Autobiographie

Ein treuer Freund ...

Eine Rückschau auf das eigene Leben stimmt oft melancholisch - zu sehr ärgert man sich über verpasste Chancen, das Unrecht, das einem widerfahren ist, oder über sonstige Krisen. Auf die Autobiographie von Esther Asch trifft wirklich nichts von alledem zu: Jede noch so große Krise wurde als Chance begriffen, aus der man gestärkt hervorgeht - was aber das Leben von Esther Asch vor allem so besonders macht, ist, dass sie zu jeder Zeit einen treuen Freund und Begleiter hatte, der ihr immer zur Seite stand und auch in schwierigsten Zeiten immer für sie da war. Glücklich kann sich der schätzen, der so jemanden hat - doch muss es oft gar nicht mal ein Mensch sein, denn für viele ist der treueste Freund des Menschen immer noch der Hund! Genau so war es bei Esther Asch.

Viele Lebensabschnitte sind es, auf die die mittlerweile über Siebzigjährige zurückblickt, doch wie sie selber sagt, wurde sie immer bei diesen Abschnitten von Hunden begleitet. Der Nachbarshund als junges Mädchen, als im Zweiten Weltkrieg die Bomben fielen, später der Samojede, der ihr in den trotz ihrer Ehe einsamen Jahren zur Seite stand, und noch viele mehr. Naturgemäß ist es einem vergönnt, einen Hund nur für eine bestimmte Zeit seinen besten Freund nennen zu dürfen, doch sind es immer wieder neue Begleiter, die mit ihrer Unschuld, Frische und Liebenswürdigkeit jeden Tag erhellen - und das tun sie für Esther Asch bis heute!

Jetzt wird aber fast der Eindruck erweckt, in "Mein Lebensbuch begleitet von den Hunden meines Lebens" ginge es nur um die Vierbeiner, aber das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich ist die Autobiographie von Esther Asch eher eine spannende, amüsante und exotische Abenteuergeschichte durch die Jahrzehnte - mit dem Unterschied zu herkömmlichen Geschichten, dass ihre Hunde in der Regel dabei sind. Die Autorin - und sie macht auch keinen Hehl daraus, dass die Geschichten genau so passiert sind! - ist in Zürich aufgewachsen und führte später eine Ehe, die nicht ganz den Vorstellungen entsprach, die man als schwer verliebte junge Frau hat. Es mangelte an Erotik und Zärtlichkeit, nicht jedoch an Abenteuern.

In den frühen Sechzigern fuhr sie mit ihrem Mann auf eigene Faust und mit dem Hund im Gepäck unter anderem nach Marokko, Syrien und in die Türkei. Als Lehrerin verwirklichte sie später ihren Traum, Kindern alles mit auf den Weg zu geben, was sie für ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Leben brauchen. Die bekanntlich langen Ferien als Lehrerin wusste Esther Asch stets gut zu nutzen: Afrika, Asien, Mexiko und Argentinien sind weitere Stationen ihrer langen Reisen. Die witzigen Anekdoten und spannenden Geschichten sind stets ein Zeugnis einer Reisenden, die fernab des Standard-Touristenprogramms mit ihrer offenen und freundlichen Art Freunde jeglicher Nationalität und Kultur zu gewinnen wusste.

Es macht einfach Spaß, Esther Asch bei ihren Erzählungen und ihren Erinnerungen zuzuhören. Mittlerweile lebt sie am Zürichsee und hat eine eigene kleine Privatschule, immer noch stets umgeben von ihren Hunden und sogar ein paar Katzen. Dass sie dennoch Zeit zum Schreiben findet, um aus ihrem langen, reichhaltigen Leben zu erzählen, ist ein großes Glück, denn man hat am Ende das Gefühl, dass noch die ein oder andere spannende Geschichte darauf wartet, erzählt zu werden.

Gerrit Koehler
24.06.2013

 
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Das Buch:

Esther Asch:
Mein Lebensbuch begleitet von den Hunden meines Lebens

Bild: Buchcover Esther Asch, Mein Lebensbuch: begleitet von den Hunden meines Lebens

Frankfurt am Main: August von Goehte Literaturverlag 2013
100 S., € 11,80
ISBN: 978-3-8372-1272-3

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