Hörbücher

Habemus papam!

Anno Domini 1032 besteigt der junge Teofilo aus der Familie der Tuskulaner den Papstthron. Mit seinen zwölf Jahren ist er nicht nur im Vergleich zu den Greisen, die heutzutage die geistliche Macht innehaben, ein Jüngling, sondern auch für damalige Verhältnisse war seine Ernennung zum Papst Benedikt IX. lediglich politischem Machtkalkül geschuldet und ob seines jungen Alters mehr als ungewöhnlich. Insgesamt war er einschließlich mehrerer Unterbrechungen über einen Zeitraum von 16 Jahren hinweg das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Teofilo begeistert als junger Knabe seine Mutter und seinen Taufpaten, den späteren Papst Gregor VI., mit seinem geistigen Scharfsinn. Dennoch ist für ihn zunächst keine Karriere als Geistlicher vorgesehen. Ihm wird bereits im Kindesalter die junge Chiara di Sasso als zukünftige Frau versprochen und ein weltliches Leben in Aussicht gestellt. Dann aber stirbt plötzlich und unerwartet Papst Johannes XIX. und um das Vakuum der Kathedra zu schließen, reagiert Teofilos Vater schnell: Er besticht einige römische Adelsfamilien, sorgt dabei für eine anderweitige Vermählung Chiaras und bereitet Teofilo den Weg auf den Papstthron. Dieser jedoch weiß nicht, wie ihm geschieht und wird unter Tränen als Kinderpapst auf den Stuhl Petri gehievt.

Peter Prange hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Autor historischer Bücher gemacht. Werke wie "Die Principessa" oder "Die Gottessucherin" haben seinen neuen Roman mit Spannung erwarten lassen. Obgleich die historische Faktenlage um Papst Benedikt IX. mehr als dürftig ist, ist Prange mit seinen fiktiven Ausschmückungen rund um die gegebenen Tatsachen zweierlei gelungen: Zum einen lässt er für seine Leser - und Zuhörer - die Epoche vor knapp einem Jahrtausend lebendig werden, zum anderen sind seine Interpretationen jenseits der historischen Fakten so eng an der Quellenlage orientiert, dass die fiktiven Elemente nicht vom Himmel fallen, sondern sich durchaus so haben ereignen können.

Der junge Papst ist zu Beginn seiner Amtszeit eine Marionette seines Kanzlers Petrus da Silva und vor allem durch seine unglückliche Situation geprägt, die ihm seine Liebe zu Chiara di Sasso verwehrte. Im Laufe der Zeit wandelt sich Benedikt IX. zu einer Bestie im Papstgewand, er mordet, hurt und ist oftmals derart angetrunken, dass er sich beim Abhalten der heiligen Messe kaum auf den Beinen halten kann. Die Unruhen in Rom und den dortigen Adelsfamilien steigern sich ins Unermessliche, so dass eine Episode der Gegenpäpste beginnt, in deren Verlauf auch der römisch-deutsche Kaiser involviert wird.

"Der Kinderpapst" bedient mehrere Genres zugleich: An erster Stelle ist es sicherlich ein historischer Roman, darüber hinaus jedoch auch ein zu Tränen rührender Liebesroman. Elemente eines Kriminalromans sind darin enthalten, auch die Gesellschaft zu Beginn des zweiten Jahrtausends erfährt eine tiefergehende Betrachtung, und der beginnende Investiturstreit wird Freunde der Geschichte des beginnenden Mittelalters begeistern. Am Ende seines Romans lässt es sich Prange nicht nehmen, den historischen Bezug genau herauszuarbeiten und dabei sauber zu differenzieren, welche Begebenheiten seines Werkes belegt sind und welche fiktiver Natur sind. Dabei zeigt er im Falle von Teofilos Liebe zu Chiara auch auf, welche historischen Indizien dafür sprechen, warum sich das, was seiner schriftstellerischen Phantasie entsprungen ist, so tatsächlich hätte ereignen können.

Das vorliegende Hörbuch über acht CDs stellt eine gekürzte Fassung der Buchausgabe dar und fasziniert den Hörer gleichermaßen wie den Leser, der sich in die über 600 Seiten der gedruckten Version gestürzt hat. Als Sprecher fungiert mit Tobias Kluckert jemand, der in Sachen historische Romane dank seiner Lesungen von "Die Säulen der Erde" und "Die Tore der Welt" erfahren ist. So gelingt es ihm auch im vorliegenden Werk spielerisch, die Zeit um ein Jahrtausend zurückzudrehen und den gespannten Hörer ins Rom des 11. Jahrhunderts zu entführen.

Prange erzählt die Geschichte des Kinderpapstes so ambivalent, dass man mit dem saufenden, hurenden und mordenden Teofilo sympathisiert, ihn ins Herz schließt und ihm eine glückliche Wendung des Schicksals wünscht. Dabei hat der Autor die eigentliche Geschichte in eine Rahmenhandlung eingebettet, in der sich zu Beginn der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Theologen und Geistliche im Vatikan mit der Seligsprechung Benedikts beschäftigen. Was vordergründig ob dessen Gräueltaten zunächst widersprüchlich erscheint, wird damit begründet, dass das Wunder der Liebe, das sich im Verlauf der Geschichte ereignet hat, eine Würdigung zu erfahren habe: "Deus caritas est."

Christoph Mahnel
22.10.2012

 
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Das Buch:

Peter Prange:
Der Kinderpapst

Bild: Cover Peter Prange, Der Kinderpapst

Sprecher: Tobias Kluckert
Hamburg: Osterwold Verlag 2012
Spielzeit: 568 Min., € 29,99
ISBN: 978-3-86952-128-2

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