Kinder- & Jugendbücher

Ein herrlich phantastischer Schmöker - nicht nur für Teenies

Oliver Dierssen gehört zu Deutschlands Fantasy-Autoren, deren Bücher in erster Linie spaßige Unterhaltung bedeuten, denn in "Fausto" sollte man nicht alles so ernst nehmen - und es darf bzw. soll sogar gelacht werden. Eine geniale wie witzige Story, eine flotte Schreibe und mit augenzwinkerndem Charme erleben nicht nur zwölfjährige Kids ein phantastisches (Lese-)Abenteuer, von dem sie einfach nicht genug bekommen können. Dieser Roman ist auch für Erwachsene eine wunderbar kurzweilige Abendunterhaltung, die den besten Blockbuster um Längen übertrifft und aus diesem Grunde nahezu unverzichtbar in jeder gut sortierten Hausbibliothek ist - dank Protagonist Joseph "Joschel" Fittich und seinem pelzigen kleinen Freund. 

Joschel ist in der 9c nicht unbedingt für seine überragende Intelligenz bekannt. Insbesondere die deutsche Sprache macht ihm immer wieder Schwierigkeiten und lässt ihn auch zuweilen verzweifeln. Studiendirektor Kattmann schlägt regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er seine vielen Fehler in Rechtschreibung, Orthografie und Syntax berichtigen muss. Umso überraschter sind alle, als ein fehlerfreier Aufsatz in Joschels Deutschheft auftaucht und ihm eine Eins plus einbringt. Selbst der Teenager kann sich das nicht erklären - bis er über ein pelziges Dings mit vier roten Augen und einem Horn auf der Stirn in seinem Zimmer stolpert. 

Fausto Flamingo Esteban de Rioja der Dritte ist sein Name, aber seine Freunde nennen ihn schlicht "Fausto". Es handelt sich bei diesem seltsamen Geschöpf um einen Bücherdämon, der sich von Rechtschreibfehlern ernährt. Ständig hat er Hunger und Joschels Texte sind für ihn ein wahres Festmahl. Endlich hat auch der Teenager einmal Glück, denn mit Faustos Unterstützung gilt er bereits nach kürzester Zeit nicht mehr als der große Loser der Klasse. Und auch Canan, das schönste Mädchen der Schule, findet an ihm Gefallen. Es beginnt sich eine Freundschaft zu entwickeln, die allerdings durch Joschels Lügengerüst jederzeit wieder zerstört werden kann. Und dieses Ende droht immer näher zu kommen. 

Bei Lehrern, Mitschülern und seiner Mutter Hanne gilt Joschel nun als hochbegabt. Bei einem Schreibwettbewerb soll er nun seine Künste vor all den anderen zur Schau stellen und dafür den ersten Preis einheimsen. Um dies zu bewerkstelligen, benötigt er allerdings Faustos tatkräftige Unterstützung. Und da dem süßen, kleinen Dämon sowieso ständig der Magen knurrt, ist die Sache schnell geritzt. Und alles könnte so schön sein, wenn nicht Klassenstreber Udo-Kieron Dörting und Neuzugang Markus Jahnke ihm das Leben unnötig schwer machen würden. Das kann doch nur in einer Katastrophe enden, oder?! 

Auch sein zweiter Roman "Fausto" ist ein Volltreffer, mit dem Oliver Dierssen ein Versprechen gibt: nämlich ein spaßiges Fantasy-Highlight, das zu jeder Tages- und Nachtzeit den Leser amüsiert und hervorragend unterhält. Humor ist die größte Stärke des deutschen Autors, der bereits mit seinem Debüt "Fledermausland" kräftig abräumte - und dies verdientermaßen. Man liest Seite für Seite und schmeißt sich vor Lachen mehr als einmal weg. Und trotzdem gelingt es Dierssen Spannung aufzubauen, die den Rezipienten zu einem großen Finale trägt. "Fausto" beweist, dass Oliver Dierssen längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern sich direkt in die Riege der deutschen Top-Fantasy-Autoren geschrieben hat. 

Susann Fleischer 
21.03.2011

 
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Das Buch:

Oliver Dierssen:
Fausto

Bild: Buchcover Oliver Dierssen, Fausto

München: Heyne Verlag 2011
448 S., € 14,99
ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-453-26001-6

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