Hrbcher

Hornby mal ganz anders

Nur wenige Minuten, nachdem man ihr den Titel "Miss Blackpool" verliehen hat, legt die knapp zwanzigjährige Barbara Parker ihr Amt nieder und beschließt, die verschlafene nordenglische Küstenstadt zu verlassen und in den Trubel der Weltstadt London einzutauchen. Barbara möchte nämlich keineswegs ein Jahr ihres Lebens opfern, um als Miss Blackpool durch Krankenhäuser und Altenheime zu tingeln. Sie möchte Schauspielerin werden und nicht nur hübsch sein, sondern auch lustig - ganz wie ihr großes Vorbild Lucille Ball.

Der wohl größte Popliterat unserer Zeit, Nick Hornby, hat mit "Miss Blackpool" nach langer Wartezeit endlich wieder einen neuen Roman veröffentlicht. Hornby, der für seine leicht verschrobenen und doch so liebenswürdigen Charakter bekannt ist, verlegt seinen neuesten Roman in das London der 60er Jahre, was für Hornby fast einem "historischen Roman" gleichkommt. Die britische Hauptstadt spiegelt wie so viele andere Städte zu dieser Zeit eine Gesellschaft im Aufbruch wider, eine Zeit, in der althergebracht Moralvorstellungen langsam zu bröckeln beginnen, Homosexualität legalisiert und das Scheidungsrecht eingeführt wird.

Mitten in dieses Geschehen setzt Hornby seine Charaktere: die junge Barbara, die zunächst in einem Londoner Kaufhaus in der Kosmetikabteilung arbeitet, bis ein Agent sie in einer Bar entdeckt und sie der Star der neuen Sitcom "Barbara (and Jim)" wird; die beiden Drehbuchautoren Tony und Bill, die auf unterschiedliche Weise versuchen, ihre Homosexualität zu leben bzw. in Tonys Fall nicht zu leben und stattdessen eine Frau zu heiraten; der Produzent Dennis, dessen Frau ihn betrügt und der heimlich in Barbara verliebt ist. Schon bald legt sich Barbara einen Künstlernamen zu, und aus der Provinzschönheit mit dem nordenglischen Akzent wird die erfolgreiche Schauspielerin Sophie Straw.

Seine Charaktere zeichnet Hornby gewöhnt liebenswürdig und tiefgründig, dennoch kann "Miss Blackpool" seinen Vorgängern nicht das Wasser reichen. Der Plot schleppt sich zunächst nur langsam vorwärts. Man vermisst die gewohnte Leichtigkeit und Spritzigkeit der Hornby'schen Romane. Was die Lesung des Romans jedoch hörenswert macht, ist die Darbietung von Tobias Meister, u.a. bekannt als Synchronstimme von Hollywoodgrößen wie Brad Pitt, Sean Penn und Jack Black. Ein weiteres Plus für Hornby-Fans, die zur Hörbuchausgabe statt zum Buch greifen, ist die Tatsache, dass die Produzenten sich für eine ungekürzte Lesung entschieden haben, so dass man auf keine Passage und keine Nebenhandlung verzichten muss.

Auch wenn "Miss Blackpool" nicht ganz in der "Champions League" der Hornby-Romane spielt, ist er auf jeden Fall ein Trostpflaster auf der langen Durststrecke, die die Fans in den letzten Jahren erleiden mussten, da sich der englische Autor auf das Schreiben von Drehbüchern und kürzeren Erzählungen verlegt hatte. Und es bleibt ja immer die Hoffnung auf den nächsten Roman, der hoffentlich nicht wieder so lange auf sich warten lässt.

Sabine Mahnel
08.12.2014

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Nick Hornby: Miss Blackpool

Sprecher: Tobias Meister
Mnchen: Der Hrverlag 2014
Spieldauer: 637 Min., 19,99
ISBN: 978-3-8445-1784-2

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.