Wissenschaften

Denglatein statt Denglisch

"Ich muss das noch schnell downloaden." "Wir mussten das Meeting canceln." - Wie oft h?rt man solche oder ?hnliche S?tze heutzutage in der deutschen Sprache! Die Anreicherung des Deutschen mit Anglizismen, von Sprachforschern h?ufig als "Denglisch" bezeichnet und von Sprachpuristen nicht selten als Sprachpanscherei verp?nt, ist f?r Altsprachler Karl-Wilhelm Weeber Anlass, Ausdr?cke und Redewendungen, die sich so ganz und gar nicht deutsch anh?ren, einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Bereits in "Romdeutsch. Warum wir alle Lateinisch reden, ohne es zu wissen" und "Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam. Der etwas andere Einstieg ins Lateinische" machte Weeber seiner Leserschaft in lockerem Stil bewusst, in welchem Ma?e sich das Deutsche an anderen Sprachen, insbesondere dem Lateinischen und dem Englischen bedient. Den Hauch verstaubter Sprachwissenschaft, den man bei diesem Thema nun vermuten k?nnte, l?sst Weeber in keinem Satz seines Buches aufkommen. Er nimmt den Leser mit auf einen Shopping-Trip in die "City"(lat. "civitas") und erz?hlt von Jeans, die - wer mag es glauben - lateinst?mmig sind, denn sie werden aus einem strapazierf?higen Baumwollgewebe hergestellt, das erstmals in der italienischen Stadt Genova - zu deutsch Genua - produziert wurde. 

Verweilt man noch eine Weile im Shopping-"Center", erf?hrt man, dass auch die Lateiner bei anderen Sprachen, meist dem Griechischen, geklaut haben. Das lateinische "centrum" ist der latinisierte "k?ntron", der Mittelpunkt eines Kreises. Auch die lateinische Sprache, die Sprache eines Volkes, das einst Herrscher ?ber einen Gro?teil der damals bekannten Welt war, war nicht vor Einfl?ssen und Entlehnungen aus anderen Sprachen gefeit. 

Weeber l?sst bei seiner Reise durch die deutsche und damit auch die englische Sprache keinen Bereich aus: von der Modewelt ?ber die B?rse, vom Sport ?ber die Werbung bis zur Computerwelt. Eines wird ?berall deutlich: Fundierte Lateinkenntnisse sind die halbe Miete f?r einen entspannten Englisch-Unterricht, denn viele englische Vokabeln erschlie?en sich dann schon von selbst - dank der Spuren, die die normannische Invasion nach der Schlacht von Hastings im Jahre 1066 im englischen Wortschatz hinterlie?. 

Sprachpurismus hin oder her - Weebers Ausf?hrungen zeigen, dass sprachliche ?bernahmen nichts Besonderes und erst recht nichts Verwerfliches sind, es gibt sie in jeder Sprache, sie sind normal. In gewohnt lockerer und in keiner Weise verurteilender Art schreibt Weeber kleine "Sprachgeschichten", die immer wieder f?r ein Schmunzeln, aber auch f?r den ein oder anderen Aha-Effekt - auch bei eingefleischten Linguisten - sorgen. 

Weebers B?cher ?berzeugen immer wieder durch die Tatsache, dass man beim Lesen niemals mit erhobenem Zeigefinger belehrt wird, sondern sich zur?cklehnen, auch gerne mal ein Kapitel in der Mitte oder gar das allerletzte zuerst lesen kann - er wei? seine Wissenschaft gut zu verpacken und f?r jede Art von Leser interessant aufzubereiten. Man merkt "Latin reloaded" regelrecht an, wie viel Spa? es seinem Verfasser macht, all diese kleinen Geschichten ?ber Sprache und ihre "Verwandtschaftsbeziehungen" zu schreiben. Und ganz nebenbei entlarvt Weeber "Denglisch" noch als "Denglatein". 

Sabine Mahnel 
17.10.2011

 
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Das Buch:

Karl-Wilhelm Weeber: Latin reloaded. Von wegen Denglisch - alles nur Latein!

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Darmstadt: Primus Verlag 2011
128 S., 16,90
ISBN: 978-3-89678-751-4

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