Wissenschaften

Die Erforschung der Wirklichkeit

Die Welt in ihrer Ganzheit zu erfassen ist ein unmögliches Unterfangen, an welchem schon viele Gelehrte gescheitert sind. Was ist überhaupt die Welt und welche Rolle spielt dabei der Mensch? Welches Handeln ist das Richtige? Gibt es einen Gott? Besteht das Leben nur aus Zufällen oder steckt hinter allen Ereignissen ein tieferer Sinn? Solche und noch viele weitere Fragen beschäftigen die Menschen und insbesondere die Philosophen schon seit Jahrtausenden. Der Deutsche Taschenbuch Verlag hat mit der Reihe "Die kleine Bibliothek der Weisheit" bedeutende Gelehrte, wie beispielsweise Buddha, Laotse, Goethe und Schopenhauer, sowie deren Werke zu Wort kommen lassen, um mögliche Antworten auf diese Fragen vorzustellen. Der 30. Band ist dem französischen Mathematiker, Physiker und Philosophen Blaise Pascal (1623-1662) gewidmet.

Blaise Pascal war einer der berühmtesten Mathematiker seiner Zeit. Zugleich gehörte er auch zu den einflussreichsten Philosophen. Sein Streben lag in der Erforschung der Wirklichkeit. Dabei beschäftigte ihn die Frage nach dem Standort des Menschen in der Welt. In seinen weltberühmten "Pensées" wie auch in dem Bändchen "Die Vernunft des Herzens. Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt" aus der "kleinen Bibliothek der Weisheit" sind Pascals Gedanken über den Menschen und dessen Einbettung in der Welt festgehalten.

Das Dilemma des Menschen besteht in seiner Endlichkeit, mit welcher er sich zwischen dem Unendlichen, welches vor ihm liegt, und dem Nichts, aus welchem er herkommt, in einer Art Schwebezustand befindet. Als Wesen der Mitte zeichnet sich der Mensch einerseits durch seinen Intellekt und Geist aus, andererseits ist er dem Elend der menschlichen Lebensbedingungen ausgeliefert, denen er nur mit Hilflosigkeit begegnen kann. "Die Größe des Menschen ist darin groß, daß er sich als elend erkennt",  sagt Pascal über die eigentliche Leistungsfähigkeit des menschlichen Verstandes. Dieser beruht nicht nur auf rationalem, mathematischem Denken, sondern auch auf intuitivem Erkennen. Um sich der Wirklichkeit bewusst zu werden, müssen die Vernunft (raison) und das Herz (coeur) gleichermaßen berücksichtigt werden.

Überhaupt rät Pascal nicht nur beim Nachsinnen über die Welt stets die rechte Mitte zwischen Intuition und Logik zu bewahren, sondern auch bei allem Handeln stets das richtige Maß zu halten, womit er in einer langen abendländischen Tradition steht. So prangert er auch die ständige Vergnügungssucht der Menschen an. Da die Menschen sich ihrer elenden und auswegslosen Situation eigentlich bewusst sind, diese Erkenntnis aber lieber verdrängen, seien sie auf der steten Suche nach Unterhaltung und Ablenkung, so Pascal. Dieses Übermaß an Unternehmungen und Zerstreuungen steht oftmals in Zusammenhang mit menschlichen Untugenden, wie Selbstbezogenheit, Eitelkeit, Stolz, Launenhaftigkeit sowie Geltungsdrang, welche von Pascal stark kritisiert werden.

"Die Vernunft des Herzens. Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt" gibt viele Anregungen, über das Leben, die Welt und sich selbst einmal genauer nachzudenken. Pascals Aphorismen und Sentenzen dienen dazu, sich und seiner Umwelt bewusst zu werden, die Rolle des Menschen in der Welt und sein Verhältnis zu Gott wahrzunehmen. Ganz im Gegensatz zu einem Großteil der aktuellen Bücherlandschaft, welche dem Leser eine oberflächliche Kurzweile bereitet oder ihn in fremde Welten entführt, helfen Blaise Pascals niedergeschriebene Moralvorstellungen dem Menschen, sich selbst wieder ein Stück näher zu kommen. Absolut empfehlenswert für all jene, die sich der Philosophie verbunden fühlen und sich nicht scheuen, sich die Zeit zu nehmen, über das Dasein und den eigenen Platz in der Welt nachzusinnen! Es lohnt sich!

Kathrin Grimm
28.03.2011

 
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Das Buch:

Blaise Pascal: Die Vernunft des Herzens

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Mnchen: dtv 2010
96 S., 7,00
ISBN: 978-3-423-34644-3

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