Wissenschaften

Die krzeste Geschichte der Mathematik, unterhaltsam vermittelt

Es war eine Revolution, als ein unbekanntes Genie die ersten Ziffern aufzeichnete. Damit begann der Siegeszug der Mathematik: Auf einmal hatte alles einen Wert, ließ sich vermessen, zählen und berechnen. Anhand solcher Schlüsselmomente erzählt Umberto Bottazzini in "Wie die Null aus dem Nichts entstand", wie die Mathematik unsere Welt eroberte. Protagonisten dieser Erfolgsgeschichte sind die Zahlen: Warum ist das Wesen der Kreiszahl Pi die Lösung eines uralten Rätsels? Zählten Chinesen anders als Europäer? Und was hat es mit den imaginären Zahlen auf sich? Auf der Suche nach den Antworten vereint Bottazzini mathematisches Hintergrundwissen mit einem charmanten Streifzug durch Literatur, Kunst und Philosophie.

Sechs "Sternstunden der Mathematik" finden in diesem Buch ihren Platz. Es handelt sich um jene Momente, die über das Schicksal einer einzigen Person, eines ganzen Volkes und nicht selten der gesamten Menschheit entscheiden. Diese leuchten wie Lichtblitze im Dunkel der Jahrhunderte und erhellen mit den Schöpfungen der Mathematik die Geschichte. Dazu zählt der verhängnisvolle Augenblick, in dem ein Schreiber die geniale Eingebung hatte, dass ein und dasselbe abstrakte Symbol die gleiche Menge an Personen, Tieren oder Dingen bezeichnen kann. Oder als in verschiedenen Teilen der Welt, zu verschiedenen Zeiten die Existenz von "unaussprechlichen" Verhältnissen entdeckt wurden, also das, was wir irrationale Zahlen nennen.

Sachliteratur, die alles andere als langweilig ist - ob der vielen Informationen in Umberto Bottazzinis Werken kommt man bei deren Lektüre aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. "Wie die Null aus dem Nichts entstand" ist eines von den Büchern, die nicht irgendwo verstauben, stattdessen immer wieder gerne zur Hand genommen werden, um etwas nachzuschlagen. Von diesem fühlt man sich nämlich amüsant unterhalten, es überrascht darüber hinaus mit einem Wissensreichtum, der so nur selten zwischen zwei Buchdeckeln steckt. Der italienische Autor zeigt, dass er nicht nur schreiben kann, dass selbst Laien eine Form von Ekstase für die Mathematik entwickeln, sondern eine Koryphäe ist, von der auch Experten noch etwas "lernen" können.

Dass (Natur-)Wissenschaft ziemlich viel Spaß machen kann, haben bereits Autoren wie Stephen Hawking, Florian Freistetter oder Marcus Weber von den Physikanten eindrucksvoll bewiesen. Aber Mathematik? Die ist dank Umberto Bottazzini und seinem "Wie die Null aus dem Nichts entstand" fortan kein Buch mit sieben Siegeln mehr, sondern eines der interessantesten Themen, mit denen man sich beschäftigen kann, wenn nicht gar restlos begeistern. Was für ein Geniestreich!

Susann Fleischer 
08.11.2021

 
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Das Buch:

Umberto Bottazzini: Wie die Null aus dem Nichts entstand und weitere Sternstunden der Mathematik. Aus dem Italienischen von Anna Leube und Wolf-Heinrich Leube

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Mnchen: dtv 2021 192 S., 18,00 ISBN: 978-3-423-28262-8

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