Hrbcher

Der Psychologe , der an seine Grenzen stt

Innerhalb kurzer Zeit finden sich einige schwedische C-Promis in einem bizarren Mordszenario wider. Die hingerichteten "Stars" aus diversen Dokusoaps oder sonstigen grenzdebilen TV- und Internet-Formaten sind mit einer Narrenkappe ausstaffiert und haben auf ihren Rücken einen Zettel mit dem Urteil "Durchgefallen" geheftet. Scheinbar hat der Täter ein Wissensquiz mit seinen Opfern gespielt. Wer eine bestimmte Anzahl an Fragen nicht beantworten kann, hat leider verloren, und zwar sein Leben. Rasch wird auch die Reichsmordkommission zu diesem kruden Fall hinzugezogen. Das Team um Kommissar Torkel Höglund und den Psychologen Sebastian Bergman hat es mit einem äußerst intelligenten Täter zu tun, der ihnen alles abverlangt. Keineswegs geistesgestört, sondern vielmehr clever und höchst berechnend agiert dieser, so dass sich Sebastian Bergman dafür entscheidet, ihn zu provozieren und herauszufordern. Doch begibt sich Bergman damit in größte Lebensgefahr und stößt an die Grenzen seiner Belastbarkeit, in einem Kräftemessen zweier mächtiger Psycho-Zauberer.

"Die Menschen, die es nicht verdienen" bildet den fünften Teil in der erfolgreichen schwedischen Kriminalreihe um den Psychologen Sebastian Bergman und das Team der Reichsmordkommission. Mit Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt zeichnen gleich zwei Schriftsteller für diese Reihe verantwortlich, ein modernes Autorenkonstrukt, das gerade im skandinavischen Raum vermehrt zu beobachten ist. Begonnen hatte alles im Jahre 2011 mit "Der Mann, der kein Mörder war", seitdem erscheinen die neuen und von den begeisterten Anhängern der Reihe stets sehnlichst erwarteten Fälle präzise im Jahrestakt. Von Anbeginn an veröffentlicht hierzulande der Audiobuch Verlag parallel zur Buchausgabe sehr gelungene Hörbuchausgaben, sowohl in einer ungekürzten Fassung, die zum Download zur Verfügung steht, als auch eine gekürzte Variante, die jeweils mit sechs Audio-CDs daherkommt. Den hierfür Verantwortlichen aus Freiburg muss man das Kompliment aussprechen, bei der Kürzung sehr gute Arbeit zu leisten. Man hat nie den Eindruck, dass etwas fehlen würde oder man etwas nicht mitbekommen hätte, obgleich die Kürzung im vorliegenden Fall von 14 Stunden auf etwas mehr als siebeneinhalb Stunden und somit um fast die Hälfte der Handlung doch sehr erheblich ist.

Als Sprecher der Sebastian-Bergman-Romane fungiert seit jeher Douglas Welbat, der einen großen Verdienst am Erfolg dieser Hörbücher trägt. Die Stimme des Krümelmonsters aus der Sesamstraße sorgt für eine Atmosphäre, die einen mit den Ohren förmlich an den Ermittlungen kleben lässt. Man lauscht gebannt und gespannt jeder Silbe und möchte einfach nicht loslassen. Die Sebastian-Bergman-Reihe sticht aus der breiten Masse skandinavischer Krimiserien heraus, da den beiden Autoren stets ein hervorragender Mix zwischen clever konstruierten Fällen und den privaten Entwicklungen bei den vertrauten Charakteren gelingt, so dass sowohl die handelnden Personen wie auch die Fälle selbst nachhaltig in Erinnerung bleiben. Das alte und bewährte Team arbeitet auch in "Die Menschen, die es nicht verdienen" wieder an allen persönlichen Stärken und Schwächen. So werden Billys abartige Wesenszüge, die am Ende des vierten Bandes erstmals zutage traten, weiter thematisiert. Darüber hinaus steht natürlich auch Vanjas Beziehung zu Sebastian weiterhin im Fokus, nachdem ihr ebenfalls im Vorgängerband eröffnet wurde, dass sie Sebastians Tochter ist. Letzterer arbeitet im vorliegenden Fall hingegen wieder verstärkt daran, seinen Ruf als Schürzenjäger zu untermauern.

"Die Menschen, die es nicht verdienen" hat mit der Verdummung der Gesellschaft durch die neuen Formate in den Medien ein Thema im Mittelpunkt stehen, das garantiert den einen oder anderen an Literatur interessierten Menschen schon selbst mit Groll zurückgelassen hat. Doch fahren die beiden Autoren auf der einen Seite mit der Mordserie an den Marionetten dieses Systems schwere und wenig nachvollziehbare Geschütze auf, andererseits erinnern sie, wenn die Presse in ihrer Jagd nach der neuesten und größten Exklusivstory aktiv eingreift und dem "Dokusoap-Killer" mit einem Interview eine öffentliche Bühne gibt, recht realistisch an die Geschehnisse rund um das Gladbecker Geiseldrama, als einst RTL in der Kölner Innenstadt ein Exklusiv-Interview mit den Kidnappern führte. Der Täter schließlich glaubt sich im Recht und auf seiner selbsternannten Mission, dem Kreuzzug gegen die verdummende Gesellschaft.

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt führen mit dem vorliegenden Band ihre Erfolgsstory um die Reichsmordkommission und Sebastian Bergman, den heimlichen Star der Truppe, fort. Es bleibt zu hoffen, dass die beiden Autoren mit ihrem Latein bzw. ihrer Fantasie hinsichtlich neuer Fälle und Entwicklungen rund um die Protagonisten noch nicht am Ende sind. Zwar gibt es an der einen oder anderen Stelle bereits Indizien, dass die Serie auf ein Ende zusteuern könnte, jedoch sorgen die Autoren mit dem dramatischen Showdown am Ende von "Die Menschen, die es nicht verdienen" für einen Cliffhanger der allerschockierendsten Sorte, der einen berechtigt darauf hoffen lässt, dass es ganz sicher noch eine weitere Folge geben wird. Denn alles andere wäre schlichtweg als Skandal zu werten!

Christoph Mahnel
01.02.2016

 
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Das Buch:

Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt: Die Menschen, die es nicht verdienen

Douglas Welbat (Sprecher)
Freiburg: Audiobuch Verlag 2015
6 CDs, 473 Minuten, 19,95
ISBN 978-3-899-64928-4

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