Wissenschaften

Theorie des Krimis

In den letzten Jahren hat kaum eine literarische Gattung so von sich reden gemacht wie der Kriminalroman. In der Gunst der Leserschaft steigt er in immer größerem Maße, regelmäßig erklimmen Krimis die vorderen Ränge in den Bestsellerlisten. Grund genug, sich einmal näher mit dem Phänomen Kriminalroman auseinanderzusetzen und sich eingehender mit dessen wesentlichen Merkmalen zu befassen. Eine hervorragende Basis hierfür bietet Peter Nussers Einführung "Der Kriminalroman".

Peter Nusser, Professor em. für Neuere deutsche Literatur an der FU Berlin gibt in fünf Kapiteln einen übersichtlichen Einblick in das Genre des Kriminalromans, der sich vornehmlich an Studierende richtet, jedoch für Freunde des Krimis, die sich näher für dessen Theorie interessieren, mindestens genauso geeignet und spannend ist. Aus nachvollziehbaren Gründen stützt sich Nusser dabei vornehmlich auf angelsächsische, französische und deutsche Primär- und Sekundärliteratur, die er gerne in seine Ausführungen miteinbezieht und positiv wie negativ bewertet.

Das erste Kapitel befasst sich mit dem Untersuchungsgegenstand und den Methoden der Untersuchung. Dabei unterscheidet Nusser den Detektivroman vom Thriller - eine Abgrenzung, die er konsequent beibehält - und schildert Aufdeckung des Verbrechens und Überführung des Täters als deren Hauptwesenszüge. Das zweite Kapitel wirft einen Blick auf Elemente und Strukturen des Kriminalromans und arbeitet die Handlung, die Figuren, die Räume und Gegenstände, die für Detektivroman und Thriller eine wichtige Rolle spielen, heraus.

Im folgenden Abschnitt dreht sich alles um die Geschichte des Krimis. Nach den Erläuterungen zu seinen sozialgeschichtlichen, geistesgeschichtlichen und publizistischen Entstehungsbedingungen sowie zu seinen literarischen Vorläufern trifft der Leser hier auf alte Bekannte wie Edgar Allen Poe, Arthur Conan Doyle, Agatha Christie oder Georges Simenon und deren unsterbliche Ermittler Dupin, Sherlock Holmes, Hercule Poirot, Miss Marple und Maigret. Aber auch moderne Helden wie Donna Leons Commissario Brunetti oder Henning Mankells Kurt Wallander finden hier Erwähnung. Außerdem gewähren zwei Exkurse interessante Einblicke in die Kriminalliteratur der ehemaligen DDR und in den Schwarzen Humor in Kriminalromanen der Gegenwart. Die beiden abschließenden Kapitel befassen sich mit sozialpsychologischen Erklärungsversuchen der Wirkung von Krimis und der Didaktik des Kriminalromans. 

Durch die vielen bekannten, internationalen Beispiele, die Peter Nusser aufführt, kommt diese theoretische Einführung alles andere als trocken daher. So wird die Materie des Kriminalromans erst richtig greifbar. Unterstrichen wird dieser Eindruck durch die logische Gliederung und die gut verständliche, nichtsdestoweniger aber wissenschaftliche Sprache dieses Bandes aus der bewährten Sammlung Metzler. Für diejenigen, die sich tiefer in das weite Feld des Kriminalromans einarbeiten wollen, liefert ein umfangreiches, in Bibliographien und Handbücher, Sammelbände sowie historische Darstellungen und Analysen unterteiltes Literaturverzeichnis wertvolle Anregungen.

Christian Götz
24.08.2009

 
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Das Buch:

Peter Nusser: Der Kriminalroman. Vierte, aktualisierte und erweiterte Auflage

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Stuttgart: Metzler Verlag 2009
223 S., 14,95
ISBN: 978-3-476-14191-0

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