Hörbücher

SciFi-Klassiker - gelesen von Bob Andrews

Angriff auf London: Dreibeinige Gestalten attackieren Großbritannien und ihre Metropole. Marsianer sind auf der Erde gelandet und bedrohen die Menschen. Die militärischen Kräfte des Empire sind den hochentwickelten Feinden hoffnungslos unterlegen, so dass die Lage aussichtslos und das letzte Stündlein der Erdbewohner geschlagen zu haben scheinen. Mehrere Metallzylinder waren vom Mars auf die Erde abgefeuert worden, um eine Vorhut von Kämpfern zu entsenden. Diese setzen mit ihren Feuerstrahlen und Lichtblitzen Gebäude, Militär und menschliche Wesen im Dutzend außer Kraft. Das Ende der Menschheit ist nah, doch haben die Marsianer eine Schwachstelle nicht bedacht und sind letztlich doch verwundbarer als befürchtet.

Jeder Science-Fiction-Freund wird das beschriebene Szenario sehr gut kennen, handelt es sich doch um einen absoluten Klassiker des Genres: "Der Krieg der Welten" von Herbert George Wells, dessen Vornamen in der Regel mit H.G. abgekürzt werden. Am Ende des 19. Jahrhunderts, also noch im viktorianischen Zeitalter war dieser die Zeiten überdauernde Roman entstanden. Eine deutsche Übersetzung war drei Jahre später anno 1901 erstmals erschienen. Es ist beileibe aber nicht das einzige Werk dieses großen Schriftstellers, der sich auch noch mit Werken wie "Die Zeitmaschine" oder "Die Insel des Dr. Moreau" einen Namen als Science-Fiction-Pionier gemacht hatte. So verwundert es nicht, dass sich von Zeit zu Zeit Verlage die Mühe machen, Klassiker dieser Couleur durch Neuauflagen zu reanimieren.

Anfang 2017 war es wieder einmal so weit: Bei dtv war eine Neuübersetzung als Taschenbuch erschienen, zeitgleich produziert der Audio Verlag eine Hörbuchausgabe als ungekürzte Lesung. Diese kommt mit knapp sieben Stunden auch recht überschaubar daher. Es zeigt sich, dass in früheren Zeiten die Autoren noch zeitig zum Punkt kommen konnten, ohne dafür überaus ausschweifend mehrere hundert Seiten Anlauf nehmen zu müssen. Für die Lesung des vorliegenden Hörbuchs konnte ganz passend ein Klassiker als Sprecher gewonnen werden: Andreas Fröhlich, vielen heute Dreißig-, Vierzig- oder Fünfzigjährigen als die Stimme Bob Andrews´ von den Drei Fragenzeichen bekannt, liest "Der Krieg der Welten". Bereits nach wenigen Minuten wird einem klar, dass manche Stimmen einfach besonderer sind als andere.

Somit sind die perfekten Rahmenbedingungen für ein Hörbuch-Fest gegeben. Man wird allerdings rasch feststellen, dass der Schreibstil von H.G. Wells von extremer Nüchternheit und Sachlichkeit geprägt ist. Obgleich die Handlung es durchaus zuließe, hat der Autor seinerzeit auf eine drastische Darstellung von Action-Szenen verzichtet. Stattdessen schildert er die Ereignisse sehr kontrolliert aus der Sicht eines nicht weiter benannten Ich-Erzählers, der daneben auch noch die Blickwinkel anderer Personen zum Besten gibt. Man fühlt sich im Verlauf der Geschichte bisweilen an einen Vorläufer von "The Walking Dead" erinnert, wenn das apokalyptische Szenario einen zwingt, im Verborgenen agieren und sich mit Lebensmitteln aus Plünderungen eindecken zu müssen.

"Der Krieg der Welten" genießt nicht nur im Original von H.G. Wells enorme Popularität, auch eine Hörspiel-Fassung aus dem Jahre 1938 sorgte einst für Furore und eine amüsante Episode in der Literaturgeschichte. Der junge Orson Welles hatte für das amerikanische Radio ein Hörspiel in Form einer fiktiven Reportage inszeniert, das von vielen Zuhörern, insbesondere denjenigen, die erst im Verlauf der Sendung dazugekommen waren, als realistisch empfunden wurde und angeblich zu Massenpaniken geführt haben soll. Dabei war es dem Autor einst gar nicht um das Verbreiten von Angst und Schrecken gegangen. H.G. Wells hatte "Der Krieg der Welten" primär als Gesellschaftssatire verfasst, in der er seine Kritik an der Kolonialpolitik des Empire verarbeitet hat. Darüber hinaus war ihm die Arroganz und Selbstzufriedenheit der viktorianischen Gesellschaft ein Dorn im Auge. Mit dem Überfall durch die Marsianer wollte er seinen Landsleuten vor Augen führen, wie vergänglich und zerstörbar Erreichtes sein kann. 

Christoph Mahnel
18.04.2017

 
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Das Buch:

H.G. Wells:
Der Krieg der Welten. Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff

Bild: Buchcover H.G. Wells, Der Krieg der Welten

Sprecher: Andreas Fröhlich
Berlin: Der Audio Verlag 2017
Spielzeit: 408 Min., € 19,99
ISBN: 978-3-86231-848-3

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