Hrbcher

Die moderne Variante des "Zauberbergs"

Die beiden eineiigen Zwillinge Max und Daniel sind seit ihrer fr?hen Kindheit getrennt. Eines Tages erh?lt Daniel einen Brief von Max, in dem dieser ihm schildert, dass er sich in der H?lle bef?nde und er sich Daniels Besuch w?nsche. Daraufhin macht sich Daniel auf den Weg zu Max ins Himmelstal in den Schweizer Alpen. Dort befindet sich n?mlich die gleichnamige Klinik, in der Max gerade seinen Burnout kuriert.

Daniel ist zun?chst ?berrascht ?ber die Verh?ltnisse in der Klinik und dar?ber, wie die Patienten untergebracht sind. Die betuchten Damen und Herren f?hren ihr Luxusleben im Himmelstal weiter, besitzen Freigang und scheinen keiner strengen Aufsicht zu unterliegen. Daher str?ubt sich Daniel auch nicht weiter, als Max ihn um einen gro?en Gefallen bittet. Angeblich stecke Max in einer gro?en Klemme und m?sse einige wichtige Dinge pers?nlich erledigen. Daniel kommt der Anfrage, ob er nicht f?r ein paar Tage Max? Platz in der Klinik einnehmen k?nne, gerne nach. Doch wie sich der erfahrene Thrillerfreund denken kann, bleibt es nicht bei ein paar Tagen. Daniel hat sich auf einen gef?hrlichen Handel eingelassen, der in einen Alptraum zu m?nden scheint.

Das gegebene Szenario mit einer Kurklinik in den Schweizer Alpen sowie einem Besucher, der sich auf l?ngere Zeit einquartiert bzw. einquartiert wird, l?sst nat?rlich sofort die Parallelen zu Thomas Manns "Der Zauberberg" aufblitzen. Doch will man beiden Romanen den notwendigen Respekt entgegenbringen, muss man schlicht konstatieren, dass sich selbst ein sehr gelungener Hochspannungsthriller nicht auf eine Stufe mit dem Meisterwerk aus der Feder des Literaturnobelpreistr?gers von 1929 stellen l?sst.

"Himmelstal" besitzt den Charakter eines Kammerspiels. Die Handlung findet nahezu ausschlie?lich in der Klinik statt. Man ist fasziniert von dem Protagonisten Daniel, der, obgleich man st?ndig erwartet, dass er die Fassung verlieren m?sste, sehr kontrolliert Ruhe und Contenance bewahrt. Lesern und H?rern offenbart sich ein interessantes Umfeld mit illustren Charakteren. Diese sowie die skurrilen Verh?ltnisse in der Klinik gilt es, im Verlauf der Geschichte peu ? peu zu entdecken.

In der vorliegenden H?rbuchfassung gelingt es dem erfahrenen Sprecher Achim Buch, eine einf?hlsame Lesung der Geschichte abzuliefern, so dass man als H?rer den emotionalen Blickwinkel aus der Perspektive Daniels ?bernimmt. Dar?ber hinaus verstellt Buch seine Stimme derart gekonnt, dass einem als H?rer die Zuordnung der handelnden und sprechenden Akteure sehr leicht f?llt.

Marie Hermanson hat in "Himmelstal" einige klassische Elemente des Psychothrillers verwendet. So wiegt sie Leser und H?rer zun?chst in einer heimeligen Atmosph?re in Sicherheit, bevor sie das Grauen zuschlagen l?sst. In der unglaublich bedr?ckenden und beklemmenden Atmosph?re im "Himmelstal" treibt sie die Geschichte rasant voran. Manchen von der Autorin gelegten Braten riecht man schon aus der Ferne, w?hrend es ihr an einigen anderen Stellen gelingt, f?r ?berraschungen zu sorgen. Leser und H?rer k?nnen sich also nie sicher sein, was sie denn als n?chstes erwartet.

"Himmelstal" kombiniert eine gelungene Szenerie mit einer hochspannenden Geschichte, die Psychopathen und die Frage behandelt, wie viel Psychopath in jedem einzelnen steckt. In der Hilflosigkeit Daniels, sich zu rechtfertigen, dass er nicht krank sei, wird die mangelnde Krankheitseinsicht von Psychopathen glaubhaft thematisiert. "Himmelstal" trifft die tiefsten ?ngste der Menschen und wirft dabei die alles entscheidende Frage auf, ob man jemandem trauen kann und, wenn ja, wie viel.

Christoph Mahnel
16.04.2012

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Marie Hermanson: Himmelstal. Aus dem Schwedischen von Regine Elssser

CMS_IMGTITLE[1]

Sprecher: Achim Buch
Berlin: Der Audio Verlag 2012
Spielzeit: 398 Min., 19,99
ISBN: 978-3-86231-166-8

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.