Wissenschaften

Aktuelle Forschungsergebnisse zu den Kaiserforen Roms

Im Bereich der Via Alessandrina und der Via dei Fori Imperiali des heutigen Roms reiht sich Ausgrabungsstätte an Ausgrabungsstätte. Grundsätzlich ist dies nichts Besonderes in Rom, doch häufen sich die bedeutenden Denkmäler und Ruinen in diesem Gebiet auffällig, denn in diesem Areal verewigten sich vor rund 2000 Jahren die mächtigsten Herrscher des Abendlandes in Form eines Forums. Caesar, Augustus, Nerva und Trajan, die Erbauer, Finanziers und Namensgeber der Foren, erschufen damit mitten in der Stadt Orte der Rechtsprechung, Verwaltung, aber hauptsächlich der Repräsentation.

Roberto Meneghini, einer der führenden Archäologen Italiens mit dem Spezialgebiet Rom und wissenschaftlicher Leiter der jüngsten Ausgrabungen in Rom, hat in seiner Veröffentlichung "Die Kaiserforen Roms" die aktuellsten Ergebnisse der Ausgrabungen der letzten 20 Jahre im Bereich der Via Alessandrina und der Via dei Fori Imperiali zusammengestellt. Dabei geht er sehr systematisch vor und beschreibt zunächst das Gebiet und die städtebaulichen Voraussetzungen, die Caesar, der als Erster ein Forum zur Repräsentation seiner Macht und Größe errichten ließ, vorfand. Nicht selten mussten die Kaiser das Land für ihre Foren teuer erkaufen und ganze Häuserzüge umsiedeln.

In den folgenden Kapiteln arbeitet Meneghini die Kaiserforen chronologisch ab: Caesarforum, Augustusforum, Friedenstempel, Nervaforum und Trajansforum. Die Entstehungsgeschichte der Foren mit ihren prächtigen Tempeln und Portiken wird von vielen Fotos, Rekonstruktionszeichnungen, Grabungsplänen und Grundrissen begleitet und dadurch äußerst anschaulich dargestellt. Dies macht es für den interessierten Laien einfacher, die sehr wissenschaftliche Sprache Meneghinis und die reichlich verwendeten Fachbegriffe, die nicht immer alle im Glossar erläutert werden, zu verstehen und den Ausführungen dennoch interessiert und begierig auf mehr zu folgen.

Die Rekonstruktionszeichnungen eines jeden Forums oder auch eines einzelnen Gebäudes tragen entscheidend dazu bei, dass man sich als Leser vorstellen kann, welches Ausmaß und welche Ausstrahlung, die sonst nur in Ruinen und auf Grundrissen dargestellten Überreste vergangener Zeiten hatten und wie sie auf die Bevölkerung gewirkt haben müssen. Wo im heutigen Stadtplan Roms die Kaiserforen zu finden bzw. zu vermuten sind - sie liegen teilweise unter den Gebäuden und Straßen des modernen Roms - zeigt eine Rekonstruktionszeichnung mit den Grundrissen der Kaiserforen, die auf einen aktuellen Stadtplan gelegt wurde. Außerdem zeigen aktuelle Luftaufnahmen, wo überall Ausgrabungen stattfanden und immer noch stattfinden.

Mit gut 100 Seiten liefert diese Veröffentlichung über die römischen Kaiserforen eine überschaubare und kompakte Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstands. Dabei wird der Fokus nicht nur auf eine bestimmte Epoche gelegt, sondern es wird auch auf Veränderungen der Foren durch An- und Umbauten im Laufe der Zeit eingegangen. Im letzten Kapitel schildert Meneghini sogar die städtebaulichen Entwicklungen im Mittelalter und in der Neuzeit, als Wohnsiedlungen auf den Foren entstanden sind und sie so nach dem Untergang des römischen Reichs immer mehr ihren ursprünglichen Charakter verloren haben.

Sabine Mahnel
04.05.2015

 
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Das Buch:

Roberto Meneghini: Die Kaiserforen Roms Aus dem Italienischen von Dagmar Penna Miesel

Darmstadt: Verlag Philipp von Zabern 2015
112 Seiten, 29,95
ISBN: 978-3-8053-4852-2

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