Kinder- & Jugendbücher

08/15-Mädchen goes Supermodel

Spätestens seit der Verfilmung von "Plötzlich Prinzessin" ist der Name Meg Cabot in aller Munde. Ihr literarisches Debüt beglückte insbesondere die jungen Mädchen ab zwölf Jahren und bereitet ihnen seit nunmehr neun Jahren Herzklopfen. Aber nicht nur Prinzessin Mia sorgt für abendfüllende Lesestunden, auch Cabots "Heldinnen" Jessica, Susannah und Samantha sind Erfolgsgaranten, die selbst ewig Junggebliebene zu begeistern wissen. Nach über 40 Romanen um die altbekannten Protagonistinnen eröffnet Cabot mit "Plötzlich blond" nun endlich eine neue Serie - Star ist diesmal die 16-jährige Em Watts, die sich eines Tages im Körper von Supermodel Nikki Howard wiederfindet. Aber erstmal von Anfang an.

Em ist überhaupt nicht wie ihre Klassenkameradinnen: Sie ist superintelligent, gibt nicht viel auf ihr Äußeres und frönt ihrer Leidenschaft, actionreiche Computerspiele. Da verwundert es kaum, dass Em der Freak ihrer Klasse ist und von allen gemieden wird - außer von Christopher, ihrem besten Freund und gleichfalls Computer-Junkie. Gemeinsam gehen sie durch dick und dünn und amüsieren sich heimlich über das It-Girl-Gehabe jener Mädels, für die Styling das wichtigste auf der Welt zu sein scheint. Als "lebende Tote" fristen sie im Ems Vorstellung ein Leben fernab jeglicher Realität - also ein ziemlich freudloses Dasein. Obwohl die Vorstellung, eine von ihnen zu sein, durchaus ihren Reiz hat. Vielleicht würde Christopher dann endlich mehr in ihr sehen, als bloß die beste Freundin, mit der man stundenlang am Computer zocken kann.

Ems Leben ändert sich schlagartig, als sie mit ihrer jüngeren Schwester Frida zu einer Autogrammstunde von Schmusesänger Gabriel Luna geht. Erst stand sie noch brav in der Reihe, und im nächsten Moment findet sie sich im Krankenhaus wieder. Doch etwas ist äußerst komisch: Warum sitzt Gabriel Luna an ihrem Bett? Und wer ist das Mädchen, das hereingestürmt kommt wie ein Wirbelwind und auf Em einredet, als wären sie beste Freundinnen? Erst als Em aus dem Krankenhaus entführt wird, erfährt sie die grausame Wahrheit: Ein Blick in den Spiegel zeigt, dass Em nicht mehr wie Em, sondern wie das Model Nikki Howard aussieht. Das kann doch nicht möglich sein, oder?! Wie sich herausstellen soll doch, denn die wahre Em ist tot - erschlagen durch einen riesigen Plasmabildschirm. Um ihr Leben zu retten, hatten die Ärzte nur eine Wahl: Sie mussten Ems Gehirn in Nikkis Körper einpflanzen.

Fortan gibt es das Mädchen Em nicht mehr, und in der Rolle von Nikki Howard soll sie nun ihr Leben fristen. Eigentlich gar kein so schlechter Gedanke, denn blond, gertenschlank und supersexy wickelt sie jeden Mann um den kleinen Figur. Vielleicht auch Christopher, in den Em eigentlich schon immer verliebt war, nur fehlte ihr der Mut für den entscheidenden Schritt. Der Job als Model ist sicherlich ganz easy und neben der Schule schnell mal gemacht - so zumindest Ems Leichtgläubigkeit. So ein Leben im Rampenlicht hat nämlich durchaus seine Tücken. Mal davon abgesehen, dass man sich stets topgestylt präsentieren muss, belagern Fans und Paparazzi ihre Wohnung und ihr Chef spioniert sie aus. Aber Em ist clever, sie findet schon einen Ausweg aus dieser verfahrenen Situation ... 

Meg Cabot stellt mit "Plötzlich blond" zum wiederholten Male unter Beweis, dass sie mit der Leichtigkeit einer Geschichtenerzählerin immer wieder von neuem Kultfiguren erschaffen kann und zugleich ihre jungen Leserinnen mit viel Gefühl und Herz berührt. Mit einer kräftigen Prise Humor und unvergleichbarer Unbeschwertheit dringt Cabot mit dem vorliegenden Buch in die Tiefen weiblicher Seelen ein und lässt so pubertierende Mädchen mitleiden, mitlachen, miterleben. Im Gegensatz zu Verwechslungskomödien à la "Freaky Friday" ist für Em eine Rückkehr in ihren alten Körper unmöglich. Vielmehr muss sie sich mit der neuen Situation arrangieren, denn ihr Leben wird nie wieder so sein wie vor dem Unfall, als alles noch "normal" war.

Cabots Talent, in die Gefühlswelten junger Mädchen einzudringen und so Fantasien wahr zu machen, hat sie hier erneut eindrucksvoll dargelegt. Aber selbst Erwachsene werden mit dem Buch kurzweilige Lesestunden verleben, denn es bewegt die Herzen kleiner und großer Träumerinnen. Das offene Ende verspricht eine Fortsetzung, die dem vorliegenden Band hoffentlich in nichts nachstehen wird. Aber bei Meg Cabot sind Befürchtungen in diese Richtung unbegründet, wie ihre anderen "Serien" beweisen.

Susann Fleischer
08.03.2010

 
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Das Buch:

Meg Cabot:
Plötzlich blond. Aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt

Bild: Buchcover Meg Cabot, Plötzlich blond

München: cbj Verlag 2010
320 S., € 14,95
ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-570-13534-1

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