Krimis & Thriller

Flavia de Luce - die etwas andere Detektivin

Bereits vor dem Erscheinen wurde Alan Bradleys Debüt "Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet" mit etlichen Vorschuss-Lorbeeren bedacht. Auf der Basis eines einzigen Kapitels wurde der Roman mit dem Dagger Award, der bekanntesten Auszeichnung für Kriminalliteratur in Großbritannien, geehrt. Wer diesen Krimi liest, wird schnell erkennen, dass Bradley diese besondere Ehre zu Recht zuteil wurde - denn Flavia de Luce kann niemand widerstehen.

Flavia lebt mit ihrem eigenbrötlerischen Vater und den beiden älteren Schwestern Ophelia und Daphne im England der 1950er Jahre auf Buckshaw, dem alten Herrenhaus der Familie de Luce, am Rande des Dorfes Bishop´s Lacey. So ungewöhnlich wie das Haus, ist auch die gesamte Familie: Der Vater interessiert sich nur für seine Briefmarken, Ophelia ist einzig auf ihr Äußeres fixiert und Daphnes liebste Beschäftigung ist das Lesen. Aber auch Flavia ist anders als die anderen: Sie zieht sich für ihr Leben gern in ihr ganz privates Chemielabor zurück, um dort ihrer Leidenschaft fürs Giftmischen zu frönen. Dass insbesondere dieses ausgefallene Faible Flavias eines Tages bei der Lösung eines Mordfalls helfen würde, daran hätte selbst die Elfjährige nicht geglaubt.

Eines Nachts wandelt Flavia durch das schlafende Haus, als sie plötzlich Stimmen aus dem Arbeitszimmer ihres Vaters vernimmt. Das Mädchen sieht durch das Schlüsselloch und kann lediglich den rotblonden Schopf eines fremden Mannes erkennen. Dieser streitet sich mit Colonel de Luce wegen einer alten Schuld. Zu Flavias Entsetzen scheint es sich dabei um einen vor vielen Jahren begangenen Mord zu handeln. Aber ehe sie der Sache auf den Grund gehen kann, wird sie von Dogger, dem Gärtner, in ihr Bett zurückgeschickt. Am nächsten Tag begibt sich Flavia in aller Frühe in den Garten, wo sie im Gurkenbeet auf den Fremden vom Vorabend trifft. Dieser haucht Flavia das Wort "Vale" entgegen und stirbt in ihrem Beisein.

Wie sich später herausstellt, handelt es sich bei dem Fremden um Horace Bonepenny, der einst zusammen mit dem Colonel in Greyminster zur Schule ging und dort nicht unbedingt den besten Eindruck hinterließ. Aufgrund dieser Tatsache und des Streits am Vorabend nimmt die Polizei Flavias Vater, der des Mordes verdächtigt wird, fest und einzig Flavia kann ihn aus dem Gefängnis befreien. Sie muss nur den wahren Täter ausfindig machen. Also schwingt Flavia sich auf ihr getreues Fahrrad "Gladys" und befragt die Bewohner von Bishop´s Lacey, was sie über Bonepenny wissen. Bei ihren Recherchen erfährt sie mehr, als ihr lieb sein dürfte. Anscheinend bewahrt der Vater seit 30 Jahres ein dunkles Geheimnis, das den alten Colonel nicht so harmlos erscheinen lässt, wie er sonst auf seine Umgebung wirkt. Vielleicht ist er doch nicht so unschuldig, wie Flavia glaubte. Aber kann ihr Vater wirklich einen anderen Menschen so mir nichts dir nichts umbringen? Wohl kaum!

Alan Bradley hat mit "Mord im Gurkenbeet" einen grandiosen Auftakt für eine Serie rund um Flavia de Luce geschaffen, die sich einer breiten Leserschaft erfreuen dürfte. Bereits der erste Teil hat all das, was ein guter Krimi benötigt: eine spannungsreiche Handlung, einen kräftigen Schuss Humor und eine außergewöhnliche kleine Detektivin, die (fast) jeden mit ihrem sprühenden Temperament und einer unvergleichlichen Liebenswürdigkeit mühelos um den kleinen Finger wickelt.

Auch wenn die Aufklärung des Mordes im Vordergrund steht, so macht das turbulente und manchmal seltsam anmutende Familienleben der de Luces den Charme des Krimis aus. Man verfolgt gespannt den Schlagabtausch zwischen den drei Schwestern und möchte wie Flavia wissen, ob das in den Lippenstift eingearbeitete Giftefeu endlich seine Wirkung tut. Beinahe ist man am Ende des Buches enttäuscht, dass das Buch nicht mehr Seiten hat. Aber es gibt berechtigten Grund zur Freude, denn es soll nicht bei diesem einen Krimi bleiben. Schließlich wollen die Leser noch viel mehr mit Flavia de Luce erleben als dieses eine Abenteuer. Bei solch einer charismatischen Figur, die ihre Leser unter dem Banner des reinen Lesevergnügens vereint, ist dies auch kein Wunder.

Susann Fleischer
26.10.2009

 
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Das Buch:

Alan Bradley:
Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet. Aus dem Englischen von Gerald Jung und Katharina Orgaß

Bild: Buchcover Alan Bradley, Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet

München: Penhaligon Verlag 2009
384 S., € 19,95
ISBN: 978-3-7645-3027-3

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