Medien & Gesellschaft

Unter Geiern

Heike Faller geht es wie wahrscheinlich vielen Menschen in Deutschland: Das monatliche Einkommen fließt, für das tagtägliche Leben reicht es bei weitem, auch größere Anschaffungen und Urlaube sind kein Problem. Die permanente Berieselung in den Medien über Geldanlagen, private Vorsorgemöglichkeiten und deren Dringlichkeit ob der Unsicherheit der gesetzlichen Rente allerdings lähmen mehr denn sie einen dazu bewegen, selbst aktiv zu werden. Das ersparte Geld schimmelt auf dem Girokonto vor sich hin und arbeitet nicht, anstatt in Form von Aktien, Optionsscheinen oder ähnlichen, für den Laien oftmals komplex erscheinenden Finanzprodukten angelegt zu werden. Der geneigte Bürger jedoch ist abgeneigt, er ist von der gefühlten Komplexität des ganzen abgeschreckt und verharrt träge.

Heike Faller, Journalistin und Redakteurin bei der "ZEIT", aber hat den inneren Schweinehund und die Barrieren gegenüber dieser scheinbar undurchdringlichen Welt überwunden, sich ihrer Verantwortung über die eigenen Finanzen gestellt und im vergangenen Jahr eine zwölfmonatige Auszeit von ihrem Job genommen mit dem Ziel, in dieser Zeit 10.000 Euro zu verdoppeln. Ein hehres Ziel, vor allem retrospektiv betrachtet, da die Finanz- und Bankenkrise mitten in diese Periode hineinplatzte.

Das vorliegende Buch handelt von diesem einen Jahr in Heike Fallers Leben, ist amüsant geschrieben und hervorragend geeignet für Finanzlaien, die schon immer einmal mehr wissen wollten bzw. sich schon immer einmal für diese Thematik interessieren und sich ihr nähern wollten. Dies hat Heike Faller gemacht und davon berichtet sie. Anfangs sind ihre Erzählungen noch mit der entsprechenden Naivität einer Finanz-Novizin versehen, die sie im Laufe ihres Jahres jedoch ablegt. Faller bewegt sich auf allen denkbaren Ebenen der Finanzwelt: Sie versucht sich in Rohstoffen, nachdem sie von zwei bayrischen Provinzweisen auf Gold angefixt wird, sie begibt sich in Spielbanken an den Roulette-Tisch, um von einem Mathematiker erklärt zu bekommen, dass ihr todsicheres System nur gefühlsmäßig sicher ist, und sie fliegt in den Irak, um ihr Glück auf sogenannten "Emerging Markets" zu versuchen.

Der Leser macht im Laufe des Buches eine ähnliche Entwicklung durch wie die Autorin: Hat "Wie ich einmal versuchte, reich zu werden" anfangs noch eher amüsanten Episoden-Charakter, wird vom Leser im weiteren Verlauf ein wenig mehr verlangt, wenn er Fallers Ausführungen über Abhängigkeiten in der Finanzwelt nachvollziehen möchte. Somit schafft die Autorin gekonnt den Spagat zwischen einer netten Geschichte aus dem Leben einer Journalistin und einer Einführung in die Finanzwelt. Ohne an dieser Stelle näher auf das Endergebnis dieses einjährigen Experimentes einzugehen, sei verraten, dass Heike Faller vielfältige Erfahrungen gemacht hat, sowohl in positiver als auch negativer Hinsicht. Jedoch kann und will das vorliegende Buch kein Leitfaden für Geldanlagen sein. Stattdessen macht es dem trägen Leser Mut, sich aufzuraffen und ähnlich wie Frau Faller und Herr Rossi hinauszugehen und das Glück zu suchen.

Christoph Mahnel
20.07.2009

 
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Das Buch:

Heike Faller:
Wie ich einmal versuchte, reich zu werden. Mein Jahr unter Spekulanten

Bild: Buchcover Heike Faller, Wie ich einmal versuchte, reich zu werden. Mein Jahr unter Spekulanten

München: DVA 2009
240 S., € 19,95
ISBN: 978-3-421-04385-6

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