Autobiographie

Eine Frage des Willens und Wollens

Jan Frodeno ist der ultimative Eisenmann schlechthin. Nach seinem damals noch überraschenden Triathlon-Olympiasieg anno 2008 in Peking entwickelte sich der in Köln geborene und in Südafrika aufgewachsene Frodeno über die kommenden Jahre hinweg zum unangefochtenen Ironman-Dominator. Seit seinem Debüt auf der Langstrecke vor vier Jahren hat Frodeno auf den 3,8 Kilometern im Wasser, den 180 Kilometern im Radsattel und dem abschließenden Marathon per pedes sämtliche Bestmarken pulverisiert, so dass mittlerweile der Sieg bei den ganz großen Ironman-Saisonevents ausschließlich über ihn geht. Seine drei Siege bei den großen deutschen Ironman-Veranstaltungen in Frankfurt und Roth konnte er nur noch toppen durch seine beiden Triumphe auf Hawaii, dem Mekka des Ironman-Sports.

Das Erscheinen des vorliegenden Buchs "Eine Frage der Leidenschaft", einer zusammen mit zwei professionellen Schreiberlingen verfassten Autobiographie Jan Frodenos, war schon vor langer Zeit angekündigt worden und musste letztlich um mehr als ein Jahr verschoben werden. Scheinbar ließ der strenge Trainingsplan Frodenos keine Fokussierung auf das Buchprojekt zu. Dieser Eindruck verfestigt sich leider auch beim Lesen. Mit gut 200 spärlich bedruckten Seiten liefert das Buch ab, wie man es von Frodeno gewohnt ist: Ohne Umschweife auf direktem Weg ins Ziel. Doch leider erwartet der neugierige Leser von der Innenansicht eines Top-Sportlers mehr als eine Aneinanderreihung von Anekdoten, die den sicherlich möglichen Tiefgang vermissen lassen.

In sieben Kapitel hat Frodeno seine leidenschaftlichen Erinnerungen paketiert. Dabei geht er im Großen und Ganzen chronologisch vor, behält sich jedoch den einen oder anderen zeitlichen Sprung vor, was das Lesen aber nicht negativ beeinflusst. So startet Frodeno seine Erzählungen mit dem Schritt seiner Eltern nach Südafrika, wo er seine ersten ernst gemeinten sportlichen Gehversuche unternimmt. Dabei streift er die Personen, die ihn für seinen weiteren Werdegang positiv beeinflussen konnten, um schließlich aus dem Bewegungstalent Frodeno die Kampfmaschine zu fertigen, die in den letzten zehn Jahren im Triathlon-Sport abgeräumt hat wie kein Zweiter. Dabei gibt er auch die eine oder andere Einsicht in den privaten Jan, sei es in seine Art der inneren Motivation oder sei es in sein familiäres Gefühlsleben.

Im Vergleich zu gelungenen Sportler-Biographien, in denen erfolgreiche Sportler tief abtauchen in ihre Erinnerungen, Motivationen und Erfolgsmomente, so dass der Leser das Buch vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen möchte, schafft es Frodeno mit "Eine Frage der Leidenschaft" leider nicht, seine Leser zu fesseln. Stattdessen mutiert das vorliegende Buch, das ob seiner Kürze durchaus in ein oder zwei Tagen gelesen werden könnte, zu einem Ladenhüter auf dem Nachtisch, den man nach wenigen Seiten wieder zuklappt und auf den nächsten Abend vertagt.

"Eine Frage der Leidenschaft" verhilft dem Leser somit leider nicht zu einem "Flow", mit dem man das Gefühl eines Ironman-Siegers für einen perfekten Wettbewerb nachempfinden könnte, sondern vermittelt dem Leser vielmehr, wie es den meisten Hobby-Ironmen an einem langen Wettkampftag ergeht: durchweg sehr zäh, aber mit einigen diffus wahrgenommen Höhepunkten. Frodeno bleibt oberflächlich und scheint eine vertragliche Pflicht erfüllt zu haben, die ihn 200 Seiten abliefern lassen musste, was er aus Zeitgründen lange vor sich hergeschoben hat. Doch es ist gewiss, dass ein Ausnahmeathlet wie Jan Frodeno in seinem Sportlerleben ganz viel erfahren hat, was definitiv festhaltens- und lesenswert ist. So bleibt zu hoffen, dass Frodeno sich eines Tages nach Beendigung seines stressigen Athletendaseins die Zeit nimmt, um mit mehr Muße und Tiefgang aus seinem Leben zu plaudern.

Christoph Mahnel
23.07.2018

 
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Das Buch:

Jan Frodeno: Eine Frage der Leidenschaft - Mit Mut und Motivation zum Erfolg

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Mnchen: Ariston Verlag 2018
224 S., 20,00
ISBN: 978-3-424-20167-3

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