Hrbcher

Ein Facebook zum Sterben

Die 15-jährige Kathi wurde von einem Zug überfahren. Gefesselt lag sie auf den Schienen. Die Polizei geht, da alle Indizien dafür zu sprechen scheinen, davon aus, dass es sich um einen Selbstmord handelt. Andreas, der Onkel der Toten, will dies einfach nicht wahrhaben. Schließlich hatte er eine enge Beziehung zu Kathi, kannte sie gut und ist sich sicher, dass Kathi so etwas nie getan hätte. Bei dem verzweifelten Onkel handelt es sich um keinen geringeren als um Andreas Winkelmann, den erfolgreichen Autor zahlreicher Psychothriller und Autor des vorliegenden Werks "Deathbook".

Winkelmann beginnt, auf eigene Faust zu recherchieren. Seine ersten Ansätze führen ihn in Kathis direktes Umfeld. Dabei stößt er auf ein Projekt in ihrer Schule, das sich mit dem Thema Tod auseinandersetzte und in dem Kathi sich sehr engagiert einbrachte. Winkelmann inspiziert intensiv Kathis Laptop, wo er schließlich Spuren zu einem sozialen Netzwerk namens "Deathbook" findet. Jeder, der Mitglied im "Deathbook" wird, erhält darin exklusive und sehr bildhafte Einblicke in den Tod und ins Sterben. Doch der Preis für die Mitgliedschaft im "Deathbook" ist äußerst hoch: Entweder produziert man einen Filmbeitrag, der das Sterben eines anderen Menschen zeigt, oder man wird selbst zum Hauptdarsteller in einem solchen Snuff-Video.

Andreas Winkelmann ist einer der fleißigsten und erfolgreichsten deutschen Thriller-Autoren. In schöner Regelmäßigkeit liefert er seit einigen Jahren Werke ab, bei denen eine stete Qualitätssteigerung zu erkennen ist. Mit "Deathbook" hat er nun eine Geschichte abgeliefert, die sich eigentlich nicht ausschließlich in ein Buch drucken lässt oder als Hörbuch auf CDs pressen lässt. "Deathbook" beschreitet gänzlich neue Wege. Parallel zu den Veröffentlichungen als Buch oder wie im vorliegenden Fall als Hörbuch hat Winkelmann ein eBook verfasst, das über die eigentliche Geschichte hinaus noch mit Video- und Audio-Material aufwartet und damit die schockierende Sogwirkung des "Deathbook" untermauert. Die erste Episode der eBook-Ausgabe war von Winkelmann sogar kostenlos zum Download bereitgestellt worden.

Das "Deathbook" ist ein - wie das Wortspiel mit dem bekanntesten aller sozialen Tummelplätze ahnen lässt - Netzwerk, das sich mit dem Tod auseinander setzt. Die Geschichte in "Deathbook" thematisiert dementsprechend sehr intensiv den Tod in Bezug auf das Medium Internet: Was beispielsweise passiert mit den im Internet vorliegenden und kursierenden Daten von verstorbenen Menschen? Winkelmann beleuchtet und kritisiert die Zügellosigkeit und die unbegrenzten Möglichkeiten des World Wide Web. Im konkreten Fall erfolgt in "Deathbook" der Missbrauch von QR-Codes als eine Möglichkeit zur Verfolgung und Überwachung von Menschen bzw. zu deren Manipulation. Der Tod an sich und das Leben nach dem Tod bilden die großen ungewissen Fragen des Menschen. Doch kann das Internet hierzu tatsächlich Antworten liefern? Dem Menschen scheinen in seiner Neugier alle Mittel recht zu sein, so dass er im Internet seine Sensationslust damit befriedigt, indem er anderen Menschen beim Sterben zusieht.

Andreas Winkelmann projiziert sich als Autor in seine eigene Geschichte, um den Täter zu finden, der seine Nichte Kathi auf dem Gewissen hat. Dazu arbeitet er mit der jungen Ermittlerin Manuela Sperling zusammen, die ihn bei seinen Bemühungen unterstützt. Eine omnipräsente Spannung ist zu jeder Sekunde des vorliegenden Hörbuchs greifbar. Dafür sorgt alleine schon der Sprecher Simon Jäger, der aktuell einer der gefragtesten Interpreten im deutschsprachigen Thriller-Genre ist. Seine eindringliche Stimme ist schlicht prädestiniert für diese besondere Sparte. Daher wird er momentan sehr gerne von den Fitzeks und Winkelmanns dieser Welt für die Vertonung ihrer Werke gebucht.

Das "Deathbook" beschreitet neue Wege und ist nicht einfach nur als simpler Thriller zu betrachten. Man kann getrost von einem Projekt "Deathbook" sprechen, da "Deathbook" einen digitalen Ansatz fährt, der weit über das Branchenübliche hinausgeht. Das eBook ist mehr als nur eine digitale Kopie der gebundenen Buchausgabe; durch die Anreicherung mit Video- und Audio-Elementen hat Winkelmann bereits hier neue Maßstäbe gesetzt. Doch geht er in der Vermischung von Realität und Fiktion noch einen Schritt weiter. "Deathbook" ist als soziales Netzwerk im Internet sogar real existent. Unter www.death-book.com kann sich jeder, der sich traut, registrieren und an den Ermittlungen beteiligen. Doch sind dabei Anrufe vom großen Unbekannten auf dem eigenen Handy zu Unzeiten nicht ausgeschlossen.

Christoph Mahnel
27.01.2014

 
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Das Buch:

Andreas Winkelmann: Deathbook

Sprecher: Simon Jger
Berlin: Argon Verlag 2013
Spielzeit: 442 Min., 19,95
ISBN: 978-3-839-81276-1

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