Medien & Gesellschaft

Eine Geschichte, so hoffnungsspendend wie ein Licht in dunkelster Nacht

Polen, 1939: Während der Zweite Weltkrieg tobt, wird der Warschauer Zoo Schauplatz einer dramatischen Rettungsaktion, die über 300 Juden vor dem sicheren Tod bewahrt. Als Jan und Antonina Zabinski, der Zoodirektor und seine Frau, mitansehen müssen, wie die Truppen Hitlers in Polen einmarschieren und ihren Schrecken verbreiten, ist ihr Entsetzen groß. Die jüdische Bevölkerung wird im Warschauer Ghetto zusammengepfercht und von der Außenwelt abgeschottet. Die Juden scheinen sogar noch weniger wert als eine Ratte. Zeitgleich beginnen die Nationalsozialisten den Zoo für ihre Zwecke zu nutzen, um ausgestorbene Tierarten rückzuzüchten. Der Rassenwahn nimmt schlimme Ausmaße an, ein unvorstellbares Verbrechen wider die Natur.

Die Zabinskis beschließen, etwas zu unternehmen - auch auf die Gefahr hin, dass das Ehepaar in den Gaskammern eines Konzentrationslagers landen könnte. Als die Nazis den brachliegenden Zoo verlassen, nutzen die beiden die Situation und schmuggeln Juden aus dem Warschauer Ghetto auf das Zoogelände, wo sie die Todgeweihten in den leeren Tierkäfigen verstecken. Sie retten ihnen damit das Leben. Um den Anschein eines Vorkriegslebens aufrechtzuerhalten, beherbergt Antonina Zabinski außerdem eine Menagerie von Tieren (Otter, Dachs, Hyänee, Luchse) sowie der geheimen Gäste in der Villa. Doch Sicherheit gibt es keine. Jederzeit könnte die SS dahinterkommen. Überall lauern Spione und niemand kann niemandem noch vertrauen ...

Unterhaltung, die einen ganz schwindelig macht - Diane Ackerman gelingt mit "Die Frau des Zoodirektors" ein absolutes Lesehighlight im Sachbuchbereich. Ab dem ersten Satz zieht die Geschichte der Zabinskis einen unweigerlich in den Bann. Sie nimmt einen über viele, viele Stunden restlos gefangen. Und sie rührt einen zu Tränen. Für dieses Lesevergnügen braucht man definitiv mehr als eine Packung Taschentücher. Die US-amerikanische Autorin lässt uns an einem Einzelschicksal zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges teilhaben und schafft auf einzigartige Art und Weise Lesekino à la Hollywood. Selbst die Verfilmung mit Jessica Chastain, Daniel Brühl und Johan Heldenbergh in den Hauptrollen kommt gegen dieses nur äußerst schwer an. Grandios!

Noch lange nach der Lektüre von "Die Frau des Zoodirektors" klingen Diane Ackermans Worte im Herzen des Lesers nach. Trotz der Düsternis der späten 1930er und 1940 Jahre zeigt dieses Buch, dass auch Platz war für Hoffnung. Es ist ein ähnlich bedeutendes und berührendes Zeitdokument wie "Schindlers Liste". Nicht nur deshalb darf dieses in keinem Regal, auf keinem Nachttisch fehlen. Denn es gibt kaum ein besseres Werk über den Holocaust.

Susann Fleischer
12.12.2016

 
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Das Buch:

Diane Ackerman:
Die Frau des Zoodirektors. Aus dem Amerikanischen von Christine Naegele

Bild: Buchcover Diane Ackerman, Die Frau des Zoodirektors

München: Heyne Verlag 2016
384 S., € 19,99
ISBN: 978-3-453-27082-4

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