Wissenschaften

Ein Paradies für Karten- und Geschichtsliebhaber

In der gesamten Menschheitsgeschichte dienten Karten den Menschen stets als zuverlässiger Wegweiser, mitunter waren sie entscheidend für Leben und Tod. Denn nur wer in verlassenen Gegenden die richtige Karte zur Hand hatte, fand auch seinen Weg zurück in die Zivilisation. Auch heutzutage im digitalisierten Zeitalter ist die Verwendung von Karten allgegenwärtig. Millionen von Autofahrern nutzen Google Maps, Sportler, Wanderer und Spaziergänger vertrauen auf Kartendienste, die in Form von intelligenten Apps das Leben vereinfachen und einen stets auf dem richtigen Weg sein lassen. Viele Aspekte des menschlichen Lebens ließen sich durch Karten, deren existentielle Notwendigkeit und klugen Gebrauch erzählen. So auch die ganze Geschichte des Menschen auf diesem Planeten.

Eine Schar von Geschichtswissenschaftlern hat sich dem Ansatz verschrieben, eine Erzählung der Weltgeschichte auf Karten basieren zu lassen. Herausgekommen ist dabei ein dicker Wälzer mit dem Titel "Die Geschichte der Welt in Karten". Ein internationales Team, vorrangig aus Großbritannien stammend, hat dabei zunächst eine ursprünglich englischsprachige Version produziert: "History of the World Map by Map". Wenig verwunderlich zeichnete hier der auf der Insel ansässige Verlag Dorling Kindersley verantwortlich, der bekannt dafür ist, im angloamerikanischen Publikationsstil Kompendien herauszubringen, die einen, sobald man einmal in das Werk eingetaucht ist, für Tage absorbieren können. Über die vergangenen Jahre hinweg hat der Verlag auch seine Präsenz und Reichweite auf dem deutschen Büchermarkt kontinuierlich ausgebaut, so dass hierzulande nun auch viele Leser in den Genuss dieser besonderen Sachbücher kommen.

Gegliedert ist das vorliegende Buch in sieben größere Blöcke von Geschichtsepochen, die sich wiederum in die einzelnen Themen-Kapitel unterteilen. Jedem Kapitel wird eine Doppelseite gewidmet, in deren Zentrum in aller Regel eine mächtige und mit vielen Erläuterungen versehene Karte steht. Meist im Querformat, aber auch mal im Hochformat, je nachdem, welche Darstellung angesichts der behandelten Karte geeigneter ist. Einem chronologischen Ansatz folgend steht am Anfang dabei wenig überraschend die "Vorgeschichte", bei der die Besiedlungen der Kontinente im Fokus liegen. "Die antike Welt" folgt als ungleich größerer Block, wollen hier doch die ersten Hochkulturen und insbesondere Ägypten, Griechenland und Rom abgehandelt werden. Doch folgt "Die Geschichte der Welt in Karten" nicht nur dem geschichtlichen Mainstream, auch hierzulande weniger im Mittelpunkt und auf dem Lehrplan stehende Kulturen wie Indien, China oder altamerikanische Kulturen werden gebührend betrachtet.

"Das Mittelalter" und "Die frühe Neuzeit" decken insgesamt 1.200 Jahre Menschheitsgeschichte ab und blicken dabei auf die Vorgänge und Entwicklungen in Europa, aber auch nach Asien und bisweilen sogar auf die Südhalbkugel. Im weiteren Verlauf mit einer verdichteten geschichtlichen Entwicklung folgt mit "Revolution und Industrie" ein Block, in dem die verschiedentlichen Revolutionen den Schwerpunkt bilden. Seien es die Revolutionen in Amerika, Frankreich oder Deutschland, oder seien es die landwirtschaftlichen oder industriellen Revolutionen, die das Leben von Millionen von Menschen nachhaltig veränderten. Im vorletzten Block, "Fortschritt und Reiche", werden Imperialismus und Kolonialismus samt ihren Konsequenzen für den gesamten Erdball thematisiert, bevor schließlich in "Die moderne Welt", dem letzten und umfangreichsten Abschnitt des Buches, die beiden Weltkriege durchlebt werden und man ganz am Ende mit "Die COVID-19-Pandemie" schließt.

In den insgesamt 166 doppelseitigen Kapiteln bleiben kaum Wünsche offen. Als Kombination aus Geschichtsbuch und Geschichtsatlas überzeugt "Die Geschichte der Welt in Karten" auf ganzer Linie. Das Zusammenspiel zwischen ein- und weiterführenden Texten, die den Leser in den Kontext der jeweiligen Epoche bzw. des behandelten Ereignisses setzen, und ansprechenden Karten, die visuell mehr transportieren können als seitenlange Erklärungen, wird dafür sorgen, dass Abende, an denen man dieses Buch in die Hand nimmt, viel später enden werden als beabsichtigt. Darüber hinaus erlaubt der Angang, Geschichte auf der Basis von Karten zu erzählen, auch Menschen mit einem (noch) geringeren geschichtlichen Hintergrundwissen, einen einfachen Zugang zur Materie zu finden, und weckt womöglich Interesse und Lust auf mehr.

Christoph Mahnel 
13.01.2025

 

Das Buch:

David Summers u.v.a.: Die Geschichte der Welt in Karten. Aus dem Englischen von Birgit Reit, Winfried Konnertz, Carmen Söntgerath

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München: Dorling Kindersley Verlag 2024 368 S., € 39,95 ISBN: 978-3-8310-4992-9

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