Hrbcher

Krawalle in Mnchens Westend

Eine Routine?berwachung im M?nchener Westend eskaliert und sorgt f?r tagelange Ausschreitungen, die man sonst nur aus dem Fernsehen und den sozialen Brennpunkten in fernen Gro?st?dten wie London, Paris oder Los Angeles kennt. Die beiden Polizisten Diller und Kessel sind im Rahmen einer Anti-Terror-Observation mit einer Gruppe junger, drogendealender Araber aneinandergeraten, woraufhin Kessel anschlie?end einen der M?nner mit seinem Polizeiwagen in voller Absicht ?ber den Haufen gefahren und schwer verletzt am Stra?enrand zur?ckgelassen hat. Diese Tat sorgt f?r einen Aufschrei in der Gesellschaft und bringt Krawalle nach M?nchen, die die Stadt wenige Tage vor der internationalen Sicherheitskonferenz ?berhaupt nicht gebrauchen kann.

Im Chaos der Ausschreitungen gelingt es Diller und Kessel zun?chst, der f?lligen Suspendierung zu entkommen. Stattdessen wird Diller sogar noch bef?rdert, da sein ehemaliger Vorgesetzter als Bauernopfer f?r die Ausschreitungen herhalten muss. Kessel hingegen wird durch seine Drogensucht immer weiter in Verstrickungen hineingezogen, die unweigerlich auf ein b?ses Ende zusteuern. Eine junge t?rkische Staatsanw?ltin hat sich an die Fersen von Diller und Kessel geheftet und ist als einzige von deren urs?chlicher Schuld an den Vorf?llen ?berzeugt.

Georg M. Oswald ist mit "Unter Feinden" ein rasanter Cop-Krimi gelungen, der nichts zu w?nschen ?brig l?sst und zahlreiche Facetten der allgemeinen Vorstellung eines Polizistenlebens bedient: Die beiden Protagonisten Markus Diller und Erich Kessel verbindet eine lange und tiefe Freundschaft mit einer gemeinsamen Vergangenheit bez?glich Dillers heutiger Ehefrau. W?hrend der eine das Familienleben mit viel Anstrengung zu meistern versucht, k?mpft der andere erfolglos gegen seine Drogensucht und ist damit als Polizist ein gefundenes Fressen f?r so manchen Klein- und Gro?kriminellen.

F?r die ungek?rzte Lesung konnte mit Detlef Bierstedt einer der erfolgreichsten und besten Sprecher der deutschen H?rbuch-Szene gewonnen werden. Gewohnt souver?n liest sich Bierstedt in den Roman ein und nimmt den Leser dank seiner sprachlichen Vielfalt mit auf die temporeiche Fahrt durch M?nchens Brennpunkte. Dass der Leser in den sechseinhalb Stunden keine Langeweile erf?hrt, ist der gelungenen Konzeption des Autors geschuldet. Oswald fokussiert sich in seinem Roman auf die entscheidenden Charaktere, l?sst keine unbedeutenden Nebenschaupl?tze entstehen und treibt die Handlung konsequent voran, bevor er diese in einem spektakul?ren Finale stimmig, aber h?chst ungew?hnlich enden l?sst.

"Unter Feinden" mag einem wie ein Wolf im Schafspelz erscheinen. F?r einen Cop-Thriller mit Selbstjustiz, Drogenproblemen und tagelangen Ausschreitungen w?rde man f?r gew?hnlich eine US-amerikanische Gro?stadt als Schauplatz erwarten, jedoch nicht das beschauliche M?nchen, das gerne auch bajuwarisch-vertr?umt als "Weltstadt mit Herz" inseriert. Diese Kombination verleiht "Unter Feinden" einen leicht apokalyptischen und irrealen Anstrich. Hat man als H?rer den Plot als solchen akzeptiert, l?sst einen die Achterbahnfahrt im vorliegenden H?rbuch nicht mehr los. Begeistert, aber auch ungl?ubig lauscht man den Entwicklungen der Geschichte, die von Oswald derart ?berraschend konstruiert ist, dass man eher glaubt, die Lottozahlen vorherzusagen zu k?nnen, als den Fortgang oder die Aufl?sung der Geschichte zu erraten.

Christoph Mahnel
12.03.2012

 
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Das Buch:

Georg M. Oswald: Unter Feinden

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Sprecher: Detlef Bierstedt
Hamburg: Osterwold Verlag 2012
Spielzeit: 390 Min., 19,99
ISBN: 978-3-86952-120-6

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