Erzhlbnde & Kurzprosa

Es ist ein Mrchen selten so hsslich und so schn

Haut, so weiß wie Schnee, Lippen, so rot wie Blut und Haar, so schwarz wie Ebenholz ist das kleine Schneewittchen ganz das Töchterchen, das sich ihre Mutter, die Königin, gewünscht hat, die aber nach der Geburt des Kindes verstirbt. Die zweite Frau des Königs neidet dem Mädchen dessen Liebreiz, der ihre eigene Schönheit tausendfach übertrifft. Getrieben von dem Wahn, die Schönste im ganzen Land sein zu wollen, versucht die böse Königin mehrmals, Schneewittchen das Leben zu nehmen. Nur durch Glück übersteht das vertrauensselige Kind die ersten zwei Besuche ihrer Widersacherin, welcher es stets Einlass ins Haus gewährt. Doch dann gelingt es ihrer Stiefmutter, die kleine Prinzessin mit einem Apfel zu vergiften und fortan liegt das Mädchen wie tot darnieder. Erst als ein junger Prinz, verzaubert vom Anblick des schönen Schneewittchens, dieses mit auf sein Schloss nehmen will, löst sich die faule Frucht aus dessen Kehle und es erwacht wieder zum Leben. Bei der folgenden Hochzeit des neuen Königspaares muss die böse Königin zur Strafe für ihre Missgunst solange in glühend-heißen Pantoffeln tanzen, bis der Tod sie holt.

"Schneewittchen" ist eines, wenn nicht sogar das bekannteste Märchen der fantastischen Gebrüder Grimm und die Geschichte hat über die Zeit hinweg nichts von seinem Charme eingebüßt. Das Faszinierende an dieser Ausgabe sind jedoch ohne Frage die Illustrationen von Benjamin Lacombe. Mit düsteren Farben, durchdrungen von blutigem Rot, kreiert der Künstler eine schaurige Atmosphäre, die eindeutig die Gefahr vermittelt, in der das unschuldige Schneewittchen schwebt. Und dennoch - die Dunkelheit wirkt einladend, die Bilder warm und vertraut. In einem Wechsel von Realität und Abstraktion verwebt Lacombe Symbolik in seiner Kunst, wie etwa die Darstellung der bösen Königin als eitlen Pfau, welche den Zauber der bekannten Handlung noch hervorheben.

Märchen wurden von Erwachsenen erfunden, damit ihnen die Kinder auch zuhören, wenn sie ihnen einen guten Rat geben wollen. Vertraue keinem Fremden und lass ihn nicht herein, wie sehr er dich auch zu überzeugen sucht. Nimm keine Geschenke von ihm an und ist die Versuchung auch noch so groß. So wird sich auch das leichtsinnigste Kind der Geschichte von Schneewittchen entsinnen und die Türen verschlossen halten - gestern, heute und immerdar.

Jennifer Runde
05.10.2015

 
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Das Buch:

Jacob und Wilhelm Grimm, Benjamin Lacombe: Schneewittchen

Berlin: Verlagshaus Jacoby & Stuart 2014
48 S., 17,95
ISBN: 978-3-941787-39-1

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