Autobiographie

Die "rechte Erziehung" , die Werte vermittelt

Wer viel mit Jugendlichen zu tun hat - Eltern, Lehrer, an der Gesellschaft Interessierte -, der wird im Buch "Ein neues Leben" von Fred Artus eine anregende Lekt?re finden. Das "neue Leben" ist ein sehr pers?nliches und auch sehr offenes Bild, das der Sozialp?dagoge in Form eines bunten Berichtes vorlegt. Es sei ein "Weg der Schule des Lebens", schreibt Artus im Vorwort. Und es gehe ihm darum, "der Dummheit und der Oberfl?chlichkeit" entgegenzutreten. Die "rechte Erziehung" ist Artus ein gro?es Anliegen, man sp?rt diesen Drang auf jeder Seite. Ein Berufsmann anfangs der F?nfziger, mit etwas Angst, sein Traum k?nne verfliegen. Deshalb der Bericht, der das Wesentliche festhalten soll. Deshalb diese Eindringlichkeit in den Gedanken.

Sein Instrument ist das direkte Wort. Die Sprache ist unkompliziert und unverziert, sie h?lt sich an nichts anderes als an die Handlung. Deshalb wirkt das Buch so aktiv und bewegt. Aber es ist auch ein herausforderndes Buch. Ein Werk, das ?ber 345 Seiten hinwegf?hrt und trotzdem keine Zwischentitel zeigt, ist immer eine Herausforderung. Die Abs?tze sind lang, die Gedankenf?hrung ist es auch. Da wird nicht kurzatmige Erkenntnis zum Besten gegeben, da wird nachgedacht und weitergegeben. Insofern ist es ein verantwortungsvolles Buch, das Pers?nliches und Ehrliches mit Tiefe verbindet. Da fehlt es auch nicht an Reizworten. ?Sozialhilfeadel" ist eines davon. Der Alltag r?hrt Grunds?tzliches an, der Mikrokosmos verbindet sich mit Anliegen, die der Autor an die globale Welt von heute richtet. Einiges adressiert sich auch ganz einfach an den Staat. "Auf der Strecke bleibt das, was einen Staat sozial macht", klagt Artus an.

Entwaffnend offen berichtet der Autor auch ?ber seine Liebe und das, was ihn dabei in Atem h?lt. Man sp?rt seine Verbundenheit mit der H?ndin Tammie, sein Erleben der vielen Problemphasen im Leben der anvertrauten jungen Menschen. Schulschw?nzen im Sinn der Verweigerung ist ein wichtiges Thema, das wiederkehrt. Elternpaare und alleinerziehende M?tter sind halt nicht immer in der Lage, mit den N?ten ihrer Kinder fertig zu werden. Oft genug steckt massive Reiz?berflutung hinter den Problemen der Jugendlichen. Es ist eine ?berflutung mit irgendwelchen Signalen, kaum mit tragenden Werten, an denen Artus so viel liegt. Gerade weil der Autor so schonungslos offen berichtet, strahlt das Buch Authentizit?t und Glaubw?rdigkeit aus. Berufliches und Privates - darunter Ferienerlebnisse, Versuche im Handwerk - folgen sich so ungezwungen, wie das Leben sie reiht.

Die wohl zentrale Rolle im Buch spielen die Werte, allen voran die Liebe. Aber auch Mut, Hoffnung, Kreativit?t, Freiheit und Verantwortung z?hlen viel in "Ein neues Leben". Es ist un?berseh- und un?berlesbar: Dem Autor geht es genau um diese Werte und darum, sie bewusst zu machen und weiterzugeben. Geschrieben wird von Hamburg aus, aber Stadtbild und Landschaft r?cken in den Hintergrund, Artus geht es um die N?he zum Menschen. Es ist im ?brigen der Erfahrungsschatz eines Vielgereisten, der bei aller Reiserei den einzelnen Menschen nicht aus dem Blickfeld verloren hat.

Investieren in die Erziehung und damit in die Zukunft der Kinder: Wer k?nnte da ernsthaft etwas dagegen einzuwenden haben!

Ronald Roggen
08.08.2011 

Eine Lesung aus diesem Buch finden Sie hier: 
http://autoren-tv.de/vorschaltseiten/artus_intro.html

 
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Das Buch:

Fred Artus: Ein neues Leben. Aus dem Leben eines Sozialpädagogen

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2010
345 S., € 19,80
ISBN: 978-3-8372-0811-5

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