Ratgeber

Von der Dinglichkeit der Dinge

Dieses Buch wird von Herstellerfirmen "pädagogisch wertvollen" Spielzeugs garantiert als Ohrfeige wahrgenommen werden. Die Habas, Sigikids und Selectas dieser Welt werden von den Aussagen, die von der Kinderpädagogin Donata Elschenbroich getroffen werden, alles andere als erfreut sein. Elschenbroichs Credo ist nämlich, dass Kinder die Welt idealerweise über die alltäglichen Dinge des Lebens kennenlernen sollten. Sie opponiert zwar nicht explizit gegen "hochwertiges" und insbesondere hochpreisiges Spielzeug, doch zeigt sie auf, wie z.B. eine simple Wäscheklammer die motorischen Fähigkeiten und den Entdeckungsdrang des Kindes optimal wecken und fördern kann.

Die in Frankfurt lebende Donata Elschenbroich schrieb 1977 ihre Promotion über die Kulturgeschichte der Kindheit und gilt als führende Expertin auf dem Gebiet der international vergleichenden Kindheitsforschung. Diesbezüglich hat sie bereits einige Bücher publiziert und auch mehrere Filme zum Thema "Bildung in frühen Jahren" produziert. Der Leser von "Die Dinge: Expeditionen zu den Gegenständen des täglichen Lebens" greift somit auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zurück und kann diese als verlässliche Anregungen für sich annehmen.

Im Zentrum des vorliegenden Buches steht die sogenannte "Weltwissen-Vitrine", eine individuelle Zusammenstellung alltäglicher Dinge, die aufgehübscht und mit einer gewissen Besonderheit und Exklusivität versehen aufbereitet wird. Sie liefert Kindern einen gewaltigen Schatz an Informationen und hält eine geradezu unermesslich Tiefe an zu erforschenden Erkenntnissen bereit. Diese Vitrine ist von Donata Elschenbroich in der Praxis hinlänglich erprobt worden. Im vorliegenden Buch schildert sie an vielen Beispielen eindrucksvoll ihre Beobachtungen von Kindern und deren Eltern bei der Erforschung solch banaler Dinge wie einer Wasserwaage, Essstäbchen oder einem Dübel.

In diesen Praxisberichten liegt definitiv die Stärke des vorliegenden Buches, da hier jedermann seine persönlichen Aha-Erlebnisse haben wird und auch etwas für sich und seine eigenen Kinder mitnehmen kann. Dagegen sind Elschenbroich die vorangegangenen Kapitel etwas weniger gut gelungen, da sich dem trivialen Leser in den meist theoretischen und wissenschaftlichen Abhandlungen ein roter Faden und ein übergreifender Zusammenhang nur schwer erschließen. Dennoch werden auch hier vereinzelt konkrete und interessante Themen wie z.B. Depressionen oder das Messie-Syndrom angesprochen, für die Elschenbroich sehr bemerkenswerte Erklärungen und Thesen bereithält.

Das vorliegende Buch ist durchweg ein sehr ermutigendes Buch. Ohne fordernd den Zeigefinger zu erheben, hält es Eltern an, sich ihren Kindern ausführlich zu widmen, eine offene Kommunikation zu pflegen und ihren Kindern die Räume des Wissens zu öffnen. Elschenbroich ist dabei höchst ermunternd, so dass sich Eltern nach der Lektüre dieses Buches garantiert ihre Gedanken machen werden, um eigene Wege und Mittel zu finden, die Grundgedanken des Buches individuell umzusetzen.

Christoph Mahnel
13.09.2010

 
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Das Buch:

Donata Elschenbroich:
Die Dinge. Expeditionen zu den Gegenständen des täglichen Lebens

Bild: Buchcover Donata Elschenbroich, Die Dinge. Expeditionen zu den Gegenständen des täglichen Lebens

München: Antje Kunstmann Verlag 2010
192 S., € 18,90
ISBN: 978-3-88897-681-0

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