Wissenschaften
Überall Dreiecke
Im Laufe eines Schülerlebens werden die wissbegierigen Eleven im Fach Mathematik beständig mit Geometrie malträtiert. In der Mittelstufe kulminieren die Beobachtungen von Dreiecken im Satz des Pythagoras, während die aus Seitenverhältnissen ermittelten Sinus- und Kosinuswerte dankbar in den Taschenrechner eingegeben werden dürfen. Doch werden schließlich in der Oberstufe mit den trigonometrischen Funktionen und deren wiederkehrenden Verläufen noch einmal Erinnerungen daran wach, bevor sich bei den meisten nachschulischen Aktivitäten im privaten wie auch im beruflichen Umfeld keinerlei Berührungspunkte mehr mit dieser mathematischen Disziplin ergeben. Doch dabei sind die Einflüsse von Dreiecken, ihren Eigenschaften und den sich damit ergebenden Berechnungsmöglichkeiten im Alltag enorm.
Matt Parker ist ein in Australien geborener Mathematiker, der nach seinem Studium eine Zeit lang als Lehrer arbeitete und schließlich in England eine neue Heimat fand. Bekanntheit erlangte er allerdings durch seine Formate als Stand-Up-Comedian. Er füttert seinen eigenen YouTube-Kanal und hält Vorträge im ganzen Land. Beeinflusst wird Parker dabei auch durch seine Frau und seinen Freundeskreis, der sich über verschiedene Naturwissenschaften hinweg erstreckt und ihm dadurch immer wieder neue Anknüpfungspunkte mit seiner geliebten Mathematik beschert. Auch hierzulande hat Matt Parker einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, da einige seiner Bücher auch in deutschen Übersetzungen erschienen sind.
Mit "Dreiecksbeziehungen" ist nun bei Goldmann sein neuestes Werk verlegt worden. Wie der zweideutige Titel erkennen lässt, stehen darin Parkers Ausführungen zu Dreiecken im Vordergrund. Im Untertitel provoziert er damit, dass Sinus, Kosinus und Co. angeblich unser ganzes Leben bestimmen. Dies ist vielleicht ein wenig übertrieben, doch wird einem beim Lesen rasch klar, welche enorme Reichweite Geometrie und insbesondere Dreiecke samt ihren Eigenschaften besitzen. Die ausreichenden Grundlagen dazu werden laut Parker schon weitestgehend in der Schule gelehrt. Der Satz von Pythagoras, die Trigonometrie und einige weitere Zusammenhänge genügen, um viele wissenschaftlich erscheinende Berechnungen auf Elementares zu reduzieren.
Matt Parkers Bücher finden sich in Bibliotheken und Buchläden nicht in den Regalen für Fachliteratur, sondern eher unter den für die breite Masse zugänglichen Sachbüchern. So versucht der Autor in "Dreiecksbeziehungen" auch wirklich alle Leser mitzunehmen. Parker rekapituliert die entscheidenden Definitionen, Eigenschaften und Begründungen, so dass Pythagoras, Winkelsummensätze und sonstige Beziehungen in rechtwinkligen Dreiecken schnell wieder aus dem Hinterstübchen des Gehirns nach vorne gekramt werden können. Allerdings kommt in Parker an einigen Stellen auch immer wieder der Mathematik-Nerd durch, der einmal in Bewegung gekommen nur schwer zu stoppen ist. Als Leser muss man abhängig vom eigenen Kenntnisstand stets Acht geben, dass man das vorliegende Buch mit der richtigen Lesegeschwindigkeit konsumiert. Während einige Passagen völlig trivial daherkommen, genügen in anderen Absätzen ein, zwei überlesene Sätze, um völlig den Faden zu verlieren.
Doch ist es Matt Parker hoch anzurechnen, dass er eine wahre Fülle von Themen und Beispielen in petto hat, mit denen er seinen Lesern stets eine Wiedereinstiegsmöglichkeit anbietet. Dabei wird der Schmunzelfaktor kontinuierlich hoch gehalten, wie z.B. wenn er schildert, dass er anhand von Satellitenfotos, die Donald Trump unvorsichtig und reißerisch in die Kamera gehalten hat, mit einfachen Überlegungen und geeigneten Dreiecken die Positionen von US-amerikanischen Satelliten berechnen konnte, was garantiert nicht dessen Absicht war. Auch wenn die zahlreichen Abbildungen im vorliegenden Buch nicht immer die beste Auflösung besitzen, untermalen sie doch sehr gut die Aussagen und Ausschweifungen von Matt Parker, der mit "Dreiecksbeziehungen" dem interessierten Leser einige unterhaltsame Stunden bietet und eine ganze Reihe von augenöffnenden Erkenntnissen bereithält.
Christoph Mahnel
27.04.2026
