Hrbcher

Verwirrspiel mit versteckter Botschaft

Arthur Costello, ein junger Arzt aus Boston, bekommt eines Tages Besuch von seinem Vater Frank, der sich bisher nie wirklich für seinen Sohn interessiert hat. Gemeinsam fahren sie auf ein Vater-Sohn-Wochenende zu einem Leuchtturm, der sich bereits seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindet. Frank eröffnet seinem Sohn, dass er diesen Leuchtturm erben wird, dass jedoch eine Bedingung damit verknüpft ist: Arthur dürfe niemals die zugemauerte Tür im Keller des Leuchtturms öffnen, da dieser mit einem Fluch belegt sei.

Arthur ignoriert jedoch diese Warnung und macht sich umgehend an die Arbeit. Nachdem er die verbotene Tür geöffnet hat, ist sein Leben nicht mehr das, was es einmal war. Fortan ist er dazu verdammt, jedes seiner folgenden 24 Lebensjahre in nur einem Tag zu erleben. Die restliche Zeit ist er "verschwunden", er wird zu dem "Mann, der verschwindet". In dieser seltsamen und auch schmerzhaften Zeit von Abschieden, verpassten Gelegenheiten und Reue hat er nur einen einzigen Verbündeten, nämlich seinen Großvater Sullivan, der seinerzeit dasselbe Schicksal geteilt hat und den Arthur für tot gehalten hat. Während einer seiner 24 Stunden, die er als normaler Mensch verleben darf, befreit Arthur zusammen mit der jungen Schauspielerin Lisa seinen Großvater, aus der Psychiatrie. Die Beziehung zu Lisa und später zu den gemeinsamen Kindern versucht Arthur - so gut es geht - in den 24 Stunden eines jeden Jahres zu genießen, doch Arthur scheint den Wettlauf gegen die Zeit zu verlieren.

Der französische Schriftsteller Guillaume Musso ist bekannt für seine spannenden Liebesgeschichten, die manchmal mit einem Schuss Kriminalgeschichte bzw. mit phantastischen Momenten angereichert sind. Sein diesjähriges Werk, "Vierundzwanzig Stunden", beginnt ebenfalls mit einem Plot, der spannend zu werden verspricht. Als Leser bzw. Hörer des Hörbuchs hofft man mit jedem geschilderten Tag, dass Arthur der Lösung des Rätsels näher kommt. Stattdessen verwandelt sich die ursprünglich spannend angelegte Handlung, die viele Lösungsmöglichkeiten offen gelassen hätte, mehr und mehr in eine eher langweilige Aufzählung der einzelnen Jahre des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Ob die wenig zufriedenstellende Wende bzw. Auflösung der gekürzten Version, die bei dem Hörbuch auf fünf CDs gepresst wurde, geschuldet ist oder ob auch die Originalversion in Buchform einige Fragen offen und damit den Leser ein wenig unbefriedigt zurücklässt, ist an dieser Stelle nicht zu beantworten. Dem Vortrag des Schauspielers Richard Barenberg ist die stark abfallende Spannung und die wenig zufriedenstellende Auflösung jedoch keinesfalls zuzuschreiben. Seiner angenehmen Interpretation lässt sich stets begeistert folgen.

Bleibt am Ende nur zu spekulieren, dass Musso seine Leser und Hörer mit der Botschaft "Carpe diem" zurücklassen möchte und weniger mit dem Gefühl, einem spannenden Roman mit unvorhersehbarer Wendung gefolgt zu sein. Schade, denn dies ist eigentlich eines seiner großen Talente. Für sein aktuelles Buch bleibt nur das Fazit: "Verwirrspiel mit versteckter Lebensbotschaft" - doch die Hoffnung auf einen weiteren Roman, der seinem Talent gerecht wird, bleibt und wird mit Sicherheit bereits im nächsten Jahr erfüllt werden.

Sabine Mahnel
20.06.2016

 
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Das Buch:

Guillaume Musso: Vierundzwanzig Stunden. Aus dem Franzsischen von Eliane Hagendorn und Bettina Runge, Kollektiv Druck-Reif

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Sprecher: Richard Barenberg, Christiane Marx
Hamburg: Osterwold audi, 2016
5 CDs, 355 Min., 19,99
ISBN: 978-3-86952-286-9

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