Wissenschaften

Roms Eroberung aus vielen Sichten

Am 24. August 2010 ist es 1600 Jahre her, dass Italiens Hauptstadt geplündert wurde. Drei Tage regierten Angst und Verwüstung die Ewige Stadt und führten ihren Einwohnern vor, dass sie nicht unbesiegbar sind. Denn beinahe 800 Jahre lang widerstand Rom feindlichen Angriffen, die Tod und Verderben mit sich brachten. Doch von 24. bis zum 27. August 410 waren Alarich und seine Mannen, räuberische Goten, die Herrscher Roms und damit der ganzen westlichen Welt. Inzwischen ranken sich Legenden und Mythen um dieses historische Ereignis, das die Autoren Mischa Meier und Steffen Patzold in ihrem Buch "August 410 - Ein Kampf um Rom" wieder aufzuschlüsseln versuchen.

Das Autorenduo unterscheidet in dem Buch drei (zeitliche) Ebenen, mit deren Hilfe sich der Leser vorsichtig dem vor 1600 Jahren geschehenen Ereignis nähert und zugleich Einblicke in verschiedene Zeiten erhält:
1. Zeitgenössische Deutungen - unter ihnen Autoren wie Claudius Claudianus, Hieronymus und Augustinus,
2. Historiographen - die Geschichtsschreiber, die mit einem zeitlichen und räumlichen Abstand in der Lage sind, ein objektives Urteil abzugeben (z. B. Jordanes, Isidor von Sevilla, Flavio Biondo, ...) und
3. Historiker - Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung und Darstellung der Geschichte beschäftigen (u.a. Edward Gibbon, Wilhelm Capelle und Herwig Wolfram).

Im Laufe von 1600 Jahren wird das historische Ereignis immer wieder neu erzählt, ausgeschmückt und erklärt. Dabei nähert sich jeder Autor sich den Geschehnissen dieser Tage vom 24. bis 27. August 410 auf die ihm eigene Weise. Sie berichten von maßlosen Schrecken, ziehen positive Seiten aus dem Kampf und erstellen Parallelen zu ähnlichen Begebenheiten, die die Welt in ihren Grundfesten erschütterte. Die Autoren Meier und Patzold fassen für den Leser zusammen, ohne dabei das Grundgewebe der Originaltexte zu zerstören. An vielen Stellen kommen Orosius, Otto von Freising oder auch Felix Dahn persönlich zu Wort und verleihen dem vorliegenden Buch Authentizität und einen hohen Wahrheitsgehalt, der einen Hauch vom Mythos mit sich trägt.

Mischa Meiers und Steffen Patzolds "August 410 - Ein Kampf um Rom" erscheint nicht wie eine wissenschaftliche Zusammenfassung eines Ereignisses, sondern vielmehr wie ein mannigfaltiges Essayband, das Geschichte und Fiktion miteinander zu vereinen weiß und trotzdem nicht an Fundament verliert. Damit richtet sich das vorliegende Buch an Geschichtsinteressierte, die Unterhaltung und Wissenschaftlichkeit gleichermaßen zu schätzen wissen. Ein Blick in die Geschichte kann genauso viel Spaß machen wie ein gelungener Roman und muss nicht immer lehrhaft abgefasst sein - dies beweisen Mischa Meier und Steffen Patzold mit "August 410 - Ein Kampf um Rom" aufs Vortrefflichste.

Susann Fleischer
03.05.2010

 
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Das Buch:

Mischa Meier, Steffen Patzold: August 410 - Ein Kampf um Rom

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Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 2010
260 S., 19,90
ISBN: 978-3-608-94646-8

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