Briefliteratur & Tagebuch

Nachbeben des Nabels

Was von üblichen "Beziehungskisten" übrigbleibt, wenn, wie gewöhnlich, alles zu Bruch geht, ist Sperrmüll. Den zu beseitigen fühlt sich niemand bemüßigt. Seufzen nützt da wenig. Um endlich mal aus der Zwickmühle mieser Beziehungen rauszukommen, kann´s nur einen glatten Schnitt geben. Schluß also mit der sinnlosen Suche nach dem Anderen. Bester Partner des Menschen, der einen Partner sucht, ist der partnersuchende Mensch. Die Parole muß lauten: Liebe dich selbst! Aber nicht wie deinen Nächsten. Liebe mit der Gewissheit: Am liebsten würde ich mir selbst begegnen. Genau das gelingt dem Namenlosen, dessen Erwartungen, Empfindungen, Erlebnisse, Erfahrungen im "Tagebuch eines Egomanen" geschildert werden. Verfasser des ernstzunehmenden Spaßes ist ein smartes Trio spätjugendlicher Herren, die sich gern dem Kitzel pubertärer Nachbeben des Nabels hingeben.

Das ist das Beschissene, daß die Nabelschau des Egomanen dem besonderen Buch alles Besondere stiehlt. Sehr schnell ist dem unbedarften Leser klar: Alles kommt, wie es immer kommt! Die Sache läuft geradewegs schief, wie immer, wenn Zwei eine Beziehung probieren. Allgemein- Menschliches, durchaus amüsant durchgehechelt, macht das Buch der besonderen Beziehung so menschlich-allgemein. Der Euphorie der Gefühle folgt der klassische Kniefall "für immer mit mir zusammenbleiben" zu wollen. Kennen wir! Aus dem siebenten Himmel auf den Boden der Tatsachen geholt, enden alle Liebesschwüre mit der Feststellung: "Single sein ist toll!" Kennen wir! Kurzum: Auch die Partnerschaft des Ich´s mit dem Ich mündet in der Pleite. Ahnten wir! Finden wir uns damit ab, daß wir uns nicht selbst schwängern und dann auch noch heiraten. Wo, bitte, blüht in unseren Breiten am 17. April der Flieder? Im "Tagebuch eines Egomanen". In dem ist manches außer der Reihe, aber nichts von der Rolle.

Bernd Heimberger
03.10.2005

 
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Das Buch:

Daniel Finger/Nico Nowarra/Sven Oswald:
Tagebuch eines Egomanen

Bild: Buchcover Daniel Finger/Nico Nowarra/Sven Oswald, Tagebuch eines Egomanen

Berlin: Gustav Kiepenheuer Verlag 2005
138 S., € 14,90
ISBN: 3-3780-0666-8

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