Medien & Gesellschaft

Inkognito in der Hölle

Im März 1948 wurde in Kalifornien/USA der wohl berühmteste Motorradclub der Welt - der Hells Angels Motorcycle Club (HAMC) - gegründet. Seitdem ranken sich zahllose Gerüchte und Geschichten um die harten Jungs aus der Bikerszene. International macht die Gruppe seit Jahrzehnten durch unterschiedliche Straftaten und Gewaltdelikte von sich reden. Drogengeschäfte, Prostitution, Morde und Schlägereien sowie - mittlerweile auch international geführte - Bandenkriege mit rivalisierenden Clubs haben den mitgliedsstärksten Rockerclub der Welt in den Verdacht der organisierten Kriminalität gebracht.

Der Amerikaner Jay Dobyns ermittelte fast zwei Jahre inkognito im innersten Kreis der Hells Angels, einem nicht ganz ungefährlichen Ort. Sein Buch "Falscher Engel" erzählt von den wohl spannendsten Ermittlungsjahren seiner Geheimagenten-Karriere, als er seine Rolle als Ehemann und Familienvater aufgab und ein Hells Angel wurde.

Um ein Mitglied der Hells Angels zu werden, muss man viele Opfer bringen, strenge Aufnahmekriterien erfüllen und für gewöhnlich eine lange Bewährungszeit absolvieren. Auf den ersten Blick scheint es undenkbar, dass ein Polizist sich in diese eingeschworene Gemeinschaft einschleusen kann. Jay Dobyns, Agent der US-Behörde ATF im amerikanischen Arizona gelingt jedoch das nahezu Unmögliche: Der korpulente, am ganzen Körper tätowierte ehemalige Footballspieler täuscht einen Mord vor und schafft es so, in den bekannten Motorradclub aufgenommen zu werden. Sein grandioses Schauspiel, sich als Harley-Davidson-Fahrer, Waffenfreak und gnadenloser Geldeintreiber auszugeben, verschafft ihm Zutritt zum innersten Zirkel der Hells Angels. Während dieser Zeit wird Jay Dobyns Zeuge unzähliger Verbrechen, vom Drogenhandel bis zum Auftragsmord.

Die Ermittlungen gleichen einem Drahtseilakt. Ständig droht seine geheime Identität aufzufliegen. Jay Dobyns` Doppelleben als Spitzel der Hells Angels und Familienvater erinnert an ein Katz-und-Maus-Spiel. Zwar enthüllt er während seiner Recherche das gewalttätige Gesicht der Hells Angels, gleichzeitig gerät er aber auch immer mehr an seine Grenzen. Schon bald lebt er ein Leben, das nicht mehr ihm gehört. Immer mehr driftet er in die Welt der Biker ab und erkennt sich selbst nicht wieder. Er verliert sich in der harten Welt der Hells Angels und muss sich am Ende seiner Ermittlungen zwischen Gut und Böse entscheiden.

Mit seinem spannenden Buch "Falscher Engel" gibt Jay Dobyns einen Einblick in die unbekannte, gefährliche Welt des berühmten Bikerclubs. Ausführliche Erläuterungen zu den einzelnen Hells Angels, verschiedenen Motorradclubs und beteiligten Geheimagenten vereinfachen das Namens-Chaos während des Lesens. Auch eine Landkarte von Arizona zu Beginn des Buches lässt erahnen, welches Ausmaß die polizeilichen Ermittlungen quer durch den ganzen Bundesstaat hatten. Niemand vor ihm hat es bislang geschafft, in diesem Milieu so lange zu recherchieren. Ein fesselnder Tatsachenbericht, der die ungeschönte und harte Realität, die hinter einer langen und gefährlichen Undercover-Arbeit steht, zeigt. Ein faszinierendes und gleichzeitig schockierendes Lesevergnügen.

Mareike Palmy
11.01.2010

 
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Das Buch:

Jay Dobyns und Nils Johnson-Shelton:
Falscher Engel. Mein Höllentrip als Undercover-Agent bei den Hells Angels. Aus dem Amerikanischen von Martin Rometsch

Bild: Buchcover Jay Dobyns, Falscher Engel. Mein Höllentrip als Undercover-Agent bei den Hells Angels

München: riva Verlag 2009
384 S., € 19,90
ISBN: 978-3-86883-026-2

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