Krimis & Thriller

Ein Thriller - made in Switzerland

Nina Gasche legt mit ihrem Roman "Der Duft des Weines" ein spannendes Werk vor, das man mit gutem Gewissen - oder sollte man sagen: aus unheimlicher Stimmung heraus - als Thriller bezeichnen darf. Die 1961 in Finnland geborene Autorin wird man heute als Bernerin ansprechen, und das schlägt sich im Buch auch augenfällig nieder. Sogar dass sie im Piemont ihren Zweitsitz hat, spürt man auf den Seiten des vorliegenden Romans.

Berner Großratswahlen, Probleme der Inlandpolitik - allen voran der inzwischen entlassene Armeechef, der im Roman einen Decknamen erhält -, damit wird recht reizvoll auf helvetische Realitäten angespielt. Dazu werden aber auch einige markante Eckpunkte der internationalen Entwicklung sichtbar: Irak-Intervention, Wahlen in den USA. Dies alles scheint zunächst nur als Kulisse dazustehen. Dann aber kommt Bewegung in den Roman, bei dem ein Hilfswerk als Institution die zentrale Rolle spielt. Die Protagonistin Birgit Mahrer war im Dienste dieses Hilfswerkes aktiv im Irak engagiert und gerät dabei in Verwicklungen von Weltformat hinein. Die Kulissen spielen nun ihre realen Kräfte aus.

Leitfigur ist die Berner Journalistin Enza Völlmer, die miterlebt, wie ihre Freundin Birgit traumatisiert nach Hause kommt. Scheinbar wird Birgit dann das Opfer eines Lawinenniedergangs. Sie führt ein Doppelleben, aber Schritt für Schritt sieht man auch die Hintergründe dieser Verwicklungen. Die wahren Hintergründe? Die Vorfälle erscheinen in wechselnd neuem Licht, was die Spannung des Buches spürbar verstärkt. Kaum ein Leser wird sich der Wirkung dieser Recherchen entziehen können. Der Leser wird zum Rätselfan. Selbst hinter den Medienbezeichnungen und Journalistennamen wittert man Überraschungen.

Zwar erfährt man auf den Seiten 207/208 einiges über das Weingut "Profumo di Vino" in der Region Barbaresco - und schon vorher ist von gutem italienischem Wein die Rede -, aber näher an den Romantitel rückt man erst im Epilog heran. So wie Enza den vielen Rätseln nachgeht - reichlich zickig, aber auch hartnäckig und mutig -, so wird der Leser in diesem Epilog noch die letzten Rätsel aufdecken wollen.

Es ist ein interessantes Buch der trügerischen Vermutungen, die schon auf den ersten Seiten im nächtlichen Hangar eine gewisse Unheimlichkeit verbreiten. Drogen und Waffen bringen Mafia und mächtige Politik ins Spiel, das alles andere als harmlos verläuft. Die verschiedenen Mittel, von Telefonnachfragen und Notizenrekonstruktionen bis hin zum Verhör, werden mit umsichtiger Regie eingesetzt. Das ist eine der Vorzüge dieses Buches.

Die Sprache bleibt einfach, beschreibend. Wortwahl und Satzbau halten den Leser klar in der Szenerie, und das ist auch nötig, denn von hier droht Verwirrung. Das gilt für die absichtlich verhüllten Vorgänge, aber auch für die agierenden Charaktere in diesem Buch.

Polizeileute, sonst Garanten von Verlässlichkeit und Sicherheit, kommen in Gasches Roman mit Schlagseite daher. Und letzten Endes - wörtlich zu nehmen - wird man selbst mit der Leitfigur ins Wanken geraten. Kommissare, Journalisten und Angehörige wetteifern um die letzte Wahrheit von Vorfällen, hinter denen eine mächtige Regie die Fäden zieht und Hebel drückt. Ohne Zweifel ist der Roman auch ein Buch über ungleiche Kräfte. Das erfährt man etwa, wenn man auf der einen Seite Enza sieht, die mehr als Privatperson agiert denn als Redaktionsmitglied, und auf der andern die hohe Politik, im Wahlfieber und mit erfolgssüchtigen Parteien dahinter.

Wer mehr wissen möchte, kann natürlich mit Hilfe einer Suchmaschine dem Schicksal des armen Armeechefs nachgehen, über Weine des Piemont mehr erfahren oder auch aufdecken, was Nina Gasche alles leistet, wenn sie gerade nicht Romane schreibt. Das wäre gewissermaßen eine Nachspeise zum kriminellen Hauptgang.

Ronald Roggen
04.01.2010

 
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Das Buch:

Nina Gasche: Der Duft des Weines. Thriller

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2009
359 S., 19,80
ISBN: 978-3-8372-0447-6

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