Wissenschaften

Die Welt verstehen lernen - Eine neue Sicht auf die Dinge

Kann ein Mensch die Schöpfung der Welt und die wissenschaftlich erkannten Naturgesetze gleichermaßen anerkennen? Diese und viele weitere Fragen stellt sich Fritz Thom, Autor von "Eine Weltsicht", schon seit langer Zeit. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass es für ihn, der an der Berliner Humboldt-Universität ein Studium der Physik absolvierte und später darin promovierte, nur eine Antwort gibt - nämlich "Nein". Von Anbeginn an stand er der Schöpfungslehre und den Evangelien der Bibel skeptisch gegenüber, denn sie sind im Ansatz bzw. in Teilen mystisch. Des Weiteren zieht er bei seinen Überlegungen zum Verständnis der Welt philosophische Studien nicht zu Rate. So eröffnet sich Thom eine neue Weltsicht und begeht neue Pfade.

In zehn Kapiteln stellt sich Fritz Thom diesem relativ schwierigen Thema und zeigt, dass es sich durchaus lohnt, sich über die Lektüre hinaus mit dieser Materie zu beschäftigen. Dabei verzichtet er größten Teils auf Beispiele. Es geht ihm vielmehr um Inhalte. Wenn überhaupt, dann sind diese zur Unterstützung des Verständnisses gedacht. So wird Bekanntes in einer übergreifenden Formulierung dargestellt - so wie folgende drei Merkmale:

1. Die Welt ist von Materie erfüllt, die ihre Existenz begründet.

2. Ewiges Werden und Vergehen.

3. Die Welt ist überwiegend real aufgebaut.

Die Naturgesetze spielen für Fritz Thom eine nicht unerhebliche Rolle - ebenso wie der Mensch im Wechselspiel mit der Natur und der Religion sowie der Glaube, den selbst ein Atheist besitzt. Modellhaft erklärt werden Funktion und Sitz der Seele, auch das Leben als Phänomen sowie psychologische und soziologische Aspekte. Aber nicht nur das: Charaktermerkmale formen die Menschheit, wobei die Gier hier an erster Stelle zu nennen ist. Thom geht neue Wege, um dem Leser seine Weltsicht nahezubringen und wagt es dabei, die Grenzen unseres Denkens zu durchbrechen. Der Blick auf die Gesellschaft ändert sich mit der Lektüre nachhaltig.

Um aber den "Menschen in seiner Unvollkommenheit" - so lautet der Untertitel - zu verstehen, sollte man seine Geschichte kennen. Thom nimmt seine Leser mit auf einer Reise durch die Zeit (beginnend in der Altsteinzeit). Dabei lassen sich Veränderung, an denen der Mensch maßgeblich Einfluss hatte und noch immer hat, erkennen, wie zum Beispiel das Versiegen der Rohstoffe, der unsachgemäße Umgang mit Abfällen und insbesondere die Klimaveränderung. Darin sieht Thom eine Kollektivschuld der Menschheit und warnt jetzt: Der Ausstieg aus der Kernenergie ist der falsche Schritt. Wie er in "Mensch und Natur" deutlich macht, sind Befürchtungen eines atomaren GAUs in Deutschland unbegründet. Bedingungen wie damals in Tschernobyl und in frühester Vergangenheit Fukushima sind hier nicht gegeben.

Im Kapitel "Erkennbarkeit der Welt" lassen sich naturwissenschaftliche Bezüge erkennen. Es geht um die Kernfrage: Erkennen wir die Welt wirklich in ihre Wahrhaftigkeit? Und damit um die wissenschaftliche Methodik der Erkenntnis, das Modell des Atoms, das elektromagnetische Dipolfeld, den Welle-Korpuskel-Dualismus der Materie, deren Unschärferelation und Beugung am Doppelspalt. Thom bietet in dieses etwas schwierigere Thema einen guten Einstieg, sodass man selbst als Laie problemlos alles zu verstehen vermag. Aber auch der "Mensch und Religion" sind von Bedeutung, um Thoms Weltsicht in ihrem ganzem Umfang erfassen zu können. Die Hinwendung des Menschen zum Überirdischen nahm ihm seine Ängste. Das zeigt sich nicht nur in der heutigen Zeit, sondern bereits bei den Hochkulturen.

Das Kapitel "Der Mensch und das Schöne" wendet sich dem Begriff des Schönen zu - allgemein und im Besonderen beim Menschen - das mit allen Sinnen zu erfassen ist. Auch liefert es Lebensweisheiten für die jungen Generationen. Wie Thom schreibt: "Somit strebt der Mensch zum Idealen, die Natur verharrt im Realen, im Machbaren." und Recht hat er. Da ist zudem das Böse, was die Gegenwart geradezu füllt. Und letztlich bleiben Welträtsel - auch einfache, die aus dem Unbewussten auftauchen.

Fritz Thom ist Naturwissenschaftler, aber sein Werk ist eher populär geprägt und hebt sich nicht nur aus diesem Grund von anderen, vergleichbaren Werken deutlich ab. Auch wenn der Autor für diese Arbeit keine philosophischen Schriften zu Rate gezogen hat, so gehören seine Ausführungen jedoch in weiten Teilen auch zur Philosophie. In "Eine Weltsicht" stellt der Physiker sein umfangreiches Wissen auf eine Weise dar, wie man es selten zu lesen bekommt, nämlich nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Das vorliegende Buch muss man unbedingt lesen, wenn man mitreden möchte in der heutigen Zeit.

Anja Rosenthal
16.12.2013

 
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Das Buch:

Fritz Thom: Eine Weltsicht

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Berlin: Frieling-Verlag 2012
176 S., 13,90
ISBN: 978-3-8280-3034-3

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