt. So verlässt nach "Mord im Gurkenbeet" abermals ein Erfolgshit Bradleys Meisterschmiede.

Die Sogwirkung der Geschichte liegt allerdings in erster Linie an der elfjährigen Hobbydetektivin Flavia de Luce, die mit ihrer saucoolen Art und kombinatorischen Schläue selbst alteingesessene Ermittler gekonnt in den Schatten spielt und allen zeigt, was eine Harke ist. Mit "Mord ist kein Kinderspiel" ist endgültig eine neue Kultfigur im Krimigenre geboren, die den Leser nach weiteren Tötungsdelikten schreien lässt. Nicht zuletzt ist dies auch der Grund, warum man während der Lektüre des vorliegenden Romans bereits nach dem dritten Band zu lechzen beginnt. Deshalb: uneingeschränkte Kaufempfehlung, da hoher Suchtfaktor!

Susann Fleischer
01.11.2010

 
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Das Buch:

Alan Bradley:
Flavia de Luce. Mord ist kein Kinderspiel. Aus dem Amerikanischen von Gerald Jung und Katharina Orgaß

Bild: Buchcover Alan Bradley, Flavia de Luce. Mord ist kein Kinderspiel

München: Penhaligon Verlag 2010
352 S., € 19,99
ISBN: 978-3-7645-3029-7

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