Gedichtbnde

Gedichte behtete Zuversicht

Von H. Burdorf-Lautenbach liegt wieder ein Buch vor: "Vom Widerschein". Sie selber "positioniert" diesen kleinen Gedichtband mit dem Hinweis, dass es sich um "Ein?bungen religionsphilosophischen Denkens in Form von Lyrik" handle. Und sie verr?t auch gleich, woher die Anregung stammt: Es war Markus von H?nsel-Hohenhausen gewesen, der mit seinem Buch "Vom Antlitz in der Welt" auf Burdorf-Lautenbach offensichtlich viel Eindruck gemacht hatte.

"Religionsphilosophisches Denken" - das k?nnte viele Interessenten davon abhalten, sich diesen Gedichten zu n?hern. Dazu ist zu sagen, dass die Verse gerade nicht in akademische Gefilde entfliehen, sondern sehr nahe bleiben und auch entsprechend pers?nlich ansprechen. Das gilt ?brigens f?r beide Teile des Buches.

Im ersten Teil - "Vom Widerschein" - tritt eine Gl?ubigkeit zutage, die dem ganzen Werk ein bestimmtes Gepr?ge verleiht. "Wunderbar", hei?t es in einer sehr typischen Strophe, "wenn zuweilen in einem Antlitz GOTT aufleuchtet." Damit erh?lt der Buchtitel auch seinen Sinn. Manches kommt als Gebet zum Leser ("In Klausur"). "Hilf mir, Wesenhaftes einzeln anzuschau?n und auszuw?hlen", bittet sie im Gedicht "Relation II". Und sie bezeichnet wiederholt die Stellen in der Heiligen Schrift, die dem jeweiligen Gedicht zu Grunde liegen. Das mag traditionell, vielleicht sogar alt wirken. Aber gleichzeitig ist diese mutige Offenheit auch ausgesprochen frisch und zeitgem?ss.

Man wird einige dieser Gedichte im ersten Teil als Bekenntnisse wahrnehmen, sie sind indessen alles andere als aufdringlich, sie sind ganz einfach wahr gef?hlt. Nicht alles ist lange und episch ausgef?hrt, manches bleibt als Fresko stehen und regt damit umso mehr den Leser an.   

"Es ziehet erd- und himmelw?rts", schreibt Burdorf-Lautenbach. Dieser Passus gilt vor allem f?r den Teil II: "Vom Aufgang des Sch?nen". Er entwickelt sich in der Natur. Die Gedichte wirken getragen, nie geschw?tzig, eher still. Noch mehr als im ersten Teil entfaltet sich hier die poetische Sch?nheit, um den Leser zu erfreuen. Tats?chlich: Das Buch stimmt zuversichtlich, verbreitet Freude, l?sst das Wohlbeh?tetsein sp?ren. Fr?hlich verweilt man "Bei den Birken" und genie?t in "Knospen" das Feine dieser Dichtkunst. Man sitzt "Am Quell", erwartungsfroh, und erfasst den Grundzug dieses Buches, dass eben die ganze Natur beseelt erscheint. Der Behauptung, dass den Blumen Klang und Sprache fehlten und sie deshalb zu keiner Seele f?hig w?ren, dem wird mit einer gewissen Festigkeit widersprochen.

Den Gedichten ist eine sprachliche ?sthetik eigen. "Lagernde Schatten" mag hier als Beispiel dienen. "Mittag" und "Im Atem des Ewigen" kommt eine meditative Wirkung zu. Gleiches gilt f?r "Sanftmut", das mit den Worten endet: "... sie haben den Hirten". Das Beh?tetsein ist ein inhaltliches Merkmal dieser Dichtung, und das Formale unterst?tzt diesen sch?nen Grundzug.

Der Epilog schlie?t die Klammer dieses zweiteiligen Werkes: "Wenn wir einst zur?ckkehren in den Himmlischen Garten, lass B?ume, Blumen und V?gel uns dort auch erwarten!" Damit endet die Folge und macht das Ganze rund.

Nach der Lekt?re werden hier und dort Fragen aufsteigen und weiter besch?ftigen. L?sst sich der Leser vom Bekenntnisartigen, das hinter den Zeilen steckt, ?berhaupt packen, oder polarisiert diese Haltung viel mehr? Was ist philosophisch anzumerken, will man eine Schublade suchen, in der sich das Gesagte theoretisch einordnen l?sst, oder will man ganz einfach in sich eine Saite anklingen lassen, die in der Hektik des Alltags ja oft genug v?llig stumm zu bleiben droht? Will man erkennen, oder will man sich freuen, oder l?sst sich gar in der Poesie gleich beides wagen? 

Ronald Roggen
09.08.2010     

 
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Das Buch:

H. Burdorf-Lautenbach: Vom Widerschein

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2009
141 S., 13,80
ISBN: 978-3-8372-0484-1

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