Krimis & Thriller

Zurück in "Dribbdebach"

Die dieser Tage erschienene und bereits als Numero Sieben deklarierte Sachsenhäuser Kriminalgeschichte Frank Demants beginnt mit einer guten Nachricht: Simon Schweitzer, der Privatier und Protagonist wider Willen, ist zurück auf seinem heimischen Terrain im südlichsten Frankfurter Stadtteil. Nach einem Abstecher in den benachbarten Taunus im Rahmen seiner letzten Ermittlung ("Verschollen im Taunus") stellt er seine Erkundungen fortan wieder zwischen Lerchesberg, Südfriedhof, Ziegelhüttenplatz und Museumsufer an. Dass er sich zur Observierung eines Tatverdächtigen auch in den benachbarten, in Richtung Offenbach gelegenen Stadtteil Oberrad begibt, versteht sich für einen Privatdetektiv seiner Klasse natürlich von selbst!

"Das Geheimnis vom Kuhhirtenturm" beginnt inmitten einer Beerdigung am Frankfurter Südfriedhof. Dort wird der Taxifahrer Jens Auer, der wenige Tage zuvor nahe des am Rande des Frankfurter Amüsierviertels Alt-Sachsenhausen gelegenen Kuhhirtenturm ermordet worden war, zu Grabe getragen. Auer war in Simons Stammlokal "Weinfass" ein oft und gern gesehener Gast, so dass die Anwesenheit von Simon und dem Rest des menschlichen Inventars aus dem "Weinfass" bei Auers Beerdigung eine Frage der Selbstverständlichkeit ist! Da die Frankfurter Polizei aktuell bei insgesamt drei Mordfällen im Dunklen tappt, wittert ein genialer Privatdetektiv wie Herr Schweitzer natürlich bereits Zusammenhänge zwischen den Vorfällen in Niederrad, Bornheim und am Kuhhirtenturm in Sachsenhausen.

Herr Schweitzer befindet sich im vorliegenden Buch in einer mittelschweren Lebenslage, hat er sich doch unter sanftem Druck seiner Freundin Maria dazu entschieden, seiner Leibesfülle und den darunter verborgenen Pfunden auf die Pelle zu rücken. Der Leser erheitert sich an den köstlich-grotesken Szenen im "Weinfass", in denen Simon versucht, sich an Salat, Wasser und Apfelschorle labend den zu fortgeschrittener Stunde leicht abdriftenden Unterhaltungen zu folgen. Neben der humoristisch veranlagten Kriminalgeschichte liefert Demant dieses Mal auch bemerkenswert nachdenkliche und sentimentale Töne ab: Die Gedankengänge und das Schicksal eines Vaters, der seine Tochter vor Jahrzehnten mit eigenen Augen hat sterben sehen, mitsamt der jahrelangen Verdrängung und der letztlich daraus resultierenden Mutation zu einem Killer, so ernst kannte man Demant in seinen früheren Romanen noch nicht.

Wie gewohnt ist die Sachsenhäuser Kriminalepisode mit 182 Seiten in einem angenehm zu konsumierenden Format erschienen, wobei allerdings der Schriftsatz ein wenig verkleinert zu sein scheint, damit, auch ohne den Bauch einziehen zu müssen, mehr Simon Schweitzer in das Buch reinpasst. Ein seinesgleichen suchender Minimalismus in kreativer Hinsicht wird die Sachsenhäuser Kriminalgeschichten und mit ihnen Frank Demant womöglich eines Tages in die Literaturgeschichte eingehen lassen: Wie üblich verzichtet Demant auf eine strukturierte Kapiteleinteilung und somit auch auf knackige und verheißungsvolle Überschriften, die den Leser bei der Lektüre neugierig machen und leiten sollen. Stattdessen versieht er seinen Text nur mit dezenten Absätzen, die inhaltliche Brüche kennzeichnen. Allerdings hat er im vorliegenden Buch zwecks besserer Lesbarkeit die Rückblenden, in denen das Gefühlsleben des Killers geschildert wird, mit "Rückblende" zu Beginn und "Rückblende Ende" markiert. Wo ein Zafón mit verschiedenen zeitlichen Ebenen spielt und seine Leser schwindlig schreibt, hält es Demant mit seinem Protagonisten ganz nüchtern und konservativ - und der Leser dankt ihm dafür!

Glücklich hat Simon Schweitzers Fangemeinde die plötzliche Ankündigung des neuen Romans vernommen, denn gerade einmal ein Jahr ist nach dem Erscheinen der letzten Episode vergangen, bei Simon Schweitzers Müßiggang nahezu einem Wimpernschlag gleichkommend. Dafür leidet dieses Mal allerdings ein wenig die Geschichte und deren nur leicht erkennbarer Spannungsbogen. Aber was soll´s! So wenig wie man in einer Sachsenhäuser Äpplerkneipe "Nouvelle Cuisine" erwartet, verlangt man bei der Lektüre von Simon-Schweitzer-Romanen nach Gänsehautfeeling pur. Ein paar schöne Stunden, vollgepumpt mit meist zu vorgerückter Stunde und selten unter 0,8 Promille geäußerten Lebensweisheiten, sind es, nach denen man als Leser lechzt, wenn man ein elegantes schwarzes, mit einer liebevollen Cover-Zeichnung versehenes Büchlein aus dem Röschen-Verlag Frank Demants zur Hand nimmt. Dass mit dem Lesegenuss seltsamerweise eine gesteigerte Lust auf Äppler und Rippche´ mit Kraut einhergeht, davon möge sich ein jeder selbst überzeugen!

Christoph Mahnel
12.04.2010

 
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Das Buch:

Frank Demant:
Das Geheimnis vom Kuhhirtenturm

Bild: Buchcover Frank Demant, Das Geheimnis vom Kuhhirtenturm

Frankfurt am Main: Röschen Verlag 2010
182 S., € 9,45
ISBN: 978-3-940908-05-6

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