Dramen

Zwei Stücke für die Bühne

Man kann es sich sehr gut vorstellen, dass Veranstalter mit einer mittelgroßen oder auch großen Bühne das Buch "Einakter" von Günter Baum als Grundlage nehmen für eine Aufführung. Der Autor, der im Fränkischen lebt, verfügt über schauspielerische Erfahrung und weiß, wie man Spannung in Szene setzt. Das Buch bietet sogar Platz für Regieanweisungen - was fehlt da noch!

Enthalten sind zwei Einakter, die es in sich haben. "Vier Pizzen und einmal Salat" heißt der in sechzehn Szenen gegliederte erste Einakter. Dieses Menü ist der bedeutungsvolle Hintergrund einer Geschichte, die den im Grunde genommen feigen Manfred und seine resolute Verlobte Ingeborg interessieren. Aber sie interessiert die beiden recht unterschiedlich, was denn auch zur Auflösung der Verlobung führt. Nicht sichtbar ist die geheimnisvolle Figur des Mannes, der gegenüber auf dem Dach des Hochhauses steht und von dem man nie weiß, ob und wann er sich hinunter stürzen will.

Damit sind es die Zuschauer, welche das Wesentliche hinzudenken, und genau das macht das Theater aus. Genau so könnte es gewesen sein, wird man nach der Lektüre empfinden. Ein Gedanke folgt auf einleuchtende Weise dem vorangegangenen. Einfacher Plot, komplexe Charaktere, wird man auch sagen können. Der gleiche Anblick löst in jedem der Beteiligten etwas anderes aus.

"Faust trifft Hamlet" heißt der zweite Einakter, der aus sechs Szenen besteht. Die beiden berühmten Figuren der Weltliteratur begegnen sich aber nicht irgendwo. Sie agieren eingebettet in eine Situation, die vielleicht in fünfzig Jahren stattfinden könnte, wenn sich die Welt entwickelt, wie es Günter Baum bildmäßig vor Augen hat. Er gibt nämlich als Bühnenbild eine Riesenmenge Müll vor. Es ist jener Müll, den das Land zwecks Vermeidung des Staatsbankrotts von einem anderen Land übernommen hat - gegen Bezahlung. Damit hat also der zweite Einakter zu tun. Auf der Bühne sprechen und handeln die schwangere Lena, Phil und Kai. Lenas Kind wird bald in dieser stinkigen Luft leben müssen, die sich der Leser mit der eigenen Nase bald genug gut vorstellen kann.

Die beiden Stücke "Faust" und "Hamlet" wurden per Zufall aus dem Haufen gezogen und so in die künftige Gegenwart hineingestellt. Das Interessante daran: wie überraschend herrlich einzelne Stellen aus "Faust" und "Hamlet" in die vermüllte Zeit hineinpassen. Die beiden Stücke sind durchgängig nacherlebbar, sie ziehen nach hinten, wie es gute Dramaturgie immer will. Die Sprache ist, wie man es bei Günter Baum gewohnt ist, in allen Teilen verständlich. Sie ist von der Spreche diktiert und wirkt deshalb auch nie künstlich. Wer die beiden Einakter nicht auf der Bühne erlebt, kann sich auch an Hand der Regieanweisungen ein schönes Bild machen von den einzelnen Szenen.

Ronald Roggen
04.02.2013

 
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Das Buch:

Günter Baum:
Einakter. Szenen die für jedes Theater ob groß oder klein geeignet sind

Bild: Buchcover Günter Baum, Einakter

Norderstedt: BoD – Books on Demand 2012
52 S., € 7,50
ISBN: 978-3-8482-4539-0

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